Michael Werner - Art Cologne

In Berlin lief nie was und da wird auch nie was laufen

Der diesjährige Empfänger des Art-Cologne-Preises ist nicht gut auf die Kunstwelt zu sprechen. Galeristenlegende Michael Werner verkneift sich die Dankesworte und schimpft stattdessen auf Berlin und auf das Kölner-Kunstpersonal.
Publikumsbeschimpfung statt Dankesrede?:Der Empfänger des Art-Cologne-Preises

Michael Werner, Art-Cologne-Preisträger 2011

Er ist eine Legende unter den deutschen Galeristen: Michael Werner begleitete Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, A.R. Penck und Sigmar Polke bei ihrem Aufstieg zu den bekanntesten deutschen Künstlern. Nun erhält er den vom Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen BVDG) und der Koelnmesse vergebenen Art-Cologne-Preis für herausragende Leistungen der Kunstvermittlung. "Mit Michael Werner wird ein durchsetzungsstarker, international agierender Galerist gewürdigt, der seit fast 50 Jahren Maßstäbe für Galeriearbeit auf höchstem Niveau setzt," lautet die Begründung. Der Art-Cologne-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 14. April im Historischen Rathaus Köln an Michael Werner überreicht. Dennoch ist Werner keineswegs guter Stimmung:

Herr Werner, dieses Jahr werden Sie mit dem Art Cologne Preis geehrt. Freuen Sie sich?

Na ja, wenn der Bundesverband Deutscher Galerien und Editionen ihn mir unbedingt verleihen will, o.k. Allerdings habe ich es zur Bedingung gemacht, dass ich nichts dafür tun muss. Ich bin mitten in der Vorbereitung einer großen Per-Kirkeby-Ausstellung für das Bozar in Brüssel beschäftigt, die dann weiter nach Amerika wandert. Gleichzeitig organisiere ich die Begegnung zwischen Sigmar Polke und Marcel Broodthaers in der François Pinault Foundation in Venedig parallel zur Biennale. Es gibt viel zu tun.

Also haben Sie keine Zeit, Adressen für Ihre Gäste in Köln aus der Kartei heraus zu suchen?

Nein.

Und wie ist es mit einer Dankesrede?

Die würde wohl eher zu einer Publikumsbeschimpfung geraten. Also lasse ich das lieber sein.

Das klingt aber ziemlich verbittert....

Vielleicht bin über die Jahre ein bisschen zynisch geworden. Ich habe ja immer eine klare Linie vertreten: Tradition und Moderne. Und was sehe ich heute? Vor allem in Berlin geht es doch nur noch um Kulturevents, einen kurzen Nervenkitzel, wo jeder dabei sein will ohne wirklich hinsehen zu wollen.

Woher rührt dieser Zorn? Man sollte doch meinen, dass Sie mit Künstlern wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Sigmar Polke ein viel beachtetes und hoch dotiertes Galerienprogramm zwischen Berlin, Köln und New York fahren.

Ach wissen Sie, als ich in Berlin in den sicher schönsten Galerienräumen an der Kochstraße eine große Polke-Ausstellung gemacht habe, hat die Presse keinerlei Notiz davon genommen.

Ist das typisch für die Berliner Kunstszene?

Das war schon so, als ich meine Galerie dort gemeinsam mit Benjamin Katz 1962 aufgemacht habe. In Berlin lief nie was und da wird auch nie was laufen.

Woran mangelt es da?

Keine Rezeption, keine Kritik, keine Strukturen, in denen auch traditionelle und moderne Disziplinen weiter gedeihen können.

Dennoch sind Sie nach Berlin zurück gegangen...

Ja, da stamme ich ja her. Aber die Räume in Mitte habe ich nach dem Polke-Debakel meinem Partner Vene Klasen überlassen. Da mische ich mich nicht ein.

Nun agieren Sie von Ihrem nicht gerade in der Mitte des Geschehens gelegenen Refugium im Märkisch-Wilmersdorf aus.

Ja, hier habe ich ein Haus für meinen Lebensabend gekauft. Da ist mein Archiv, mein Büro, also das Herz meiner Unternehmungen. Von hier aus betreibe ich das, was ich als Dienstleistung bezeichne. Ich konzipiere Ausstellungen mit den von mir vertretenen Künstlern für Museen in Washington, Tschechien und wie gesagt jetzt gerade in Venedig.

Sie haben immer die Auseinandersetzung mit intellektuellen und schwierigen Künstlern gesucht, James Lee Byars und Marcel Broodthaers. Sehen Sie solche Künstlerpersönlichkeiten heute nicht mehr?

Nein, wenn ich die ganze Aufregung um Ai Weiwei verfolge, kann ich nur ganz im Geiste von Woody Allen sagen: Oiwawoi.

Wenn Sie nun in Köln den Preis entgegen nehmen, schlägt Ihr Herz angesichts der Stadt, in der sie reüssiert haben, nicht doch ein bisschen höher?

Köln ist toll, die einzige Kunst-Metropole in Deutschland – leider fehlt es auch dort inzwischen an der richtigen Belegschaft.

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