Kunstmesse - Rom

Rom ist eine Messe wert

Nach Rom fuhr man bisher der Antike wegen. Das wird sich nun ändern. Die Ewige Stadt ist auf dem Weg zur zeitgenössischen Kunstmetropole. Am Sonntag ging die erste Messe für zeitgenössische Kunst "The Road to Contemporary Art" erfolgreich zu Ende.

Roberto Casiraghi, der 13 Jahre lang die Turiner "Artissima" leitete, hatte das richtige Gespür, als er sich auf das römische Abenteuer einließ. Als Schauplatz dienten nicht die üblichen Messestände, sondern vier im Zentrum gelegene historische Bauten. Rund 50 Galerien, vor allem italienische, nahmen an der Messe teil, darunter namhafte wie Massimo de Carlo, Giò Marconi und Massimo Minini.

Die drei Palazzi an der Piazza Colonna, nur wenige Schritte vom Sitz der italienischen Regierung entfernt, wurden von den Besuchern geradezu gestürmt. Dagegen gab es in den großen Säalen des mittelalterlichen Spitals Santo Spirito, nahe beim Vatikan, bei den Galeristen lange Gesichter. Trotz des perfekt organisierten Shuttle-Bus-Verkehrs blieb es hier ruhig. Im Palazzo Ferrajoli zeigten die Galeristen ihre Schätze in barock möblierten Räumen. Lia Rumma hatte Leuchtkästen (je 50 000 Euro) von Alfredo Jaar zwischen gerafften Vorhängen und vor einer dunkelrot-damastbespannten Wand installiert – und diese schon am ersten Tag alle verkauft.

Ein kleines, auf Leinwand gedrucktes Foto der grausamen Messalina, von Francesco Vezzoli mit Tränen bestickt, ging bei Giò Marconi für 90 000 Euro weg. Und der Turiner Galerist Tucci Russo ehrte mit einer kleinen Sonderschau seinen Lieblingskünstler Giuseppe Penone.

Auch die bisher verborgene Welt der römischen Sammler kam ans Licht: Es gab einen Champagner-Empfang in Anna Fendis Villa Laetizia und eine Mega-Party bei Bulgari. Im Palazzo Rospigliosi zeigten junge römische Sammler ihre Neuerwerbungen. Und am Freitag blieben sechzig Galerien bis nach Mitternacht geöffnet, und auch eine Reihe römischer Sammler erlaubte Gästen den Zutritt in ihrem Haus. In Turin, erzählte Casiraghi, habe er sieben Jahre gebraucht, um dieses Ergebnis zu erzielen. Starkritiker Achille Bonito Oliva richtete in den Diokletian-Thermen eine vielbewunderte Schau von Werken aus Privatsammlungen italienischer Galeristen ein. Die stilvolle Symbiose von Antike und Gegenwart überzeugte alle.

Gleichzeitig fand im marmornen Kongresspalast des faschistischen Stadtviertels EUR eine zweite Messe für zeitgenössische Kunst statt: Die "ARTEcontemporaneamodernaROMA". Das Projekt der Kunstkritikerin Daniela Salvioni hatte aber mit seinen klassischen Messeständen und der großen Zahl junger Galerien, die wenig Bemerkenswertes anboten, keine Chance. Die Besucher verliefen sich in den riesigen Räumen und wurden einsame Zeugen einer beeindruckenden Performance der französischen Künstlerin Marie Cool.

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