Sammlung Lenz Schönberg - Sotheby's

Ich habe immer mit dem Bauch gekauft

Im Rahmen der "Contemporary Art"-Auktionen bei Sotheby’s in London stehen morgen (10. Februar) auch 49 Kunstwerke aus der ZERO-Sammlung Lenz Schönberg zum Verkauf. Das deutsche Ehepaar Anna und Gerhard Lenz hat in den letzten 50 Jahren bedeutende Werke von Künstlern wie Yves Klein, Lucio Fontana, Piero Mazoni, Otto Piene, Günther Uecker und Roman Opalka zusammengetragen. Im art-Gespräch erklärt Gerhard Lenz, warum er sich jetzt von einigen seiner geliebten Stücke trennen will.
ZERO-Kunst bei Sotheby’s:Interview mit dem Kunstsammler Gerhard Lenz

Gerhard Lenz vor Sarah Morris "Department of Water and Power (Los Angeles)", 2004: "Der Erlös aus der Auktion soll in eine Stiftung fließen, die dann den Bestand der Sammlung sichern hilft"

Herr Lenz, sie kommen gerade aus dem Showroom von Sotheby’s in London. Was ist das für ein Gefühl, Ihre Bilder zum letzten Mal zu sehen, bevor sie versteigert werden?

Gerhard Lenz: Schrecklich. Es ist nicht schön. Aber die Bilder glänzen richtig bei Sotheby’s, gerade auch im Vergleich zur übrigen Kunst, die dort angeboten wird. Da muss man schon sagen, ZERO, diese wichtige Kunstströmung der Nachkriegszeit, überstrahlt alles, was danach gekommen ist.

Warum lassen Sie jetzt einen Teil Ihrer Sammlung versteigern?

Wir haben es in unserem Enthusiasmus zu 600 Bildern gebracht. 600 Bilder im privaten Rahmen, das ist schon sehr viel. Und da wir keine öffentliche Unterstützung haben und uns jetzt in einem Alter befinden, in dem wir uns über unser Erbe Gedanken machen, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Denn wir wollen unsere beiden Söhne mit der Pflege unserer Sammlung nicht unnötig belasten. Der Erlös aus der Auktion soll in eine Stiftung fließen, die dann den Bestand der Sammlung sichern hilft.

Heißt das, eine Kunstsammlung kann bei aller Freude auch zur Belastung werden?

Nein. Aber zu einer Aufgabe! Ich habe immer gesagt, dass man an Kunst auch mit noch so viel Geld kein Eigentum erwirbt. Man hat einen Besitz, den man in Ordnung zu halten hat, der kunsthistorisch betreut und konservatorisch gepflegt werden muss.

Wie kam es, dass Sie sich beim Sammeln auf die ZERO-Bewegung beschränkt haben?

Das ist ganz einfach: Weil ich es selbst bin. Die Künstler sind ja meine Altersgenossen, sind also auch um die 80. Aber wirklich ausschlaggebend war die Kunst. Ich habe mich sehr lange ausschließlich mit der Kunst befasst. Und erst viel später habe ich die Künstler kennengelernt, nachdem wir schon eine ganz ordentliche Sammlung zusammengetragen hatten. Die waren zunächst erstmal sehr skeptisch, weil es ihnen völlig fremd war, dass jemand ihre Bilder haben wollte. Andererseits hatten sie große Vorbehalte mir gegenüber, diesem Kerl, der Geld hat. Aber es hat sie versöhnt, als sie gesehen haben, dass ich immer ihre besten Bilder gekauft habe.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Stücke, die Sie erworben haben, vorgegangen?

Ich habe immer mit dem Bauch gekauft. Es waren ganz spontane Entscheidungen. Die Sachen, die mich interessierten, waren immer spröde, für andere kaum zugänglich.

Haben Sie sich beim Kunstkauf auch mal übernommen, das heißt verschuldet?

Aber gewaltig! Wissen Sie, bei Sammlern, die wirklich passioniert sind, geschieht das immer wieder. Wir haben uns alle schon mal hoch verschuldet.

Heutzutage wird im Zusammenhang mit Kunstsammeln immer wieder gern von Investment und Rendite geredet. Sind Kunstwerke eine gute Geldanlage?

Ja, wenn man etwas von Kunst versteht. Aber ich glaube mit dem Bekanntheitsgrad eines Künstlers geht die Qualität seiner Kunst bei weitem nicht einher. Als ich anfing zu sammeln, hatten alle Künstler, die sich in unserer Sammlung befinden, noch keinen Namen.

Wird die ZERO-Kunst immer noch unterbewertet?

Auf jeden Fall. Das wird jetzt auch bei Sotheby’s klar. Die Stücke sind eher niedrig angesetzt. Jetzt werden wir sehen, was passiert. Ich denke, Sotheby’s macht mit dieser Auktion Kunstgeschichte. Zum ersten Mal wird ZERO auf dem Markt im breiteren Umfeld bekannt. Und der Run ist groß. Nach meinem Empfinden wird für viele hier in London ZERO gerade erst entdeckt.

Gibt es eine andere Kunstrichtung, die Sie auch interessiert hätte, der Sie sich wegen Ihre Liebe zu ZERO nicht gewidmet haben?

Zurück. Für mich geht’s, wenn überhaupt nur zurück. Denn ZERO hat so eine hohe Qualität, das ist durch nichts, was danach gekommen ist, auch nur annähernd erreicht worden. All die hoch gepushten Namen, die heute Millionen kassieren, wandern in 20, 30 Jahren in die Keller der Museen. Deshalb interessiert mich nichts, was nach ZERO gekommen ist. Aber natürlich würde ich gern ein Bild von Matisse klauen, wenn ich irgendwo eines habhaft werden könnte.

"Contemporary Art"-Auktionen

Termin: 10. Februar, Sotheby's London
http://www.sothebys.com/