Cheyenne Westphal - Interview

ein aufregendes und schnell wachsendes Geschäft

In dieser Woche eröffnet Sotheby's im Londoner Stadtteil Mayfair, schräg gegenüber dem Stammhaus, eine neue Galerie. S|2 soll an den Erfolg des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Ausstellungsraums gleichen Namens in New York anknüpfen. Als Auftakt zeigt das Auktionshaus frühe Arbeiten von Joseph Beuys aus dem Besitz eines anonymen Sammlers. art sprach über das Unternehmen mit Cheyenne Westphal, Leiterin der Abteilung Zeitgenössische Kunst Europa.

art: Frau Westphal, wie würden Sie diese neue Galerie bezeichnen?

Cheyenne Westphal: Es ist eine Galerie, in der wir Verkaufsausstellungen zeigen wollen. Geplant sind fünf bis sechs im Jahr, und wir werden diese Ausstellungen entweder durch unser eigenes Netzwerk bestücken, wie jetzt die Beuys-Gruppe, oder mit Kuratoren zusammenarbeiten, die eine Ausstellung für uns zusammenstellen.

Und was versprechen Sie sich davon?

Der zeitgenössische Markt wächst ständig, das ist ein unheimlich großer Bereich geworden, und wir suchen schon seit einige Zeit nach Lösungen, wie wir Kunst das ganze Jahr über verkaufen können. Wir haben vor zwei Jahren S|2 in New York eröffnet, und die Galerie hat dort sehr schnell Fuß gefasst. Sie ist, wie auch die in London, nicht an Auktionen gebunden.

Aber das könnten Sie doch auch ohne Galerie, Kunst das ganze Jahr über verkaufen. Sie kennen Ihre Sammler, die verkaufen wollen, Sie kennen Ihre Käufer, die kaufen wollen, die muss man doch nur zusammenbringen.

Das ist richtig, wir machen auch sehr viele Privatverkäufe. Aber in den Galerien können wir unheimlich viel zeigen, und das Tolle ist, dass wir auf unser gesamtes Netzwerk zurückgreifen können.

In einer Presseerklärung sagen Sie, dass Sotheby's mehr ist als nur ein Auktionshaus. Was meinen Sie damit?

Damit meine ich, dass wir auf verschiedenste Art und Weise verkaufen. Die Auktionen sind natürlich unser Hauptgeschäft, aber wir machen daneben sehr viele Privatverkäufe, von privat zu privat, und wir betreiben jetzt unsere eigenen Galerien, und das ist ein aufregendes und schnell wachsendes Geschäft. Wir vertreten zwar keine Künstler, aber durch junge Kuratoren kommen wir auch an ganz junge Künstler heran.

Und der Erfolg der Galerien misst sich an den Verkaufszahlen?

Das ist richtig.

Hinken Sie in dem Bereich nicht ein bisschen hinter Ihrem Konkurrenten Christie's her, der schon vor Jahren mit dem Kauf der Galerie Haunch of Venison im Primärmarkt Fuß fassen wollte – mit gemischtem Erfolg?

Das hat mit Hinterherhinken nichts zu tun. Wir haben uns überlegt, wie kann man das machen, dass es interessant bleibt im Markt, und wir haben ja nicht nur die beiden festen Galerien in New York und jetzt London. Wir haben Pop-Up-Shows gemacht in Hongkong, in Los Angeles, und wer weiß, vielleicht auch mal in Berlin.

Sie haben sich ja auch schon ein bisschen im Primärmarkt umgetan, mit der Auktion von Damien Hirst, der bei Ihnen eigene Werke versteigern ließ. In der Richtung soll's nicht weitergehen.

Das war ein einmaliges Erlebnis und hat auf dem Markt einiges verändert. Wir arbeiten schon auch mit Künstlern zusammen, aber so etwas kann man nur machen, wenn alles passt.

Warum zeigen Sie hier als Auftakt Joseph Beuys?

Ich wusste, wo diese Gruppe von Arbeiten ist – 12 Papierarbeiten aus den Jahren 1948 bis 1966 und die Skulptur "Bett" von 1950 – und es ist natürlich spannend, etwas zu zeigen, was seit Jahren nicht zu sehen und noch nie auf dem Markt war. Sie sind seit den siebziger Jahren in dieser Privatsammlung, und sie kommen nicht unter den Hammer, sondern werden privat verkauft. Jede Arbeit hat ihren Preis und wird privat verkauft.

Eröffnung von S|2 ist am 9. Oktober 2013

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