Art Cologne - Kunstmesse

Kunst kommt aus Köln

Auch die fünfte Messe von Daniel Hug lässt sich vielversprechend an und scheint ein großer Erfolg zu werden. Neben viel Bewährtem gibt es Überraschungen wie Konrad Klaphecks erotische Zeichnungen oder aus Kathedralen gebaute Bagger.
Kunst kommt von Köln:Messerundgang über die Art Cologne

Bei der Pressekonferenz zur 47. Art Cologne sagte Daniel Hug, dass jede seiner Messen etwas besser als die vorangegangene war. Bei seinem Antritt im Frühjahr 2008 war das noch keine Kunst, denn damals befand sich die Mutter aller Kunstmessen in desolater Verfassung.

Heute, nach vier erfolgreichen Messen in Folge, ist das hingegen ein mutiges Versprechen. Aber wenn der Eindruck des ersten Tages nicht täuscht, setzt Hug seine eindrucksvolle Serie fort.

Gleich am Eingang der Halle 11 steht ein großes Leuchtreklamen-"Yes" des amerikanischen Künstlers Jack Pierson, das die Galerie Thaddaeus Ropac mit nach Köln gebracht hat. Das ist vielleicht ein wenig platt, aber es prägt die Stimmung. Die Galeristen blicken der Messe erwartungsfroh entgegen und können sich durch den ersten Andrang bestätigt sehen: Bereits gegen Mittag, die Professional Preview hat gerade erst begonnen, sind die Gänge gut gefüllt. Bei der Leipziger Galerie Eigen+Art treffen sich schon fast traditionell die meisten Interessenten; dass Hug den Eigen+Art-Galeristen Gerd Harry Lybke mit Engelszungen überreden musste, zurück nach Köln zu kommen, scheint bei diesem Anblick Jahrzehnte und nicht Jahre her.

Eine große Messe unterscheidet sich von einer kleinen Messe vor allem durch große Zahlen: Teilnehmer, Besucher, Erlöse. Schon deswegen sind die Preisschilder an den Ständen wichtig fürs Renommee. Auf die Abteilung Klassische Moderne ist in dieser Hinsicht auf der Art Cologne stets Verlass: Henze & Ketterer haben gleich ein Quartett aus Ernst-Ludwig-Kirchner-Gemälden im Angebot, die jeweils in die Millionen gehen. Mengenrabatte sind möglicherweise nicht ausgeschlossen, sofern man sich zu fragen traut. Die Düsseldorfer Galerie Ludorff hat weniger große "Schinken" dabei, aber ihre sorgsam abgedunkelten Kabinette beherbergen ebenfalls Kostbarkeiten ersten Rangs. Etwa eine bezaubernde Miniaturlandschaft von Max Ernst, die Fälscherstar Wolfgang Beltracchi so bestimmt nie hinbekommen hätte, einige Ernst-Nolde-Arbeiten zum Mitnehmen und reizende Kleinformate von Gerhard Richter.

Einen starken Eindruck hinterlässt die Art Cologne auch bei den Arbeiten, die noch nicht klassisch, aber auf dem besten Weg dorthin sind. Insbesondere das vor einigen Jahren eingeleitete Comeback der Zero-Künstler setzt sich fort. Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker findet man in großer Zahl und meist erlesener Qualität. Und vielleicht kommt da noch etwas nach: Bei Maulberger aus München gibt es neben einem Nagelbild von Uecker (mit Schutzpreis, der Händler möchte eigentlich nicht verkaufen!) und einer sehr frühen Papierarbeit von Heinz Mack auch einige thematisch verwandte Gemälde von Herbert Zangs zu sehen.

Der Münchner Galerist Hans Maulberger findet die Reihenmalereien des 2003 verstorbenen Künstlers grandios unterbewertet, denn wenn überhaupt, habe "der Mack eher beim Zangs abgekupfert als umgekehrt". Laut Maulberger soll Zangs eine Mitgliedschaft bei Zero ausgeschlagen haben, weil er zu eigenbrötlerisch gewesen sei. "Der lebte in einem Haus ohne Türen, Fenster und Wasser" so der Galerist, was offenbar sogar den auch nicht gerade als pflegeleicht geltenden Zeros zu viel des Schrägen war.

Köln hat derzeit wenig Grund, einer Berliner Messe zu fürchten

Entdeckungen lassen sich naturgemäß vor allem bei den lebenden und noch produzierenden Künstlern machen. So stößt man am Stand von Fred Jahn, dem diesjährigen Art-Cologne-Preisträger für Kunstvermittlung, auf einige erotische Zeichnungen von Konrad Klapheck, der sonst eher für neusachliche Gemälde von gigantischen Registrierkassen (zu sehen bei Schönewald) bekannt ist. Größe zählt auch bei Robert Longo, der eine Maschinenpistole vom Typ AK-47 auf eine riesige Leinwand bannt. Mit dieser Drohgebärde lockt Hans Mayer an seinen Stand, um dann mit einer typischen Liam-Gillick-Installation im – für Gillick-Verhältnisse eher mickrigen – Tafelbildformat zu überraschen. Um die Ecke zeigt dann Nam June Paik, dass Bescheidenheit die wahre Größe ist: Der verstorbene Großvater der Medienkunst hat einen alten Sony-Watchman in eine Laterne gesteckt und leuchtet uns mit den Laufbildern des Minibildschirms in die Gegenwart unserer demnächst genauso heillos überholten Smartphones heim.

Eine geniale Bastelarbeit von Wim Delvoye findet sich bei der belgischen Galerie Pieters. Er hat die Fassadenelemente einer Kathedrale in Baukastenmanier zerlegt und als Bagger wieder zusammengesetzt. Mit diesem könnte Daniel Hug mal durch die Nada Cologne fahren, denn die aus New York zugelieferte Messe in der Messe ist auch im zweiten Jahr und trotz ordentlicher Verschlankung die einzige offene Baustelle der Art Cologne. Sieht man es wohlwollend, hat sich die Nada-Sektion immerhin als Kneipenviertel der Messe etabliert.

Bei der Galerie Pieters öffnen sich auch die Türen zu einem als "Museum" betitelten Wachsfigurenkabinett, in dem Guillaume Bijl mit dem Kurator Harald Szeemann sowie den Künstlern Bruce Nauman und James Lee Byars einige Kunsthelden verewigt hat. So wird man noch einmal daran erinnert, dass eine Kunstmesse ein wenig dem Andenkenladen eines Museums ähnelt; auch hier ersetzen Preisschilder die Bildlegenden, und mit Meisterwerken wird einem der Nippes schmackhaft gemacht. Der Ausschuss hält sich auf der 47. Art Cologne aber in so engen Grenzen, dass es in Köln derzeit wenig Grund gibt, eine immer mal wieder gerüchteweise geplante Berliner Messe-Neugründung zu fürchten.

Art Cologne

Termin: Freitag, 19. April bis Montag, 22. April 2013, Köln
http://www.artcologne.de/de/artcologne/home/index.php

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