Polaroid-Auktion - New York

Wenn Andy die Augen schliesst

Mit einer Auktion bei Sotheby's wurde das letzte Kapitel der bankrotten Polaroid Corporation aufgeschlagen. 1200 Sofortbilder aus der Sammlung des Unternehmens von Künstlerin wie Robert Rauschenberg, William Wegman, David Hockney, Robert Frank, Lucas Samaras oder Robert Mapplethorpe und Polaroid-Fan Andy Warhol gingen für insgesamt 12,47 Millionen Dollar in New York unter den Hammer.

Die Highlights der Versteigerung waren: Ein Foto, das Ansel Adams 1938 im Yellowstone Nationalpark aufgenommen hatte ("Clearing Winter Storm, Yosemite National Park"), brachte 772 500 Dollar. Ein Selbstporträt von Warhol mit geschlossenen Augen 254 500 Dollar. Ein Bild von Ikone Patti Smith, das Robert Mapplethorpe Ende der siebziger Jahre von seiner damaligen Freundin geschossen hatte, erzielte 43 750 Dollar, ein Selbstporträt von Chuck Close von 1987 kam auf 290.500 Dollar. Im Vergleich dazu war eine von Helmut Newtons nackten Schönheiten mit einem Hammerpreis von 13 750 Dollar recht günstig.

Im letzten Moment hatte Sotheby's neun Bilder wegen ungeklärter Rechte von der Auktion zurückziehen müssen. Einige Künstler, darunter Chuck Close, hatten vergeblich versucht, die Versteigerung per Gerichtsbeschluss zu stoppen. Die Bilder hätten sie Polaroid damals unter der Bedingung überlassen, dass sie an ein Museum gehen. Die Sammlung sei einmalig, der Verkauf kriminell, so Chuck Close. Dass die Sammlung überhaupt zustande gekommen war, verdankt Polaroid dem Kunstprogramms ihres Firmengründers, dem 1991 verstorbenen Edwin Land. Der versorgte Künstler mit Filmen und Equipment und ließ sie damit experimentieren. Die Erkenntnisse nutzte er, um sein Produkt weiterzuentwickeln. Im Gegenzug erhielt er einmalige Aufnahmen.

So revolutionierte Lands Polaroid-Kamera nicht nur die Bilder, die Hobby-Fotografen auf der ganzen Welt schossen, sondern die Art und Weise, wie Künstler arbeiteten. Doch das 1937 gegründete Unternehmen fiel erst der digitalen Fotografie und später einem betrügerischen Eigentümer zum Opfer. 2001 ging Polaroid zum ersten Mal Pleite, 2008 ein zweites Mal. Der amerikanische Unternehmer Tom Petters übernahm die Firma und verwickelte sie in einen Betrugsfall von mehr als drei Milliarden Dollar. Petters wurde unter anderem wegen Betrug und Geldwäsche verurteilt. Die Millionen aus der Versteigerung sollen an Polaroids Gläubiger fließen.

Inzwischen startete ein neu gegründetes Polaroid-Unternehmen durch. Außerdem entwickelt die kleine Start-up-Firma "Impossible Project" in der ehemaligen Polaroid-Fabrik in den Niederlanden neue Sofortfilme, die in alte Kameras passen und seit Frühling auf dem Markt sind. Polaroid holte die schrille Pop- und Performancekünstlerin Lady Gaga an Bord. Der Star soll das Gesicht der Firma werden und ist auch an der Entwicklung von Produkten beteiligt, die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen sollen. Ihr Vater sei froh, so Lady Gaga, dass sie endlich einen anständigen Job hat.