FIAC 2009 - Paris

Kaufkater nach dem Rausch

Auch in Paris ist aufgrund der Finanzkrise Zweckoptimismus angesagt. Die Kunstmesse FIAC zeigt in diesem Jahr vor allem modischen Mainstream und gediegene Wohnzimmerformate der mittleren Preisklasse.
Der Kunstmarkt bröckelt weiter:Zweckoptimismus auf der Pariser Kunstmesse

Der Kunstmarkt bröckelt weiter: Dewar & Gicquels "Mason Massacre", 2008, auf der Pariser FIAC 2008

Mit viel Prominenz, aber wenig Kauflust eröffnete in Paris die Kunstmesse FIAC. 105 renommierte Galerien unter der großen Glaskuppel des Grand Palais und 75 jüngere Händler in der Cour Carré des Louvre wurden wie gewohnt vom zahlreichen, aber abwartenden Publikum gestürmt.

Vor allem die sauber und ordentlich gehängten, aber wenig Spektakuläres bietenden Stände im Grand Palais wurden von Filmstars wie Carol Bouquet, Dennis Hopper oder Michelle Yeoh eher abwägend gemustert. Es fehlten wichtige ausländische Großsammler, und auch die schon vor der Eröffnung die Stände inspizierenden Vertreter von Museen und Stiftungen blieben ebenfalls zurückhaltend.

Die FIAC ist traditionell eine Publikumsmesse mit hohen Besucherzahlen und viel Showwert, und auch dieses Mal gaben sich Besucher und Händler wieder gut gelaunt. Schon seit Jahren verzichtet die FIAC auf spitzenpreisige Gegenwartskünstler, doch vermisst man dieses Mal zusätzlich Positionen der Klassischen Moderne. Es gibt weder Pablo Picasso noch Andy Warhol noch teure Zeitgenossen wie Anselm Kiefer, Gerhard Richter oder Georg Baselitz zu kaufen; statt dessen vor allem gediegene Wohnzimmerformate der mittleren Preisklasse zwischen 30 000 und 80 000 Euro.

Freche Einzelausstellungen sucht man vergeblich

Gewarnt durch die laut Insiderauskunft um 70 bis 80 Prozent geschrumpften Verkäufe auf der Londoner Kunstmesse Frieze und die enttäuschenden Ergebnisse der Londoner Herbstauktionen, vermieden die meisten Aussteller extravagante Installationen oder Videokunst und bleiben auf Nummer Sicher, sprich bei Tafelbildern und Wohnzimmerformaten. Das gilt auch für die wie schon im Vorjahr nach Paris zurückgekehrten New Yorker Galerien wie Paula Cooper, Marian Goodman, Cheim & Read oder Luhring Augustine. Die französische Präsenz wurde von der Messeleitung weiter geschrumpft, doch selbst Yvon Lambert oder Emmanuel Perrotin ergreifen die Chance zum spektakulären Heimspiel nicht und zeigen in gemischter Präsentation modischen Mainstream. Ausflüge in die jüngere Kunstgeschichte wie bei den Kölnern Kewenig oder Karsten Greve bleiben Ausnahmen, die Präsentation der historischen Abstrakten Maria Elena Vieira da Silva bei der am Wochenende mit viel Pomp umgezogenen Pariser Galerie Jeanne Bucher ein Einzelfall.

Auch freche Einzelausstellungen, wie etwa vom Berliner Künstler Anton Henning bei Arndt & Partner, sucht man in diesem Jahr ansonsten vergeblich. Die gibt es schon eher im Cour Carré des Louvre, wo die jüngeren Galerien gedrängt, aber energisch Nachwuchs anbieten und man schon am Eröffnungsabend auf Schnäppchenjagd ging, etwa bei den jungen Pariser Galerien Chez Valentin oder LA B.A.N.K., die großformatige Fotoarbeiten der jungen Lara Baladi gleich vier- und fünffach verkaufte.

Außergewöhnliches gibt es eigentlich nur im die beiden FIAC-Teil verbindenden Außenbereich im Jardin des Tuileries, wo Künstler wie Dan Graham (Hauser & Wirth), Bertrand Lavier (Kewenig) oder Kiki Smith (Lelong) große Skulpturen installiert haben. Oder im Beiprogramm: Am Samstag tritt im Louvre der kanadische Künstler Rodney Graham mit seiner eigenen Rockband auf.

FIAC 2008

Termin: bis 26. Oktober, Grand Palais, Cour Carrée du Louvre, Paris.
http://www.fiac.com/