Frieze Art Fair 2011 - London

Wie im Zoo

Zum neunten Mal findet die "Frieze" als erste große Messe der Saison im Londoner Regent's Park statt. Ob real, in Bronze oder auf Video, dieses Jahr stehen Tiere hoch in Kurs. Doch auch der Mensch als freies Individuum bekommt eine sprichwörtliche Plattform.

Und wieder dreht sich vier Tage lang das Kunstkarussel in dem weißen Zelt in Londons Regent Park. 173 Galerien aus 33 Ländern bieten ihre Ware feil, unter ihnen so prominente Neuzugänge wie Pace aus New York, die sich im nächsten Jahr auch in London etablieren wird, Ivon Lambert aus Paris und Konrad Fischer aus Düsseldorf. Kunst im Wert von etwa 250 Millionen Pfund steht zum Verkauf, mehr als 60 000 Besucher werden erwartet. Beachtliche Zahlen für die zum neunten Mal stattfindende Messe, die wie immer als erste der großen Messen der Saison den Markt testen muss. Ein bisschen nervös ist man schon, auch wegen der merklichen Verlangsamung der Wirtschaftsmaschine China. Lediglich von vorsichtigem Optimismus ist die Rede, und selbst Frieze-Direktor Matthew Slotover will sich nicht festlegen: "Wir müssen abwarten", sagt er, was auch für die zeitgleich stattfindenden Auktionen für zeitgenössische Kunst gilt.

Bei einem Spaziergang durch das in diesem Jahr noch luftigere Zelt hat man fast das Gefühl in einem Zoo zu sein – Tiere, wo immer man hinsieht. Bei Max Wigram hat der Däne FOS zwei Vogelkäfige mit zwei lautstarken schwarzen Vögeln aufgestellt, Eva Presenhuber aus Zürich zeigt Ugo Rondinones auf dem Boden hockende Bronzevögel mit schönen Titeln wie "Wasserfall" und "Nebel", Elmgren & Dragset nennen bei Victoria Miro ihren auf einem Bücherstapel stehenden Schimpansen, der sich nach einer Banane streckt, "The Fruit of Knowledge", Goldfische von Damien Ortega schwimmen bei White Cube in einem steinernen Becken , die allseits geschätzte Nathalie Djurberg hat bei Gio Marconi in Vitrinen ein ganzes Bestiarium aufgestellt, auf einem Video tun ihre Bären und Krokodile Unaussprechliches, und Anthony Reynolds hat schon zehn für's Kaminsims geeignete Maketten von Mark Wallingers riesigem Pferd verkauft, Preis: 10 000 Pfund.

Preisgekrönter Protest

Das fotogenste Objekt der Messe ist ein Gag des Berliners Christian Jankowski und ist eigentlich gar kein Kunstwerk, sondern eine luxuriöse Super-Jacht. Als seetüchtiges Gefährt kostet das schmucke Ding 60 Millionen Pfund, als signiertes Kunstwerk, "schwimmende Plastik" nennt es die Werft Riva/CRN, aber muss man 70 Millionen berappen. Na ja, Kunst als Ware, das hatten wir schon. Die vielleicht beste Arbeit auf der Messe ist eines der von Frieze in Auftrag gegebenen Sonderprojekte und stammt von der in Stuttgart ansässigen Hamburgerin Anahita Razmi. "Roof Piece Tehran" (2011) eine Videoinstallation mit zwölf Monitoren, zwölf rot bekleidete Tänzer tanzen auf den Dächern Teherans, in Anlehnung an Trisha Browns berühmte Tanzarbeit von 1971 auf den Dächern von Manhattan, aber auch an die Proteste in der iranischen Hauptstadt von 2009. Die Künstlerin musste ihre Tänzer heimlich filmen, Moderner Tanz ist im Iran verboten. Ein poetischer Aufruf für Freiheit, mit Recht erhielt sie den mit 10 000 Pfund dotierten Emdash Preis der Messe.

Museumsreife Eröffnung

Die Sensation der Woche hatte mit Frieze aber eigentlich nichts zu tun: die Eröffnung der neuen Dependance von White Cube im immer schicker werdenden Stadtteil Bermondsey. Obwohl man vom glamourösen Über-Galeristen Jay Jopling eigentlich Überraschungen gewöhnt ist – dies ist dann doch ein Höhepunkt: 7000 Quadratmeter, sechs gewaltige Galerieräume, ein Auditorium, ein Buchladen, Europas größte Privatgalerie. All das könnte einem Museum Ehre machen. Ein Prestigeunternehmen für museumswürdige Ausstellungen, mit dem wohl nicht viel Geld zu machen ist. Das wird Jopling jedoch sicher, wenn er sich Anfang nächsten Jahres auch in Hongkong niederlassen wird.

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