Giacometti-Fälschungen - Kunstkriminalität

1000 Giacometti-Fälschungen entdeckt

Ein geheimes Lager mit rund 1000 gefälschten Bronzen und Gipsarbeiten des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti (1901 bis 1966) hat die Polizei nahe Mainz ausgehoben.
Giacometti-Bande festgenommen:1000 Giacometti-Fälschungen bei Mainz entdeckt

In Frankfurt wurde ein 59-Jähriger festgenommen, der die Fälschungen an Interessenten im In- und Ausland zu Preisen in zweistelliger Millionenhöhe angeboten haben soll, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart mitteilten. Auch ein 61-jähriger Kunsthändler, der als Drahtzieher gilt, und dessen Frau sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Ihnen werden bandenmäßiger Betrug und Verstöße gegen das Urheberrecht zur Last gelegt.

Alberto Giacometti in der Fondation Beyeler

Der 59-jährige Schweriner habe sich als "Reichsgraf" und Freund des Bruders von Alberto Giacometti ausgegeben, hieß es. Seinen Kunden erzählte er, die Skulpturen stammten aus einem von den Erben Giacomettis geheim gehaltenen Fundus. Zum Beweis der Echtheit der Skulpturen und der fantasievollen Legende zur Herkunft legte er den Kunstfreunden ein freilich ebenfalls gefälschtes Echtheitszertifikat sowie ein Buch vor. Ende 2008 wurde er noch als Zeuge für einen Giacometti-Prozess am Stuttgarter Landgericht gehört, weil er mehrere Bücher zu Alberto Giacometti und dessen Bruder Diego verfasst hatte. Vor Gericht verstrickte sich der angebliche Kunsthistoriker aber dann in Widersprüche, gab an, nur ein Autodidakt in Sachen Kunst zu sein und vieles in seinen Büchern aus "dramaturgischen Effekten" erfunden zu haben.

"Wahrer Autor des Buches und im Hintergrund wirkender Stratege der Verkäufe ist mutmaßlich der 61-jährige Kunsthändler", teilte die Staatsanwaltschaft jetzt mit. Ihm gehöre auch das etwa 200 Quadratmeter große Lager in Rheinland-Pfalz, das bereits am 11. August ausgehoben wurde. Gegen den Mann läuft aktuell bereits ein Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht wegen des Vorwurfs des Handels mit gefälschten Skulpturen.

Auf der Suche nach dem Lager gab es zahlreiche Untersuchungen in Mainz, Schwerin, Hamburg, Mannheim, Magdeburg und im Großraum München. Dabei seien etliche gefälschte Herkunfts- und Echtheitszertifikate gefunden worden.

Alberto Giacometti war ein Schweizer Bildhauer, Maler und Grafiker, den vor allem seine Plastiken international berühmt machten. Seine Werke sind Millionen wert. Sehr bekannt ist die Figur eines schreitenden Mannes, die auch die Rückseite der Schweizer 100-Franken-Banknote ziert. albi/Erik Stein/dpa