Viennafair 2009 - Kunstmesse Wien

Kunst, Krise und kaum Aufregung

Es ist ruhiger geworden in den Gängen der Viennafair 2009. 122 Galerien – weniger als im Jahr davor – nahmen dieses Jahr an der größten zeitgenössischen Kunstmesse Österreichs teil. Man hatte das Gefühl, die Veranstaltung trat luftiger, reduzierter in Erscheinung.

Woran die eher gedämpfte Atmosphäre lag, wurde bald klar: nicht nur die Stände haben sich verkleinert, auch das gezeigte Programm trat gemäßigter in Erscheinung. Die Aussteller setzten auf nachhaltige Arbeiten; Malerei und Fotografie dominierten, man vertraute auf Kunstsparten, die sich unkomplizierter an den Käufer bringen lassen. Womit das Thema angeschnitten wäre, das dieser Tage bedrohlich über Kunstmessen weltweit schwebt, wie Jakob Gasteigers riesiger schwarzer Polyesterzeppelin namens "Volumen" über dem Restaurantbereich der Viennafair 09: die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf den Kunstmarkt.

Zu spüren bekam man das auf der Wiener Messe schon allein dadurch, dass etwa die Hälfte der sonst anreisenden Sammler ausblieb und der VIP-Bereich wie leer gefegt erschien. Trotzdem – die kunstinteressierten Zaungäste sind nicht Zuhause geblieben, die Messeleitung verzeichnete in den ersten Tagen sogar einen Besucherzuwachs. Die Verkäufe, so der Grundtenor seitens der Galerien, liefen schleppender an als in den Jahren zuvor. Die sonst selbstsicher in die Runde gerufenen Verkaufszahlen wurden diesmal mit Zurückhaltung propagiert, die Preise in übersichtlichen Rahmen gehalten.

Londoner Galerist Anthony Wilkinson, Mitglied des Beirates der Viennafair, sieht die Zukunft der Kunstmessen allgemein problematisch – abgesehen von der schlechten wirtschaftlichen Lage gebe es eine zu hohe Dichte. Dadurch sei es schwer geworden, einen gewissen Anspruch und Standard zu halten, auch die Teilnahmebereitschaft der Galerien halte sich deshalb in Grenzen. Bei der Viennafair 09 haben Beirat und Messeleitung – Direktor ist wie in den letzten Jahren ein zuversichtlicher Edek Bartz – den internationalen Kontext gesucht, mit besonderem Augenmerk auf die Nachbarländer in Ost- und Südosteuropa. 45 Galerien aus Westeuropa und 29 aus dem Osten befanden sich schließlich unter den Teilnehmern, den Rest besetzten österreichische Aussteller – deren Dominanz beim Rundgang aber nicht zu übersehen war.

Beste "Emerging Gallery": Galerie Andreas Huber

Exzentrische Statements blieben dieses Jahr weitgehend aus. Gustav Trogers mit Spiegelscherben besetztes Motorboot aus der Serie "Mirror Displacement" wirkte in seiner Opulenz fast deplatziert im vorherrschenden Kontext. Es befand sich in der Zone 1, einem offenen Standsystem, wo Galerien auf 20 Quadratmeter Arbeiten junger Künstler einander gegenüberstellen konnten. Man stieß dort unter anderem auf eine Leuchtschrift von Christoph Hinterhuber, eigenwillige Performancekunst von Marc Aschenbrenner sowie Kunststoff-Designstücke von Philipp Aduatz oder Lichtobjekte von Ivana Franke.

Ausgezeichnet wurde dieses Jahr als beste "Established Gallery" die Engholm Engelhorn Galerie, die mit loungeartiger Standatmosphäre – Lampenobjekte von Claus Föttinger und eine Chaislongue von Björn Dahlem zeugten von Gemütlichkeit mit Understatement – eine geschickte Kombination aus Design, Installation und Kunst mit einem Querschnitt durch das Programm der Galerie zusammengestellt hat. Beste "Emerging Gallery" wurde die Galerie Andreas Huber mit seiner medial gemischten Präsentation von Jungkünstlerin wie Florian Schmidt, Leopold Kessler oder Carola Dertnig.

Ein innovatives Projekt: "Curated by_Vienna 09"

Trotz der Dichte an Arbeiten, die eine Kunstmesse nun mal ausmacht, konnte man zwischendurch die Ruhe finden, um sich neben prestigeträchtigen Protagonisten wie Julian Opie, Andy Warhol oder den Lokalgrößen Arnulf Rainer und Hermann Nitsch auf noch nicht gesehene Einzelstücke zu konzentrieren. Aus der Reihe tanzten vor allem die Galerienstatements aus dem Osten, wie etwa die 2Meta Gallery aus Bukarest, die ein interaktives Animationsprojekt der 2Meta Group zeigte. Für die ungarische Faur Zófi-Ráday Gallery präsentierte Bálint Bolygó der eine Art Zeichenmaschine, als deren Ausgangspunkt ein auf einer Drehscheibe montierter Gipsabdruck eines Kopfes agierte. Eine auflockernde Performance zum Sehen und Hören bot die Universität für angewandte Kunst mit Martin Rilles "Coded Sensation": Mit digitalem Tonmaterial durchsetzte Kleidung erzeugt durch Berührung eine klirrend-kratzige Klangkulisse. Die DNA-Galerie Berlin präsentierte Clemens Krauss’ fragile Rauminstallation: ein 15 Meter langer 16-Millimeter-Film spannte sich durch den Stand, um aus dem Kreuz und Quer einen geloopten Film zu projizieren.

Abseits des Messerummels bietet sich noch bis Juni ein innovatives Projekt zur Besichtigung an: "Curated by_Vienna 09" heißt ein von "depature", der Wiener Förderagentur für Kreativwirtschaft, organisiertes Kooperationsexperiment im Rahmen der Viennafair, an dem 18 Wiener Galerien teilnehmen. Sie teilen sich in vier Gruppen und stellen ihre Räumlichkeiten fünf internationalen Kuratoren zur Verfügung, die flächen- und lokalübergreifende Ausstellungen gestalten. María de Corral und Dan Cameron bringen mit "Inside Job" (im Gaunerjargon so viel wie: "Diebstahl mithilfe eines eingeschleusten Spitzels") dieses Konzept auf den Punkt: Die Galerien bleiben zwar Ausstellungsorte, befinden sich jedoch in fremder Hand, ihrer Entscheidungskraft beraubt. Gianni Jetzer etwa kuratiert die Schau "Beginnings, Middles and Ends", die vier Galerien der Wiener Schleifmühlgasse als Spielort nutzt und sich mit Fragmenten, Frequenzen und narrativen Bruchstücken von Erzählungen beschäftigt. Wie dem roten Faden folgt man dem Ausstellungskonzept durch verschiedene Galerieräumlichkeiten. Weitere Kuratoren sind Matthew Higgs und Jérôme Sans, die jeweiligen Ausstellungen spannen einen Bogen quer durch Wien. Das Konzept, das auf Zusammenarbeit der Galerien untereinander und Vertrauen in die jeweiligen Fremdkuratoren setzt, ist aufgegangen – und zwar ohne organisatorische Pannen, wie man es bei solch einem übergreifenden Aufwand erwarten würde.

Mehr zum Thema im Internet