Auktionen Impressionisten - New York

Zu hoch gepokert

Bei Christie's finden fast ein Drittel der Lose keinen Käufer, das Gesamtergebnis bleibt unter dem unteren Schätzwert, auch bei Sotheby's fallen keine Rekorde

Ob es an Obama und den drohenden Steuererhöhungen lag? An sinkenden Aktienkursen? An Hurrikan Sandy oder an dem Schneesturm, der nur eine Woche später über New York hinweggefegt war?

Oder an zu hoch angesetzten Taxen? Bei den New Yorker Herbstauktionen ging es letzte Woche mit den Versteigerungen von Impressionisten und Moderne enttäuschend los. Das abendliche Ergebnis bei Christie's lag mit 205 Millionen Dollar unterhalb des unteren Schätzwertes von 209 Millionen Dollar. Die angebotenen Werke trugen zwar große Namen, aber waren häufig nur Mittelmaß mit zu hoch angesetzten Preistickets. Die Rechnung sollte nicht aufgehen: 21 der 69 Lose verkauften sich nicht.

Immerhin reichte es für einen Weltrekord: Wassily Kandinskys "Studie für Improvisation 8" von 1909 ging für 23 Millionen Dollar unter den Hammer, der höchste je erzielte Preis für ein Gemälde des Russen. Und immerhin lief es trotz der Katastrophen-Woche in New York besser als im Vorjahr, wo das Ergebnis bei mageren 140 Millionen Dollar gelegen hatte. Das teuerste Werk des Abends war Claude Monets Seerosenbild "Nymphéas" von 1905 für 43 Millionen Dollar – eine New Yorker Privatschule, so hatte es die Sammlerin, die Witwe des Börsenmaklers Herbert Allen, in ihrem Testament verfügt, wird sich über den Geldsegen freuen. Die restlichen Plätze der zehn teuersten Arbeiten teilten sich Picasso, Alberto Giacometti, Joan Miró (mit "Peinture, Femme, Journal, Chien" für 13 Millionen Dollar) und Constantin Brancusi (mit dem Gipskopf "Une Muse" von 1912 für 12,4 Millionen Dollar). Picasso war wie üblich gleich drei Mal unter den Toplosen vertreten. Angeführt von "Buste de Femme" von 1937, das Picassos Liebhaberin Dora Maar zeigt und für 13,7 Millionen Dollar an einen asiatischen Sammler ging. Gefolgt von "Femme au Chien" von 1962 mit Picassos geliebtem Afghanischen Windhund Kabul für 6,3 Millionen Dollar, das ebenfalls bei einem asiatischen Privatsammler landet. Überraschenderweise fand Picassos Bronze "Coq" sogar bei einem niedrigen Schätzwert von zehn Millionen Dollar keinen Abnehmer. Es war ein harter Einstieg für Auktionator Andreas Rumbler, Vorstand von Christie's Schweiz, der den beliebten Christopher Burge abgelöst hat.

Der nächste Abend bei Sotheby’s lief mit einem Gesamtergebnis von 163 Millionen Dollar ähnlich enttäuschend. Auch hier war das Spiel mit den hoch angelegten Taxen nicht von Erfolg gekrönt. 46 der 67 angebotenen Werke kamen unter den Hammer. Kein einziger Rekord wurde erzielt. Dafür jedoch einige Höchstpreise. Wie schon bei Christie’s war Picasso wieder einer der Stars des Abends. Die Werke des Meisters belegten bei Sotheby’s gleich fünf der zehn Toplos-Plätze. Mit 81,3 Millionen Dollar fuhr Picasso allein fast die Hälfte des Gesamtergebnisses ein. "Nature Morte aux Tulipes" (Stillleben mit Tulpen von 1932) von Picassos Geliebter Marie-Therese Walter wurde von dem in Las Vegas residierenden Hotelkönig Steve Wynn verkauft – und war das Toplos. Drei Bieter waren an dem Bild der Rivalin von Dora Maar interessiert, der Hammer fiel bei 41,5 Millionen Dollar – vor zwölf Jahren war das Werk bei Christie’s in New York für 28 Millionen Dollar verkauft worden. Ein gutes Geschäft für Wynn, der in Kunstkreisen vor allem dafür bekannt ist, dass er einem Picasso aus seiner Sammlung ("Le Reve") mit seinem Ellbogen zu Nahe gerückt war und einen Schaden von 40 Millionen Dollar angerichtet hatte. Ein anderes Werk aus Picassos Marie-Thérèse-Serie, "Femme à la fenêtre", kam für 17,2 Millionen Dollar unter den Hammer. Auch Monet führte wieder an. Das Gemälde "Champ de blé" lag bei 12,1 Millionen Dollar weit über dem Schätzpreis von bis zu sieben Millionen Dollar. Beide Auktionsabende führten vor, dass so manche Werke nicht in die prestigeträchtigen Abendverkäufe, sondern in die Tagesauktionen gehört hätten. Und dass es niemandem dient, wenn die Verkäufer dem Auktionshaus zu ehrgeizige Mindestpreise verordnen.