Kunstmarkt - Jahresbilanz

Schmerzhafte Konsequenzen

Der Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg hat Jahresbilanz für den Kunstmarkt gezogen. Zu den großen Verlierern zählen die zwei Stars der Boomjahre: Die Preise der Arbeiten von Damian Hirst und Jeff Koons brachen um 50 Prozent ein. Doch die größten Verluste mussten die Auktionshäuser verkraften, die Verkäufe bei den Versteigerungen von zeitgenössischer Kunst gingen um 75 Prozent zurück.

Statt 1,9 Milliarden wie im Vorjahr oder sogar eines Rekordes von 2,4 Milliarden in 2007 wurden vergangenes Jahr bei den insgesamt fünf Abend-Auktionen bei Sotheby’s and Christie’s in London und New York vergleichsweise magere 482 Millionen eingefahren. Dass beide Auktionshäuser drastisch weniger Preisgarantien an die Verkäufer vergaben, wird als einer der Hauptgründe für den dramatischen Einbruch gesehen.

Anstatt eine Arbeit in aller Öffentlichkeit wie ein Ladenhüter als unverkauft zurückgehen zu lassen, entschieden sich viele Verkäufer für den diskreten Weg des Privatverkaufes bei den Auktionshäusern. Während es in der ersten Jahreshälfte bei den Versteigerungen keine Arbeit über die Zehn-Millionen-Dollar-Hürde schaffte, sollte ein Bild mit Dollarnoten die Hoffnung auf den ersehnten Wieder-Aufschwung einläuten. Andy Warhols "200 Dollar Bills" von 1962 erzielten bei den Herbstauktionen von Sotheby’s 43,8 Millionen Dollar.

Auch bei den großen New Yorker Kunst-Institutionen wie dem Metropolitan Museum und dem Museum of Modern Art sind die Zeiten alles andere als rosig. Das Metropolitan musste bereits im Sommer 357 Leute, immerhin 14 Prozent der Belegschaft, entlassen, um zehn Millionen Dollar einzusparen. "Eine schmerzhafte, aber unvermeidbare Konsequenz der globalen wirtschaftlichen Krise", so der Vorsitzende James Houghton. Mit 2,9 Milliarden Dollar hatte das Museum ein beachtliches Anlagenkapital, das als das größte unter den amerikanischen Kulturinstitutionen galt. Doch seit Beginn der Krise wurde ein Minus von mehr als 25 Prozent verbucht. Aus den Anlagen wurde in den vergangenen Jahren rund ein Drittel der Betriebskosten finanziert. Außerdem schießt die Stadt New York weitaus weniger Geld dazu. Und so musste der neue Direktor Thomas Campbell dann auch verkünden, dass es Einsparungen beim Programm geben wird und weniger große Ausstellungen mit teuren Leihgaben.

Erfreulicher Rekord für das Guggenheim

MoMA-Chef Glenn Lowry, der vor nicht langer Zeit alle Bedenken voller Zuversicht abgeschmettert hatte, wurde im vergangenen Steuerjahr mit einem Rückgang der Anlagen um 18 Prozent eines Besseren belehrt. Also wurden nach dem bereits verkündeten Einstellungsstopp auch die Gehälter am MoMA zum Jahresende eingefroren, Einsparungen gab es bei Krankenkassen- oder Rentenbeiträgen. Lowry selbst hatte sein Jahresgehalt als Zeichen der Solidarität zum Ende des Steuerjahres im Juni 2009 um mehr als 600 000 Dollar gekürzt – allerdings bleiben ihm 1,32 Millionen im Jahr.

Immerhin suchen die Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Zuflucht in der Kultur. Die Besucherzahlen in vielen New Yorker Museen sind hoch wie nie. Trotz des happigen Eintrittspreises von 20 Dollar strömten im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Menschen in das MoMA. Das Guggenheim konnte einen erfreulichen Rekord verbuchen. Die Kandinsky-Retrospektive war mit mehr als 400 000 Gästen die best besuchte Ausstellung in der Geschichte des Museums, insgesamt stieg die Zahl der Besucher 2009 um 16 Prozent auf 1,1 Millionen. Sogar das auf dem Land gelegene Dia: Beacon verbuchte fast 70 000 Kunstfreunde, die sich auf zum Kulturausflug nach Upstate New York machten.

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