Art Cologne - Messe

Wir brauchen noch etwas Zeit

Im Vorfeld der 45. Art Cologne gibt es reichlich Gesprächsbedarf. Daniel Hug, seit drei Jahren Leiter der ältesten Kunstmesse der Welt, über Hochs und Tiefs, den langen Weg zurück zu alter Stärke, gefälschte Bilder und Galeristen, die leider draußen bleiben müssen.
Zurück zu alter Stärke:DasFlagschiff unter den deutschen Kunstmessen

Daniel Hug bei der Pressekonferenz 2010

art: Herr Hug, für die letzten Messen haben Sie viel Lob erhalten. Wie weit sehen Sie sich auf dem Weg zurück zu alter Stärke?

Daniel Hug: Im Vergleich zur Art Basel brauchen wir noch ein bisschen Zeit. Allerdings haben wir mit den 1960er und 1970er Jahren auch einen ganz anderen Schwerpunkt. Das Problem vieler Messen ist, dass sie Basel als Gradmesser nehmen und kein eigenes Profil entwickeln können.

Deswegen ist es mir sehr wichtig, dass wir bedeutende Galerien auf die Art Cologne holen, die in Basel nicht vertreten sind. Und vergessen Sie nicht: Es existiert kein internationaler Kunstmarkt mehr, sondern vielmehr eine globale Kunstwelt. Und da gibt es einfach zu viele interessante Galerien für eine einzige Messe.

In Basel ist das Zulassungsverfahren gerade ins Gerede gekommen. Wie machen sie das auf der Art Cologne?

Bei uns gibt es den Beirat. Der besteht aus acht Mitgliedern, alles kommerzielle Galerien, die auf ein bestimmtes Segment spezialisiert sind.

Führt am Prinzip, dass Galeristen über die Zulassung ihrer Konkurrenz entscheiden, kein Weg vorbei?

Nein, da sehe ich keinen anderen Weg. Die Galeristen kennen sich untereinander, man kennt das jeweilige Programm, man weiß, wofür der Händler steht.

In den Schlagzeilen ist der Kunsthandel auch wegen der Fälschungen aus der Sammlung Jägers.

Fälschungen gibt es im Kunstmarkt schon immer, wie auch in anderen Luxusbereichen. Wir haben eine zweite, unabhängige Jury, die während des Aufbaus durch die Hallen geht und alles prüft. Das sind acht Museumsleiter und Kuratoren aus der Region, die teilen die Messe unter sich auf. Letztes Jahr wurde eine Fälschung entdeckt, der Galerist hat das Werk dann freiwillig entfernt. Ich kenne das auch aus dem eigenen Familiennachlass. Es gibt viele gefälschte Moholy-Nagys, aber die erkennt man sofort. Fälschungen, die so gut sind, dass sie von Galerien gehandelt wurden und eine Provenienz haben, sind sehr selten. Das ist ein weiterer Grund, warum die Zulassung zur Messe von Galeristen vorgenommen werden sollte. Im Kunsthandel spricht sich schnell herum, wenn ein Kollege mit Fälschungen arbeitet.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Kunststandorts Köln?

Es gibt immer Hochs und Tiefs. Dabei hat das Rheinland den anderen Kunststandorten etwas voraus: Tradition. Wir haben eine lange Tradition des Sammelns und dies in guten wie in schlechten Zeiten. Das sieht man an zahlreichen privaten Sammlungen wie an Institutionen. Das liegt in den Wurzeln, das geht weiter und wird nie verschwinden, ganz im Gegenteil sind in den letzten Jahren wieder neue Galerien und Sammler hinzugekommen.

Gibt es Neues auf der Art Cologne?

Vieles. Wow! Ein Höhepunkt ist unsere Sonderausstellung des belgischen Künstlers Panamarenko. In den letzten Jahren haben wir in der Eingangshalle immer einen Skulpturenpark mit Werken verschiedener Künstler aufgebaut. Ab jetzt einigen wir uns auf eine einzige historische Position und sagen: „Das ist dieses Jahr das Gesicht der Messe.“