Auktionen - London

Auktionsfeuerwerk

Hohe Erlöse bei den Kunstauktionen in London.

Die hohen Preise der Auktionen für Impressionismus und Klassische Moderne in der Vorwoche hatten ein Feuerwerk erwarten lassen, und genau das traf ein. Zumindest bei Christie’s, wo ein auf einem Bett liegender weiblicher Akt von Francis Bacon und ein abstraktes Bild von Gerhard Richter den Gesamterlös von 80,6 Millionen Pfund (96,1 Millionen Euro) erheblich anschwellen ließen.

Bacons hocherotisches, grellfarbiges "Porträt der Henrietta Moraes" (1963) aus der Sammlung des New Yorker Bauunternehmers Sheldon Solow wurde für 21,3 Millionen Pfund (25,4 Millionen Euro) einem Telefonbieter zugeschlagen, zwei andere Bieter am Telefon hatten das Nachsehen. Mindestens vier Telefonbieter waren bereit, den oberen Schätzpreis von 7 Millionen Pfund (7,9 Millionen Euro) für Richters in Grün- und Blautönen gehaltenes "Abstraktes Bild" (1994) zu zahlen. Einer von ihnen bekam es dann für 9,9 Millionen Pfund (11,8 Millionen Euro).

Das Auktionshaus war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Nur sieben der insgesamt 65 Lose gingen zurück, und der Erlös war der zweithöchste, den das Haus in London für zeitgenössische Kunst je erzielt hatte. Nicht nur im Markt etablierte Namen wie Lucio Fontana, Andy Warhol und Jeff Koons erzielten solide Preise, auch junge Künstler behaupteten sich. Sowohl Belinda de Bruyckere als auch Thomas Houseago fuhren Rekorde ein, ebenso wie der Amerikaner Christopher Wool, für dessen Gemälde "Untitled" (1990), mit dem schwarzen Wort "Fool" auf weißem Grund, der Rekordpreis von 4,9 Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro) bezahlt wurde.

Neun Werke aus der Sammlung des Hamburger Kunstmäzens Hubertus Wald, der schon bei der Auktion Klassische Moderne sämtliche eingelieferten Werke verkaufen konnte, erbrachten insgesamt 6,5 Millionen Pfund (7,6 Millionen Euro). Besonders stark schnitt "Le Feu” (1947/49) von Wols ab. Das abstrakte Bild erzielte mit 1,49 Millionen Pfund (1,78 Millionen Euro) den zweithöchsten Preis für ein Werk des deutschen Malers.

Der Gesamterlös wäre noch erheblich höher ausgefallen, hätte Christie's nicht kurzfristig das auf neun bis zwölf Millionen Pfund geschätzte Werk "Untitled" (1955) von Mark Rotkho zurückgezogen. "Wir arbeiten an einem privaten Verkauf des Bildes", sagte Francis Outred, Leiter der Abteilung Zeitgenössische Kunst.

Der Star bei Sotheby's war am folgenden Abend eindeutig Gerhard Richter, der damit seine Stellung als einer der erfolgreichsten lebenden Künstler bestätigte. Die im vergangenen November in New York für ihn gezahlten hohen Preise hatten die Einlieferer wohl angespornt, sich von ihren Schätzen zu trennen. Ihre Entscheidung wurde belohnt. Sechs Arbeiten des deutschen Malers, der gerade 80 geworden ist, erbrachten zusammen 17,6 Millionen Pfund (20.3 Millionen Euro), mehr als der obere Schätzwert. Toplos des Abends war sein aus vertikalen wellenförmigen Linien in Schwarz und Weiß bestehendes "Abstraktes Bild (768-4)" (1992), das für 4,8 Millionen Pfund (5,8 Millionen Euro) den Besitzer wechselte. Zwei weitere deutsche Künstler erzielten Auktionsrekorde: A.R. Pencks "Methode, Fertigzuwerden" (1965) wechselte für 325 000 Pfund (389 000 Euro) den Besitzer, Albert Oehlens "Untitled" (1989) für 445 000 Pfund (533 000 Euro).

Anders als bei Christie's hatte bei Sotheby's keines der Lose einen Schätzwert von über fünf Millionen Pfund, und so lag der Enderlös bei der gleichen Zahl von Losen mit 50,6 Millionen Pfund (60,7 Millionen Euro) auch 30 Millionen niedriger als beim Konkurrenten. Das ist immer noch beachtlich, doch erneut musste sich das Haus dem Konkurrenten geschlagen geben. Auch der kleine Verwandte Phillips de Pury schnitt mit 5,7 Millionen Pfund (6,8 Millionen Euro) respektabel ab und die Marktkenner waren sich einig: solange die Zinssätze niedrig sind, wird weiter in Kunst investiert.