Phillips de Pury - New York

Die Frisur sitzt schon mal

Der private Kunsthändler Philippe Ségalot, der früher die Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Christie's leitete und heute die reichsten Sammler der Welt berät, hat eine Versteigerung für Phillips de Pury in New York organisiert. Das als finanziell angeschlagen geltende Haus will mit der Aktion ein neues Kapitel aufschlagen.
Die Frisur sitzt schon mal:Gastauftritt von Philippe Ségalot

Maurizio Cattelan: "Frank and Jamie", 2002, geschätzt auf 1.000.000 – 1.500.000 US-Dollar

Stephanie Seymours lange Mähne ist ebenso in Form wie die berüchtigte Haartolle von Philippe Ségalot. Der Kunsthändler hatte seine Kontakte spielen lassen und New Yorks Starfriseur Frederic Fekkai geheuert, um die von Maurizio Cattelan gefertigte Büste der Top-Modell-Ehefrau als ultimative Trophäe, die ein vermögender Mann besitzen kann, auf Vordermann zu bringen.

Drei Exemplare von Cattelans "Stephanie" gibt es. Eine hängt im Haus von Seymours Ehemann, dem Sammler Peter Brant. Nach einem schmutzigen Scheidungskrieg hat das Paar gerade erst verkündet, dass es nun doch zusammen bleiben will. Schöner kann eine Geschichte gar nicht laufen, meint Ségalot über das perfekte Timing. Seinen Gastauftritt im Auktionshaus Phillips de Pury sieht er als Publicity-Aktion in eigener Sache. Arbeitet er doch sonst als privater Kunsthändler hinter den Kulissen. Die Deals, die der 47-jährige Franzose einfädelt, sind in aller Regel geheim.

Vor zehn Jahren war Ségalot noch bei Christie's für die Abteilung für zeitgenössische Kunst zuständig und brachte Künstler wie Cattelan in das Auktionsgeschäft. Für die am 8. November geplante Auktion, mit der die neue New Yorker Uptown-Location von Phillips de Pury auf der Park Avenue eingeweiht wird, klopfte er bei Freunden und Bekannten an, um sie um Arbeiten zu bitten. "Es sind Leute, mit denen ich seit 20 Jahren arbeite", erzählt Ségalot. "Die Idee, welche Arbeiten ich versteigern lassen wollte, hatte ich zuerst. Anschließend überzeugte ich die Sammler. Fast alle sagten zu." So schließt sich der Kreislauf mit Werken, die Ségalot in einigen Fällen zunächst für seine Kunden ergattert hat und heute wieder auf den Markt wirft - damit vielleicht zukünftige Kunden eine Sammlung starten. Mit der neuen Serie "Carte Blanche", bei der Gäste wie Mr. Ségalot die Verkäufe organisieren, versucht Phillips de Pury das Geschäft zu beleben. Es heißt immer wieder, dass das Auktionshaus in Schwierigkeiten steckt. 2008 übernahm die russische Mercury Group, die auf den Import von Luxusgütern spezialisiert ist und Showräume für Ferrari, Maserati und Bentley betreibt, das Haus als Mehrheitseigner. Zuvor hatte der französische Milliardär Bernard Arnault das Unternehmen gekauft und war jedoch wieder ausgestiegen.

In der Vergangenheit hatte es Phillips de Pury bereits ohne großen Erfolg mit einer Uptown-Dependance auf der 57th Street versucht, 2003 verließ man die Filiale. Jetzt scheint das Auktionshaus noch einmal mit einer Offensive Gas geben zu wollen. Bei der Auktion in den neuen Showräumen mit 1.800 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Etagen sollen 33 Werke aus Ségalots Auswahl unter den Hammer gehen - und mindestens 80 Millionen Dollar eingefahren werden. Anschließend werden weitere 26 Arbeiten versteigert, die das Gesamtergebnis auf 100 Millionen Dollar heben sollen. Bislang lag die größte Auktion des Hauses bei 59 Millionen Dollar. Erstmalig wurde der Termin vor den Verkäufen der großen Konkurrenz Sotheby's und Christie's angesetzt. Die Zahl der Interessenten für die Auktion sei versprechend, meinte Simon de Pury. Wer für die Carte-Blanche-Serie als nächster Kandidat die Verkäufe organisieren soll, steht noch nicht fest.

Was Ségalot, der seit 2002 mit seinen Partnern Franck Giraud und Lionel Pissarro als Händler aktiv ist und hinter dem Kauf von Kunst aus dem Nachlass der legendären Galeristin Ileana Sonnabend im Wert von 400 Millionen Dollar für seine reichen Kunden steckte, bei seinen Freunden einsammelte, kann sich sehen lassen. Maurizio Cattelans „Charlie“ rollt auf seinem Dreirad durch die Galerie. Paul McCarthys „Mechanical Pig“ mit einem Schätzpreis von 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar hat sich im Erdgeschoss ausgestreckt. Einen Raum füllte Ségalot mit den blau verpackten Lutschbonbons von Felix Gonzalez-Torres (für 4 bis 6 Millionen Dollar). Zu den Highlights zählen der auf 50 Millionen Dollar geschätzte Warhol „Men in Her Life“ aus der Sammlung der Mugrabi-Familie, Takashi Murakamis „Miss ko2“ mit einem Schätzpreis von vier bis sechs Millionen Dollar, Thomas Schüttes „Grosse Geist No. 16“ und Cindy Shermans „Untitled #153“ von 1985, das die Künstlerin wie eine Tote im Gras liegend zeigt und als Rarität gilt, weil sich alle anderen Ausgaben der Serie in der Sammlung von Museen befinden.

Ségalot ist für ungewöhnliche Aktionen berüchtigt, bei denen er bei Christie's Studenten wegen ihres frischen Blicks einsetzte, um einen Verkauf zu organisieren oder in Verkleidung bei der Messe in Basel auflief, um vor anderen Kunsthändlern auf das Gelände zu gelangen. "Ich fühle mich wie ein Filmregisseur vor der Premiere", meinte er über seine Gastrolle bei Phillips.