Tefaf 2009 - Maastricht

Der Krise zum Trotz: Erfolg der Tefaf

Die European Fine Art Fair (Tefaf) ist und bleibt der Maßstab für Qualität und Umsatz bei Kunst und Antiquitäten. Große Zufriedenheit zeigte sich auch dieses Jahr mit sehr ungewissen Erwartungen.
Der Krise zum Trotz: Erfolg der Tefaf:Tefaf neigt sich dem Ende zu

Blick in die Kunstmesse Tefaf

Mehr als 150 Museumsdirektoren aus aller Welt, darunter allein 23 aus Amerika, 33 aus Deutschland und 32 aus den Niederlanden, reisten nach Maastricht. 104 Privatjets landeten in den ersten drei Tagen auf dem Airport Aachen-Maastricht. Dabei wurde viel getuschelt, ob der eine oder andere einen Umweg über die Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein genommen habe, um Geld von Nummernkonten in Maastricht in wertbeständige Kunstwährung anzulegen.

Für diese Klientel mag ein erstmals auf der Tefaf vertretener Stand ganz besonders interessant gewesen sein: The Singapore Freeport sagt den Freilagern für Kunst in der Schweiz den Kampf an. Die ersten 22 000 Quadratmeter des Hochsicherheitstraktes für Luxusgüter auf dem Flughafen von Singapur sind ein halbes Jahr vor der Eröffnung schon überbucht. Technisch und logistisch auf dem neusten Stand ist der Singapore Freeport nicht nur ein Lager für Kunst, Schmuck und Zigarren. Er verfügt auch über zoll- und steuerfreie Zonen, in denen permanent gekauft und verkauft werden kann, ohne dass das einer Behörde gemeldet werden muss, dass Ware ein- und ausgeführt wird. Dafür bürgt als Shareholder auch der Staat Singapur.

Was könnte dort von den vielen verkauften Kunstschätzen auf der Tefaf 2009 nicht alles landen oder neuen Kunden präsentiert werden? Denn der Krise zum Trotz, noch müssen gesicherten Kunstwerten, ihren Händlern und Kunden keine Stützriemen eingezogen werden wie den Banken und der Automobilbranche. Die Verkäufe auf der Tefaf liefen gut, teilweise sogar sehr gut. Der Altmeisterhändler Konrad O. Bernheimer (München/ London) verkaufte gleich am Eröffnungsabend für rund fünf Millionen Euro das Porträt eines jungen Mannes von Peter Paul Rubens um 1610, das einmal der Familie Rothschild gehört hatte.

Der Berliner Schmuckhändler Ulf Breede setzte genauso viel um wie 2008, wenn auch in kleinteiligen Objekten. Der Erstaussteller Rudolf Kicken (Berlin) hatte in zwei Tagen die Kosten für seinen aufwändig gebauten Stand mit exzellenter Vintage-Fotografie heraus. Auch er erfuhr, welche Dynamik die Existenz der Tefaf bereits im Vorfeld erzeugt: Am Telefon erwarb noch vor der Eröffnung ein Privatsammler die Ikone von Man Ray "Noire et Blanche" von 1926. Der Londoner Antikenhändler Rupert Wace konnte einen hellenistischen Kopf eines bärtigen Gottes aus Marmor ebenfalls gleich in London lassen. "Ein Jahr lang hat sich ein Museum für den Ankauf Zeit genommen", erfährt man dort, "aber zwei Tage vor der Tefaf fiel die Entscheidung ganz schnell."

Eine Designabteilung ist erstmals Bestandteil der Tefaf

Der neu geschaffenen Design-Abteilung hat man für ihren ersten Auftritt mit acht führenden europäischen Händlern keinen Gefallen getan, sie in den ersten Stock abseits vom Hauptgeschehen zu platzieren. Dadurch wurde der Messe viel Spannung entzogen. Bei Axel Vervoordt, dem großen Inszenator eklektischer Kunst, und dem Schweizer Antikenhändler David Cahn vermisste man den Brüsseler Design Experten Philippe Denys als langjährigen Nachbarn. Dennoch ergaben sich in der Design-Enklave interessante Kontakte und Verkäufe. Ulrich Fiedler (Berlin) verkaufte einen Stuhl von Michael Thonet aus dem Jahr 1836/40 an ein amerikanisches Museum. Fiedler hatte schon im Vorfeld der Messe die mangelnde Nähe zum Messegeschehen beklagt. Für das nächste Jahr will er dafür plädieren, die großzügigen Gastronomiezonen im Erdgeschoss nach oben zu verlegen und das Design Kontraste schaffend zwischen die anderen Künste zu setzen.

Auch wenn die Abteilung zeitgenössischer Kunst einige Aderlässe hinnehmen musste, so gab es doch auch da beeindruckende Beiträge. Unter dem Titel "Disasters" präsentierte Daniella Luxembourg (London) gemeinsam mit Amalia Dayan (New York) ein Panorama des Schreckens mit Werken von Andy Warhol, Lucio Fontana, Damien Hirst, Richard Prince und ein "Swiss House on Fire" von Jean-Michel Basquiat. Für 600 000 Euro entschied sich ein Sammler sofort für eine Arbeit aus Holz und Blei von Luciano Fabro in Form der italienschen Landkarte. Bei Hauser & Wirth (Zürich/London) gab man sich klassisch und doch experimentell, kombinierte Stelen von Louise Bourgeois mit Büsten von Alberto Giacometti und zeigte winzige Aquarelle von Max Ernst, die einmal Tristan Tzara gehört hatten.

In den letzten beiden Tagen erwartet die Tefaf noch einen Besucheransturm, rund 70 000 werden es dann gewesen sein. Wie die langjährigen Teilnehmer wissen, können dann noch viele Entscheidungen fallen. Auf etwas Besseres muss man dann wieder ein Jahr warten. Das ist auch in Zeiten mit dem großen "K" so.

European Fine Art Fair

Termin: bis 22. März, Maastricht

http://www.tefaf.com

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