Art Cologne - Gérard Goodrow

»Man gibt uns wenig Chancen«

Art Cologne unter Druck: In einem offenen Brief beklagen zehn Kölner Galeristen, darunter prominente Namen wie Daniel Buchholz, Gisela Capitain, Christian Nagel und Monika Sprüth, den "herben Bedeutungsverlust" der Messe und drohen mit Nichtteilnahme. Im art-Interview wehrt sich Messechef Gérard Goodrow in deutlichen Worten gegen die negative Stimmungsmache. Seinen Kritikern empfiehlt er: "Wer der Messe fern bleiben will, sollte das auch tun!"
Kölner Galerien machen Druck:Messechef Goodrow schlägt im Interview zurück

Gerard Goodrow, Leiter der Kölner Kunstmesse Art Cologne

art: Einige Kölner Galeristen fahren schwere Geschütze gegen Sie auf. In einem offenen Brief werfen sie der Art Cologne „herben Bedeutungsverlust“ vor. Wie reagieren Sie auf diese Angriffe?

Goodrow: Der Bedeutungsverlust fand schon in den neunziger Jahren statt. Seitdem ist vieles passiert. Deshalb verstehe ich den jetzigen Vorwurf nicht. Besonders nicht von dieser Gruppe von Galeristen. Denn sie waren in den letzten zwei bis drei Jahren wichtige Gesprächspartner der Messe und gemeinsam mit uns dafür verantwortlich, dass wir große Fortschritte gemacht haben. Zum Beispiel was die Verkleinerung der Teilnehmerzahl angeht, die Entwicklung der Open-Space-Idee und letztlich auch die Einrichtung meiner Stelle als Direktor der Art Cologne. Damit wurde die Messe zur Chefsache – genau das, was die Galeristen fordern.

Der Art Cologne wird mangelnde Internationalität vorgeworfen. Auch mit Ihren Umstrukturierungen ist es nicht gelungen, namhafte ausländische Galerien wie Larry Gagosian, David Zwirner oder Maureen Paley nach Köln zu locken. Woran liegt das?

Das sind alles Galerien, die noch nie oder seit Jahren nicht mehr zur Art Cologne gekommen sind. Ich finde diese negative Einstellung, nur zu schauen, wer nicht zur Messe kommt, sehr verwunderlich. Wir wissen doch alle, dass sich der Kunstmarkt verschoben hat und sich in Deutschland generell schwer tut.

Eine wesentliche Veränderung bei der Art Cologne betrifft den Termin: Sie haben die Messe in diesem Jahr von ihrem angestammten Platz im Herbst ins Frühjahr verlegt und damit der Konkurrenz Frieze und Art Forum das Feld geräumt. Bereuen Sie diese Entscheidung heute?

Nein, ich finde es eher eine Schwäche, wenn man an etwas festhält, nur weil es schon immer so gemacht wurde. Wir haben viel riskiert, aber ich bin überzeugt, es war die richtige Entscheidung. Es geht nicht darum, sich der Konkurrenz zu entziehen, sondern wir kommen den Wünschen der Aussteller und Sammler entgegen, die es besser finden, die Termine zu entzerren und weiter übers Jahr zu verteilen. Interessanterweise waren die Galerien, die uns jetzt kritisieren, ganz starke Befürworter dieser Terminverschiebung.

Neben den Reformbemühungen bei der Art Cologne haben Sie nun auch noch eine neue Messe gegründet: Die Art Cologne Palma de Mallorca fand im September erstmals statt. Kostet das nicht unheimlich viel zusätzliche Energie, die Sie eigentlich für die Aufpolierung des Mutterschiffs bräuchten?

Die Entscheidung, ob wir uns überfordern oder nicht, sollte man mir und meinem Team überlassen. Und Mallorca war ein Erfolg. Wir haben dort über 50 Galerien eine neue Plattform gegeben. Viele davon sind Teilnehmer der Art Cologne oder der Cologne Fine Art. Unser Team ist dafür größer geworden und diese neuen Mitarbeiter sorgen auch für mehr Power bei der Art Cologne. In Palma haben wir viele neue Kontakte auch für die Art Cologne geknüpft.

Einen rauschenden Erfolg kann man die Art Cologne Palma aber auch nicht nennen. Die Besucherzahlen waren doch eher bescheiden. Und auch an der Location in einer Halle im Flughafen gab es Kritik.

Eine Messehalle ist eine Notwendigkeit und keine ästhetische Entscheidung. Es war die größte Halle, die auf Mallorca zu kriegen war, und sie war nur zehn Minuten von der Altstadt weg. Es stimmt, dass wir die breite Masse nicht erreicht haben, aber Sammler und Museumsleute waren da, und die haben gut gekauft.

Welche Pläne haben Sie für die nächste Art Cologne?

Es gibt keine besonderen neuen Maßnahmen. Wir arbeiten so hart wie immer und führen den Weg fort. In den letzten vier Jahren haben wir kontinuierlich Reformen durchgeführt und jetzt gilt es, diese Reformen wirken zu lassen. Eine Messe besteht über die Akquisitionsbemühungen ihres Direktors hinaus auch aus dem Image und den Anstrengungen eines jeden Teilnehmers. Von uns in Köln verlangt man wahnsinnig viel und gleichzeitig gibt man uns wenig Chancen, unsere Arbeit in Ruhe und Konsequenz zu machen – schlicht das Kind zu schaukeln. Eine kleine Gruppe redet jetzt schon die nächste Art Cologne schlecht. Wer der Messe fernbleiben will, soll das auch tun. Ich will auf jeden Fall Galerien haben, die mit Herzblut an der Messe teilnehmen, denn solche Teilnehmer sind auch sehr engagiert und tragen wesentlich zum Erfolg einer Messe bei. Lassen wir die Kirche im Dorf: Gemeinsam haben wir den Kunstmarkt-Crash der frühen neunziger Jahre überlebt, da werden wir das hier auf jeden Fall überleben.

Kritik gab es immer wieder an der Größe der Messe. Auch diesmal fordern die protestierenden Galerien die Verringerung der Teilnehmerzahl.

Die Galerien vergessen, dass jede Messe auch ein Wirtschaftsunternehmen ist. Die Teilnehmerzahl der Art Cologne wurde in den letzten 15 Jahren bereits mehrmals reduziert. Auch das Berliner Art Forum ging ja einst aus einer viel größeren Art Cologne hervor. Danach wurde die Messe verkleinert. 2006 haben wir die Teilnehmerzahl noch einmal verringert. Wenn die Galerien mit ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit, das heißt ihren Umsätzen, argumentieren, dann ist es doch nur fair, wenn auch die Messe diesen Aspekt im Hinterkopf behalten darf.

Sitzt Ihnen die Messeleitung wegen sinkender Umsätze im Nacken?

Gar nicht. Fälschlicher Weise wird dieses Argument von der Galerienszene immer wieder angeführt. Denn als Direktor der Kunstmesse bin ich auch für die Wirtschaftlichkeit der von mir betreuten Messen zuständig, genau wie jeder Galerist für die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens verantwortlich ist. Wenn Galerien den Erfolg oder Misserfolg einer Messe an den Verkaufszahlen messen, warum darf ich ihn nicht an den eigenen Verkaufszahlen messen?

Viele Ihrer Reformen bei der Art Cologne galten der Verbesserung des zeitgenössischen Programms. Schmerzt es da nicht besonders, dass Sie jetzt gerade von den Galeristen angegriffen werden, denen Sie besonders entgegengekommen sind?

Für konstruktive Kritik sind wir immer offen. Aber ich finde es kontraproduktiv, dass die Meinung einiger Galeristen so aufgeblasen wird. Wir reden hier ja nur von einer kleinen Gruppe, die ich allerdings sehr respektiere und mit der ich in der Tat in sehr engem Kontakt stehe. Aber die Art Cologne hat insgesamt fast 200 Aussteller, von denen haben sich jetzt fünf oder sechs zu Wort gemeldet. Ich muss auch die Vorstellungen der anderen rund 190 Teilnehmer berücksichtigen. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung sehe das auch als Angriff auf die Cologne Fine Art, die diese Galeristen offensichtlich nicht mögen.

Es gibt den Vorschlag, dass sich die Messen aus Köln, Berlin, Frankfurt und Düsseldorf zusammentun sollten, um gemeinsam eine spannende, international wettbewerbsfähige Veranstaltung zu organisieren, die dann wechselweise in verschiedenen Städten stattfindet. Was halten Sie davon?

Ich finde das sehr naiv. Wir arbeiten alle für Messegesellschaften und gehören damit auch zur städtischen Kulturpolitik. Deutschland ist und bleibt in dieser Hinsicht föderal. Ich glaube auch nicht, dass das Publikum von so einer Wandermesse begeistert wäre. Hier im Rheinland haben wir ja Erfahrung mit wechselnden Standorten zwischen Köln und Düsseldorf. Das ist nicht praktikabel und auch kulturpolitisch nicht vertretbar, von der Wirtschaftlichkeit mal ganz abgesehen. Statt dessen gäbe es ja auch noch eine einfachere Lösung: Die Topgalerien der Art Cologne tun sich zusammen, bringen jeweils noch einen internationalen Kollegen mit nach Köln und wir hätten den Nährboden für eine Supermesse.

Fühlen Sie sich denn von der Stadt Köln kultur- und wirtschaftspolitisch gut unterstützt?

Da habe ich schon öfters Kritik geäußert und das hat Früchte getragen. Inzwischen haben wir eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt, die sicherlich noch ausbaufähig ist. Auch das ist ein Prozess.

Wie sehen Sie Ihre Konkurrenz in Düsseldorf? Die neue Messe dc scheint dort ja die uneingeschränkte Unterstützung der Stadt zu genießen.

Uneingeschränkt ist die Unterstützung sicher nicht, aber die Messe wird von der Stadt unterstützt genauso wie wir hier in Köln unterstützt werden. Ich weiß auch nicht, ob die dc wirklich „Konkurrenz“ ist. Das wird sich erst noch herausstellen. Sie ist ein „Sparring Partner“, ein Mitbewerber. Bisher hat sie erst einmal stattgefunden, auch unter viel Kritik. Für Kunstmessen ist das prinzipiell nicht ungewöhnlich. In Miami finden inzwischen rund 20 Messen neben der dortigen Art Basel statt, in Berlin gab es drei Nebenmessen und in London neben der Frieze die Zoo, die Scope und die Pulse. Ich halte das für eine Bereicherung.

Was hat die Frieze, was der Art Cologne fehlt?

London! Eine tolle Stadt, in der ich selbst sieben Jahre gelebt habe. London ist eine Kunsthandelsstadt. Köln war das einmal. Aber die Kunstwelt ist heute eher angloamerikanisch ausgerichtet, man spricht die gleiche Sprache. In Deutschland ist der Markt schwieriger, auch was das Steuersystem angeht. Hier gibt es beispielsweise die Folgerechtsabgabe und erhöhte Mehrwertsteuersätze für Fotografie. Dennoch sind deutsche Künstler und Galeristen auf dem internationalen Kunstmarkt führend. Und wir können hier in Köln nicht alles falsch gemacht haben. Sonst hätte man unsere Messe nicht weltweit kopiert wie zuletzt wieder das Konzept des Open Space.

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