Armory Show - Katelijne De Backer

Bühne frei für Berlin

Die Berliner haben bei der Armory Show in New York ihren großen Auftritt: Neben der Hauptmesse, die um den zusätzlichen Pier mit "Modern Art" erweitert wurde, präsentieren sich unter der neuen Kategorie "Armory Focus" in diesem Jahr mehr als 20 Berliner Galerien. Armory-Direktorin Katelijne De Backer erklärt, warum den Deutschen in diesem Jahr Sonderstatus eingeräumt wurde.
Schwerpunkt Berlin:Die New Yorker Armory Show mit neuem Konzept

Armory-Direktorin Katelijne De Backer

Frau Backer, warum fiel die Wahl auf Berlin?

Katelijne De Backer: Auf Grund der großen Konkurrenz muss sich eine Messe ständig ein kleines bisschen neu erfinden. Wir hatten die Idee, uns mit "Armory Focus" jedes Jahr einer Stadt zu widmen. Aber dann entschieden wir uns dafür, dass der Fokus in Zukunft auch auf einer Region wie dem Mittleren Osten oder auf einem Gebiet wie Fotografie und Bildhauerei liegen kann. Dass es in diesem Jahr letztlich doch mit einer Stadt losgeht, liegt an der Energie und Kreativität, die man in Berlin im Moment vorfindet. Es lässt sich mit der Stimmung in New York vergleichen, als diese Messe 1994 unter dem Namen "Gramercy Art Fair" startete.

Hat Berlin etwas, was New York, dem Marktplatz der Kunst, verloren gegangen ist?

Eine ähnliche Energie findet man bei den Galerien der Lower East Side, wo alles – ich mag es kaum sagen – weniger geschäftsorientiert abläuft. Die Galerien dort machen, woran sie glauben. Sie gehen Risiken ein. Und sie können es sich leisten, weil sie nicht so hohe Kosten haben. In Chelsea hingegen findet wirkliches Business statt. Das ist es, was die Kunstwelt geworden ist.

Wie lief der Auswahlprozess für die Berliner Teilnehmer ab?

Ich bin viele Male in die Stadt gereist und habe sehr viele Gespräche geführt. Man hat mir erzählt, dass es ein Berliner Cliquen-System gibt. Ich wollte vermeiden, dass eine davon die Veranstaltung übernimmt. Es ging uns darum, den richtigen Mix aus etablierten und jungen Galerien in New York zu zeigen. Um wirklich ein Gefühl dafür zu vermitteln, was sich in der Stadt tut. Den Galerien, die sich sowieso für die Hauptmesse angemeldet hatten, stellten wir zur Wahl, ob sie lieber oder zusätzlich bei "Armory Focus" dabei sein wollen.

Was hat man Ihnen sonst über den Berliner Kunstmarkt berichtet?

In einigen größeren Galerien hieß es skeptisch, dass der Hype um die Stadt vorbei sei. Ansonsten hat man mir erzählt, dass die Künstler vor Ort sind, die Galerien ebenfalls – aber die Sammler noch nicht.

Gab es Sonderkonditionen für die Teilnahme?

Wir unterstützen finanziell und helfen bei der Verfrachtung.

Wieweit kommen Sie den Teilnehmern der Hauptmesse entgegen?

Wir arbeiten mit den Galerien. Sei es mit Hilfe von Zahlungsplänen oder, dass sie auf einen kleineren Messestand wechseln. Allerdings werden solche Entscheidungen in dieser Zeit bis zur letzten Minute getroffen. Es ist nicht mehr wie vor drei Jahren, als der Messeplan im Oktober feststand. Genauso wie die Galerien müssen auch wir flexibel sein. Es ist eine andere Welt geworden.

Haben große Galerien abgesagt?

Jeffrey Deitch ist noch nicht bestätigt. Es wäre schön, wenn er die Messe für ein letztes Goodbye nutzen würde. Cheim & Read haben sich leider dagegen entschieden, ebenso Marianne Boesky. Dafür gibt es viel frisches Blut von der Lower East Side.

Die Erweiterung der Messe um die Armory Modern auf Pier 92 im vergangenen Jahr scheint funktioniert zu haben. Es sind wieder mehr als 70 Galerien dabei.

Sobald es um Veränderungen geht, reagieren die Leute sehr konservativ. Aber die Idee hat funktioniert. Die Preise für Kunst des 20. Jahrhunderts sind in Krisenzeiten stabiler als die für zeitgenössische Arbeiten. die Armory Modern hat die Messe stabiler gemacht. Ich würde jetzt gern so tun, als ob wir die Rezession vorausgesagt hätten. Aber wir wurden davon ebenso überrascht wie alle.

Wie sind Ihre Erwartungen für die Messe?

2009 war unser härtestes Jahr. Doch Miami vermittelte bereits ein positiveres Gefühl, die Stimmung für die Armory ist gut. Sicher wird es nicht wie vor drei Jahren sein. Aber wir befinden uns in einer langsamen Erholungsphase. Im vergangenen Jahr sind viele Galerien konservativer aufgetreten. Wir hoffen, dass dieses Jahr wieder wilder wird.

"The Armory Show New York"

Termin: 4. bis 7. März 2010. Orte: Piers 92 und 94, 12th Avenue at 55th Street, New York. Öffnungszeiten: wochentags 12 bis 20 Uhr, Sonntag 12 bis 19 Uhr
http://www.thearmoryshow.com/

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