Art Forum 2008 - Berlin

Jetzt schlägt's dreizehn!

Die Angst vor der Krise war groß – und auch die Überraschung: Die scheidende Messeleiterin Sabrina van der Ley verabschiedet sich in Berlin mit einer Glanzvorstellung.
Die Angst vor der Krise war groß – auch die Überraschung:das Art Forum 2008

Schrille Neonfarbe und zu wenig Sonnenbrillen: Der Stand von Oliver Koerner von Gustorf und Frank Müller (Galerie September) bietet den größten Schockeffekt

Das 13. Berliner Art Forum schien unter keinem guten Stern zu stehen. Erst verlegte die Messeleitung aufgrund von Terminschwierigkeiten in einer Nacht-und-Nebelaktion den traditionellen Messestart von September auf Anfang November, dann intrigierten unzufriedenene Galeristen erfolgreich gegen Messechefin Sabrina van der Ley, und zu allem Überfluss trat plötzlich mit der Art Berlin Contemporary (abc) Anfang September eine ernst zu nehmende Gegenveranstaltung auf den Plan, mit der man sich nicht auf ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen einigen konnte.

Die Krise an den internationalen Finanzmärkten kündigte sich da gerade an. Doch dies alles hat der Messe anscheinend nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Die scheidende Leiterin van der Ley, die demnächst ihren neuen Job in der Hamburger Kunsthalle antreten wird, verabschiedet sich mit einer Glanzvorstellung, die – wie immer in Berlin – freilich ganz ohne hysterische Spitzen und Glamourattacken auskommt.

Es sind viele kleine Dinge, die das diesjährige Art Forum, zu dem 127 Galerien aus 26 Ländern angereist sind, zu einer gelungenen Veranstaltung machen. Während die großen und mittleren Galerien mit eher konventionellen Ständen aufwarten, beweisen vor allem die Messe-Neulinge Mut und zeigen an ihren Ständen Kunst, zu der man öfters zurückkehrt. Besonders in der vom Berliner Architekten Roger Bundschuh gestalteten Freestyle-Halle, in der sich die Ausstellerboxen ringförmig-elegant um einen großen Loungebereich gruppieren, werden die Besucher mit mancher Entdeckung belohnt. So präsentiert die Galerie Lüttgenmeijer eine Reihe von tribalistischen Artefakten des amerikanischen Künstlers Matthew Ronay, die den kleinen Raum sofort die Anmutung einer ethnologischen Sammlung der etwas schrägeren Sorte verliehen. Auffällig ist auch die Präsentation der Berliner Galeristin Sassa Trülsch, die die Gestaltung ihrer Ausstellungsfläche der Künstlerin Alexandra Leykauf anvertraute. Leykauf fertigte ein Modell der Koje aus Pappe, dessen Wände sie seitlich faltete, und übertrug das Ergebnis wiederum auf den realen Stand.

Geschmeidige Bewegungen, statt Krisenstarre

Den größten Schockeffekt erzielt allerdings das Galeristenduo Oliver Koerner von Gustorf und Frank Müller von der Galerie September, die ihre Koje zwar mit einer schrillen Neonfarbe dekorierten, aber dann jedoch vergaßen, genügend Sonnenbrillen für sich und das Publikum auf die Messe mitzubringen. In solch greller Umgebung wirkten sogar die eher illustrativen Zeichnungen der Berliner Kultfigur Tabea Blumenschein sensationell.

Weniger gut zu finden als der September-Stand waren die Exponate der diesjährigen Sonderausstellung "Difference, what difference?" für die der Kurator Hans-Jürgen Hafner auf die Trennung von Messebereich und Ausstellungsbereich verzichtete und statt dessen die Kunst von 32 Künstlern, darunter Stephen Willats, Bettina Allamoda oder Luis Jacob über die ganze Messe verteilte. Was auf dem Papier ziemlich konstruiert aussah, das funktionierte im Trubel der Messe ausgezeichnet. Plötzlich bilden sich kleine Ruhezonen oder am Stand musste der Unterschied zwischen Ware und Ausstellungsstück erklärt werden. Die Angst vor der großen Krise, die auch auf der Berliner Messe lauert, führt nicht zur Starre, sondern zu sehr geschmeidigen Bewegungen.

"Art Forum Berlin 2008"

Termin: bis 3. November, Hallen 18 - 20, Halle 11.2 (Sonderausstellung), Messegelände Berlin,
Palais am Funkturm, Eingang Halle 19, Masurenallee, Berlin-Charlottenburg.
http://www.art-forum-berlin.de

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