Noah Horowitz - New York

Das Vertrauen zurückgewinnen

Direktor Noah Horowitz sprach mit art-Korrespondentin Claudia Bodin über die Zukunft der hart bedrängten Messe Armory Show.
Was wird aus der Armory?:Messe-Chef Horowitz über die Zukunft der Armory Show

Direktor Noah Horowitz steuert die Armory durch widrige Umstände

art: Versteht sich die Armory nach wie vor als Boutique-Messe, wie Sie die große Verkaufsshow einmal genannt haben?

Noah Horowitz: Die Messe lässt sich auf jeden Fall besser managen als in der Vergangenheit. Vor vier Jahren kamen wir noch auf 280 teilnehmende Galerien. 2011, als ich an Bord kam, waren es 230. Jetzt sind wir bei knapp über 200. Davon befinden sich 145 Kunsthändler auf dem Pier 94 für zeitgenössische Kunst, 17 davon sind dieses Jahr chinesischer Kunst gewidmet. Wir nähern uns einer Boutique, was die Größenordnung und die Qualität betrifft.

Wieviele der Teilnehmer stammen aus New York?

30 bis 40 Prozent. Bei der zeitgenössischen Kunst auf Pier 94 sind es allerdings weniger, der Großteil stellt moderne Kunst auf Pier 92 aus. Wir wollen das Vertrauen der New Yorker Kunsthändler zurückgewinnen. Denn wir brauchen die Unterstützung des lokalen Marktes. 2009 bis 2011 durchliefen wir eine Phase, in der wir die New Yorker Galeristen verloren. Sicher wäre es gut, einige große Galerien wieder an Bord zu bringen. Aber gleichzeitig sorgen junge Kunsthändler für frischen Wind. Wir arbeiten daran, die Beziehungen wieder aufzubauen. Die Armory ist ein wichtiges Datum im New Yorker Kalender.

Viele Teilnehmer klagen dennoch bereits am Eröffnungstag über allgemeine Messemüdigkeit.

Die Aussteller und Besucher müssen fühlen, dass die Armory wieder ein Platz für sie ist. Dieses Jahr signalisiert hoffentlich die Wende. Wir haben gute Restaurants gewinnen können und Plätze auf der Messe kreiert, wo die Besucher ein Glas Champagner trinken können, um dann weiterzuziehen.

Aber verträgt New York wirklich zwei Messen dieser Größenordnung?

Wir werden sehen. Die Armory hat einen permanenten Platz für sich geschaffen, auch wenn er vor ein paar Jahren in Frage gestellt wurde. Die Whitney Biennale, die ihr Datum änderte, um parallel zu unserer Messe zu eröffnen, ist ein wichtiges Signal. Am Ende des Tages gibt es genügend finanzielles Kapital in New York für zwei Messen. Und genügend Menschen, die Interesse an Kunst haben. New York ist wahrscheinlich die einzige Stadt in der Welt, die zwei Messen innerhalb weniger Monate verträgt. Die größere Belastung liegt bei den Galeristen. Sie haben nur eine bestimmte Menge an Inventar in Top-Qualität. Und das ist das Problem.