Art Brussels 2008 - Kunstmesse

Hier kann man zeigen, was nicht den aktuellen Tendenzen des Marktes entspricht

Das deutsche Kunstmessegeschäft ist angeschlagen und da wundert es nicht, wenn der Blick ins Nachbarland zu Recht neidisch ausfällt: Die 26. Ausgabe der "Art Brussels" strahlt unaufgeregtes Selbstbewusstsein aus.
Abseits des Hypes:"Art Brussels" zeigt sich unaufgeregt selbstbewusst

Blick in die Messehalle der "Art Brussels"

Das deutsche Kunstmessegeschäft ist angeschlagen. In Köln konnte man dieser Tage eine "Art Cologne" besuchen, die als größtes Lob die endlich erreichte Umsetzung einer schon lange geforderten Abmagerungskur erhielt. Die Attraktivität der Grande Dame lässt nach oben noch viele Wünsche offen. Der Blick nach vorne ist jedoch noch versperrt.

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Strecken Teaser

Ohne vollzähligen Beirat – dessen Internationalität bisher innovative Beteilung aus den "New Markets" China, Russland oder Indien vermissen lässt – will der neue Leiter Daniel Hug auch ansatzweise noch keinen Ausblick in eine konzeptuelle Neuorientierung wagen. Der Blick auf das bisher erfolgreiche "Art Forum" in Berlin macht ebenfalls keine Freude. Auch hier läuft die Gerüchteküche auf vollen Touren. Vom Galerienunmut einzelner bis hin zur Übernahme durch die Veranstalter der New Yorker Armory Show ist alles dabei.

Da wundert es nicht, wenn der Blick ins Nachbarland, auf die "Art Brussels", zu Recht neidisch ausfällt. Die 26. Ausgabe internationaler zeitgenössischer Kunst strahlt unaufgeregtes Selbstbewusstsein aus. Von den knapp 180 Galerien der aus 24 Ländern teilnehmenden Aussteller, die sich in den Messehallen direkt gegenüber Brüssels Wahrzeichen, dem Atomium, präsentieren, kommen nur wenig mehr als ein Drittel aus Belgien. Mit knapp zehn Prozent ist der Anteil deutscher Aussteller nicht gering.

Für die jungen Galerien beginnt der Einstieg in die Messe mit dem "First Call". Die Galerie Jan Wentrup aus Berlin startete in dieser Rubrik im letzten Jahr. Dieses Jahr fand sie sich im Beirat und in der Auswahl für den Bereich "Young Talents" wieder und verkaufte direkt auf der Eröffnung für 18 000 Euro eine großformatige Acryl-Malerei von Wawrzyniec Tokarski. Dessen Werk ging an einen belgischen Privatsammler, der eine Künstlerposition erwarb, die sich in Sammlungen wie etwa der Deutschen Bank oder der Bundesrepublik Deutschland befindet.

Mit dabei und ebenfalls aus Berlin: Martin Mertens. Er ist mit seiner Galerie das erste Mal in Brüssel und schaffte mit seinem konzeptuell ausgerichteten Programm sofort den Sprung in den "Young Talents" Bereich. An seinem Stand fällt die Videoarbeit "Histoire sans Gravité" für 6 000 Euro von Sébastien Caillat ins Auge.

In Brüssel, so sind sich die Aussteller einig, kann man auf jeden Fall gute Geschäfte machen. Sebastian Klemm und Silvia Kaske bringen die allgemeine Stimmung auf den Punkt. Ihr Interesse an Köln ist mittelmäßig. Sie setzen auf die lange und erfolgreiche Messetradition der "Art Brussels". "Hier kann man auch zeigen, was nicht der Mode oder den aktuellen Tendenzen des Marktes entspricht", betont Sebastian Klemm und spricht damit vielen jungen und anspruchsvollen Programmgaleristen aus der Seele. Der Erfolg blieb auch an seinem Stand nicht aus. Von Sven Johne ging die als Diptychon konzipierte Fotoarbeit "Carnival" für 13 000 Euro und wechselte die Malerei von Peggy Buth für 8 000 EUR ihren Besitzer.

Auf der "Art Brussels" geht heute der letzte Messetag zu Ende. Und der Blick in die Europäische Hauptstadt hat sich gelohnt. Ohne spektakulären Messebau, ohne wuchernde Sonderschauen gelang ein überzeugender Einblick in die zeitgenössische Kunst.

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