Art Cologne - Resümee

Gemeinsam sind wir stärker

Der Eröffnungstag war ein Rausch, auf den trotz flauer Werktage kein Kater folgte. Mit der 48. Art Cologne waren beinahe alle Galeristen glücklich, allerdings verhinderte die Finanzpolitik der Bundesländer ein noch besseres Geschäft.
Erfolgsrezept:So hat Daniel Hug die Kölner Messe auf Kurs gebracht

Christian Nagel brachte es am Schlusstag auf den Punkt. "Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass die Art Cologne heute wieder zu den vier wichtigsten Kunstmessen der Welt zählen würde", sagte der Galerist mit Niederlassungen in Berlin und Köln.

Über die genaue Platzierung der Art Cologne gehen die Meinungen zwar noch auseinander. Aber darüber, dass die einst kriselnde Kunstmesse die wichtigste in Deutschland und die einzige deutsche von internationalem Format ist, sind sich alle Galeristen einig. Auch Messeleiter Daniel Hug zeigte sich bei seinem öffentlichen Bilanzgespräch zufrieden. Die Vernissage sei "ein Rausch" gewesen, die beiden folgenden Werktage etwas "langsam", aber insgesamt sei "mit Sicherheit" wieder mehr verkauft worden als im letzten Jahr. So ähnlich sah es auch Carolin Leistenschneider von der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts. Sie hatte eine "sehr gute Messe" erlebt und sagte, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Galerie nächstes Jahr wiederkommen werde. Contemporary Fine Arts gehört zu den Adressen, die die Art Cologne lange Jahre vermisste und mit denen sie weiter attraktiver wird.

Daniel Hug ist es erneut gelungen, die Messe durch viele kleinere und einige größere Änderungen zu verbessern. Bei den größeren Änderungen heißt das Erfolgsrezept Zusammenarbeit. Die gibt es neuerdings zwischen der Art Cologne und der Art Brüssel, mit der sich Hug bei den Terminen abgesprochen hat. Die beiden Messen überschneiden sich nicht mehr, so dass in diesem Jahr in Köln ein reger Andrang aus den Beneluxländern und Frankreich zu beobachten war; für Brüsseler Sammler hatte die Art Cologne eigens eine Busreise mit Atelierbesuchen und Rundumbetreuung organisiert. Dieser "enge Austausch" (Hug) mit der am 25. April eröffnenden Art Brüssel soll weitergehen, der Art Cologne-Chef erhofft sich zwischen den beiden Messen eine ähnliche Dynamik wie zwischen Frieze London und Fiac Paris.

Eine strahlende Zukunft prophezeite Hug auch der von ihm eingeführten und allgemein gelobten Sektion "Collaborations". In dieser können sich zwei Galerien einen Stand teilen, wenn sie denselben Künstler vertreten oder konzeptionell ähnlich arbeiten. "Andere Messen werden nachziehen", ist sich Hug sicher, denn die Galeristen würden nicht nur Kosten sparen, sondern auch Kontakte gewinnen. Kritik an der Art Cologne gab es bei den Details, auch von Hug selbst. Der große Boulevard in der oberen Halle soll im nächsten Jahr heller werden und außerdem als Skulpturen-Allee genutzt werden. Und natürlich sind auch zufriedene Galeristen nie ganz zufrieden: Thomas Zander (Köln) erhofft sich mehr britische Galerien, die mehr britische Sammler nach Köln bringen, und Christian Nagel würde gerne eine größere Anzahl von jungen Sammlern auf der Messe sehen. An der Amerika-Sehnsucht nach den Superreichen litt in Köln hingegen kaum noch jemand. Warum auch, wenn selbst Großgalerien wie David Zwirner und Hauser & Wirth mit den deutschen und benachbarten Sammlern und Institutionen auf ihre Kosten kommen.

Einen Lernprozess machte Daniel Hug beim Thema erhöhte Mehrwertsteuer für den Kunsthandel durch. Hielt er dies vor der Messe noch für ein Luxusproblem, drängte er jetzt darauf, die Margenbesteuerung, mit der die Anfang des Jahres wirksam gewordene Erhöhung von 7 auf 19 Prozent abgemildert werden soll, endlich einzuführen. "Die Mehrwertsteuer hat eine große Rolle gespielt", sagte Hug, und auch viele Galeristen glauben, dass die Verkäufe darunter gelitten haben. Bislang weigern sich die zuständigen Bundesländer, eine gesetzliche Regelung der Bundesregierung zur Margenbesteuerung umzusetzen. "Die Politiker müssen sich beeilen", so Hug, "sonst haben wir keinen Kunstmarkt mehr."