Frieze - London

Minimalismus neben Gemälden der Renaissance

Die Frieze wird zehn und zeigt zum ersten Mal auch Kunst, die vor dem Jahr 2000 entstand – Direktorin Victoria Siddall erklärt art warum.
"Alles eine Einheit":Victoria Sidell, Direktorin der Frieze im Interview

Messe-Direktorin Victoria Siddall

In diesem Jahr findet die Londoner Messe Frieze zum zehnten Mal statt. Nachdem Anfang des Jahres schon in New York ein Ableger seine Tore öffnete, wartet die Messe nun mit einem weiteren auf: Frieze Masters.

In einem zweiten Zelt im Regent`s Park zeigen mehr als 90 Galerien aus aller Welt Kunst, die vor dem Jahr 2000 entstand, von ägyptischen Skulpturen über Gemälde der Renaissance bis zur Klassischen Moderne. art-Korrespondent Hans Pietsch sprach mit Direktorin Victoria Siddall.

Frieze hat sich als Messe für zeitgenössische Kunst in London und New York zu einer erfolgreichen Marke entwickelt. Warum wollen Sie diese mit Frieze Masters aufweichen?

Victoria Siddall: Es ist keine Frage der Aufweichung. Im Gegenteil. Frieze Masters entwickelte sich aus Gesprächen mit Künstlern über ihre Einflüsse. Und meistens sind das nicht Zeitgenossen, sondern Künstler der Klassischen Moderne oder Altmeister oder ganz alte Kunst. Künstler stehen in einer Tradition, es ist nicht das Hier und Heute gegen das Alte. Das ist alles eine Einheit. Darum geht es bei Frieze Masters.

Eine Messe ist aber kein kunsthistorisches Seminar – die beteiligten Galerien wollen verkaufen, Profit machen.

Natürlich. Frieze London, also die zeitgenössische Messe, ist erfolgreich. Die Galeristen kommen jedes Jahr wieder, das beweist den Erfolg. Und Frieze Masters entstand als Antwort auf eine Nachfrage – die großen Galerien wollten eine solche Messe, sonst hätten wir sie nicht eingerichtet. In den letzten zehn Jahren bekamen wir ständig Anfragen von Galerien, die ihre vor 2000 entstandene Kunst zu Frieze bringen wollten. Doch das war unmöglich, denn wir haben bei Frieze nun mal diese Zäsur des Jahres 2000.

Sehen Sie Frieze Masters als Konkurrenz zur Tefaf in Maastricht? Dort gibt es ja dieses Nebeneinander von Alt und Neu schon seit 20 Jahren.

Wir machen etwas ganz anderes. Wir von Frieze machen ja diese Messe, und das bedeutet: Unser Ausgangspunkt ist das Zeitgenössische, wir blicken auf die alte Kunst aus einer heutigen Perspektive. Und alles ist bunt durcheinander gewürfelt: Minimalismus neben Gemälden der Renaissance, ethnografische Kunst neben Klassischer Moderne.

Eine Sektion der Messe trägt den Titel "Spotlight". Was genau ist das?

Das sind 22 Galerien, zusammengestellt von dem im brasilianischen Sao Paulo ansässigen Kurator Adriano Petrosa. Jede dieser Galerien zeigt einen Künstler des 20. Jahrhundert, bekannte Namen wie Bruce Nauman oder Sigmar Polke, aber auch wenig bekannte Namen und vor allem Künstlerinnen. Da kann man also noch Entdeckungen machen.

Einige Galerien sind in beiden Messen vertreten...

Ja, das ist auch logisch. Frieze London ist sicher die zeitgenössischste der zeitgenössischen Messen. Doch eine ganze Reihe von Galerien verkaufen nicht nur ganz aktuelle Kunst, sondern auch Etablierteres. Etwa Gagosian, David Zwirner oder die Londoner Galerie Thomas Dane. Die haben jetzt die Möglichkeit, ihr gesamtes Angebot vorzustellen.

Wie soll dieses Crossover jetzt funktionieren? Ist die Hoffnung, dass sich Sammler aktueller Kunst plötzlich auch für ältere Kunst interessieren oder umgekehrt?

Beides sicherlich. Ich kenne eine ganz Reihe von Sammlern, die unter ihren zeitgenössischen Arbeiten auch ältere Werke haben. Ein solches Nebeneinander kann sehr gut aussehen. Ich kenne eine wunderbare Sammlung, die mitteltalterliche Plastik, Altmeister und Zeitgenössisches vereint. Und Fabrizio Moretti, ein bekannter Altmeister-Händler, der in unserem Auswahlkommittee sitzt, sammelt persönlich auch aktuelle Kunst. So etwas möchten wir mit der neuen Messe fördern.

Die beiden Zelte im Regent's Park gleichen sich von außen, doch innen sehen sie ganz anders aus.

Ja. Frieze London hat einen eher industriellen Look, man sieht die Zeltstruktur. Die in New York lebende deutsche Architektin Annabelle Selldorf hat für Frieze Masters dagegen einen eher minimalstischen Innenraum geschaffen, mit einer engen Farbenpalette, aus der sich die Galeristen ihre Farbe auswählen können – drei Grautöne und Weiss. Einfach, unaufdringlich und elegant.

Frieze Masters

London. 11. bis 14. Oktober 2012

http://www.frieze.com