Februarauktionen - London

Endlich frische Ware

32 Millionen Euro für Picassos Porträt von Marie-Therèse Walther bei der Abendauktion von Sotheby's – in London sorgen Bilder von hoher Qualität für gute Ergebnisse und den Rekord für das teuerste Bild einer Künstlerin bei einer Auktion.

Man war sich nicht sicher gewesen, ob sich der Markt würde halten können, doch die Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet.

Die Abendauktion bei Christie's erzielte 136 Millionen Pfund (157 Millionen Euro), das beste Ergebnis für das Haus bei einer Londoner Februarauktion für Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne, und auch Sotheby's konnte am Abend davor mit den erzielten 121 Millionen Pfund (140,79 Millionen Euro) mehr als zufrieden sein. In beiden Zahlen sind auch die Ergebnisse der am selben Abend stattfindenden Auktionen mit Werken des Surrealismus enthalten.

Die Befürchtungen gründeten sich auf der Tatsache, dass in diesem Marktsegment längere Zeit nicht allzuviel frische Ware auszumachen war. Die Vorliebe für zeitgenössische Kunst brachte Besitzer vor allem von Werken großer Namen dazu, ihre Bilder zurückzuhalten. Diese Phase scheint nun vorüber zu sein. Beiden Häusern gelang es, Werke von hoher Qualität zu finden, die seit langem nicht auf dem Markt zu sehen waren. Bei Sotheby's waren das immerhin zwei Drittel der insgesamt 61 Lose.

Auch das Toplos der beiden Abende gehörte dazu, Pablo Picassos Porträt seiner Geliebten Marie-Therèse Walther, das bei Sotheby's für 28,6 Millionen Pfund (32,26 Millionen Euro) den Besitzer wechselte. Picassos Porträts seiner Muse zählen zu den begehrtesten Trophäen auf dem Kunstmarkt. "Femme assise près d'une fenetre" (1932) wurde von einem europäischen Sammler eingeliefert und kam mit einer Garantie. Dem Bürgen wurde das Werk dann auch zugeschlagen. Dass Patti Wong von Sotheby's Asia ihn am Telefon vertrat, deutet darauf hin, dass es sich um einen Kunden aus Asien handeln könnte. Das Gemälde war zuletzt 1997 auf dem Markt erschienen und damals für 9,7 Millionen Dollar verkauft worden.

Auch Christie's hatte einen eindeutigen Star – Amedeo Modiglianis Porträt seiner Lebensgefährtin, "Jeanne Hébuterne (au chapeau)" von 1919, das für 24 Millionen Pfund (27,7 Millionen Euro) zugeschlagen wurde, das sind mit der Käuferprämie 26,9 Millionen Pfund. Die junge Frau nahm sich einen Tag nach dem Tod des Malers im Januar 1920 das Leben und tötete damit auch ihr ungeborenes Kind. Das Werk wurde am Telefon einer Züricher Mitarbeiterin zugeschlagen, die sich um russische Kunden kümmert.

Erstaunlich war auch der Erlös für drei Zeichnungen von Egon Schiele aus der Sammlung des Leopold-Museums in Wien, die bei Sotheby's zusammen 14 Millionen Pfund (16 Millionen Euro) erzielten. Die 7,8 Millionen (9,2 Millionen Euro) für "Liebespaar (Selbstdarstellung mit Wally)" (1914) sind der höchste Preis, der je für ein Werk auf Papier des Künstlers bezahlt wurde. Der Erlös soll dem Museum bei der Finanzierung der Restitution des Schiele-Gemäldes "Häuser am Meer" helfen. Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold-Museums, sagte: "Damit ist der Rest des 'Häuser am Meer"-Vergleichs voll finanziert. Und bei Christie's gab es für ein frühes Landschaftsbild von Wassily Kandinsky einen hervorragenden Preis. "Murnau - Ansicht mit Burg, Kirche und Eisenbahn" (1909) erzielte 6,7 Millionen Pfund (7,8 Millionen Euro).

Mehrere Künstlerrekorde fielen an beiden Abenden, am bemerkenswertesten das Werk der Malerin Berthe Morisot. "Aprés le déjeuner" (1881) zeigt eine junge Frau, die gedankenverloren an einem Tisch sitzt. Das Werk brachte 6,9 Millionen Pfund (8 Millionen Euro) – der teuerste Preis, der je für das Werk einer Künstlerin bei einer Auktion erzielt wurde. Bis zu den 90 Millionen Euro für Munchs "Der Schrei", teuerstes Gemälde eines Mannes, ist da noch viel Luft nach oben. Der Ratschlag von Galerist Ivan Wirth gilt wohl weiterhin: "Künstlerinnen sind die Schnäppchen unserer Zeit."

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