Sperone Westwater - New York

Fahrstuhl-Kunst

Als erster großer Kunsthändler auf der Lower East Side eröffnete die Galerie Sperone Westwater mit einer Ausstellung des argentinischen Künstlers Guillermo Kuitca. Der beeindruckende achtgeschössige Neubau folgt einem Entwurf aus dem Büro von Architekt Sir Norman Foster.
Fahrstuhl-Kunst:Sperone Westwater eröffnet auf der Lower East Side

Zum New Museum ist es ein Katzensprung: Der Neubau der Sperone Westwater Gallery

Die neue Galerie von Sperone Westwater ist in bester Gesellschaft: Nur einen Block weiter auf der Bowery von Downtown Manhattan befindet sich das von dem japanischen Team SANAA entworfene New Museum, eine von New Yorks architektonischen Perlen. Die Kunsthändler Angela Westwater und Gian Enzo Sperone nahmen die Herausforderung an und engagierten das Team von Sir Norman Foster, um sich nicht nur eine Galerie bauen zu lassen, sondern ein Statement abzugeben.

Das Ergebnis hebt sich stilvoll von den typischen White Cubes in New Yorks Galerienviertel Chelsea ab. Sperone Westwater ist der erste große Kunsthändler auf der Lower East Side. Die Galerie erstreckt sich über stolze 2000 Quadratmeter auf acht Etagen und einer Terrasse. Die ersten drei Stockwerke des schmalen Gebäudes beherbergen die öffentlichen Ausstellungsräume. Zwei Etagen wurden für private Showräume reserviert, der Rest für Büros und eine Bibliothek. Die Kunst lagert im Keller. Ein Mezzanin mit gläsernem Treppengeländer, das sich elegant durch den zweiten Stock schwingt, macht Platz für eine acht Meter hohe Wand im Erdgeschoss. Star des neuen Gebäudes ist ein feuerroter Fahrstuhl, der als mobiler Ausstellungsort funktioniert und durch die transparente Außenfassade von der Straße sichtbar als große rote Box auf und nieder schwebt. Der Empfang der Galerie liegt im Fahrstuhlschacht, so dass sich der Aufzug mit der Kunst über den Köpfen der Besucher bewegt.

Während die Handwerker noch an letzten Details arbeiteten, eröffnete Sperone Westwater mit einer Ausstellung mit Arbeiten des argentinischen Künstlers Guillermo Kuitca, der sein Land 2007 auf der Biennale in Venedig vertreten hat. Es handelt sich um abstrakte Kompositionen, die mit Licht und Schatten und Elementen wie zersplitterten Landkarten oder Grundrissen und Zweigen voller Dornen spielen. Im Fahrstuhl installierte der Künstler "Le Sacre" von 1992. Die Wände polsterte er mit alten Matratzen aus, auf die er Landkarten gemalt hatte. Womit der Fahrstuhl an die Weichzelle eines Psychiatrie-Patienten erinnert.

Für die 1975 ursprünglich mit dem deutschen Kunsthändler Konrad Fischer gegründete Galerie, die damals angetreten war, europäische Künstler in die USA zu bringen und 1978 die erste Soloausstellung von Gerhard Richter organisierte, stellt der Umzug in den Foster-Bau einen großen Schritt dar. 8,5 Millionen Dollar soll allein das Grundstück gekostet haben, die gesamte Investition wird auf 20 Millionen Dollar geschätzt, ließ der Finanznachrichten-Service "Bloomberg" errechen. Die Ausstellungsfläche wurde im Vergleich zum alten Standort verdoppelt. Und Sperone und Westwater, die lange Zeit auf der Greene Street in SoHo und dann im Meatpacking District residiert hatten, begeben sich auf neues Terrain. Mit großen Namen wie Bruce Nauman, Julian Schnabel, Richard Tuttle oder Heinz Mack steht die Galerie für etablierte Künstler, während sich die Kunstszene der Lower East Side mit ihren kleinen Shop-Galerien auf den jungen Nachwuchs konzentriert.

Die Fahrstuhl-Galerie sei eine bewegliche Ergänzung der Straße. Ein lebhaftes Symbol für die Gegend, die sich gerade wieder erfindet, meint Norman Foster. Während sich Mitte der sechziger Jahre mehr als 100 Künstler, darunter Eva Hesse, Cy Twombly, Roy Lichtenstein, Robert Indiana oder Mark Rothko, im ehemaligen Armen- und Prostituierten-Viertel rund um die Bowery angesiedelt hatten, etablierten sich hier später Läden für Küchen- und Restaurant-Zubehör. Wo Sperone Westwater heute steht, wurden vor gar nicht langer Zeit noch Pizzaöfen verkauft. Es wird sich zeigen, wie die Galerie die Veränderung der Bowery weiter vorantreiben wird. Als nächstes steht erst einmal eine Ausstellung mit Bruce Nauman auf dem Programm.

Guillermo Kuitca: Paintings

Termin: bis 6. November 2010 in der Galerie Sperone Westwater, 257 Bowery, New York
http://www.speronewestwater.com