The Nordic Art Fair - Kopenhagen

Der Lockruf der günstigen Messestände

Skandinavische Künstlerstars fehlten auf der Nordic Art Fair in Kopenhagen

Das erhoffte Gedränge bei der Vernissage blieb ebenso aus wie zuvor der Ansturm der Privatjets auf den Kopenhagener Flughafen. Da mögen internationale Magazine wie Tyler Brûlés „Monocle“ Kopenhagen noch so sehr hypen – die dortige Kunstmesse ist einfach nicht so attraktiv wie die Art Basel. Immerhin vor dem Eingang zur Messehalle Forum standen drei schwere Limousinen mit Chauffeur.

The Nordic Art Fair nennt sich die Kunstmesse in Kopenhagen – seit ein paar Jahren werden zu der Messe fast ausschließlich Galerien aus Nordeuropa zugelassen, und es ist ein offenes Geheimnis, dass aus anderen Ländern ohnehin so gut wie nie jemand teilnehmen wollte. Also machte man aus der Not eine Tugend und erklärte sich zum exklusiven Zirkel der nordeuropäischen Galerien. Vor allem anfangs wurden die bekanntesten Galeristen der Region mit günstigen bis kostenlosen Messeständen gelockt, so wichtig war deren Teilnahme, um das erstrebte Ziel einer skandinavischen Qualitätsmesse zu erreichen.

Die Idee nordeuropäische Galerien zu präsentieren überzeugt dennoch: Warum versuchen, was man ohnehin wird schwerlich erreichen können, nämlich mit Berlin, Köln, London oder gar Basel zu konkurrieren. Allerdings fehlten die skandinavischen Teilnehmer an internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wie Olafur Eliasson, Elmgreen und Dragset, Nathalie Djurberg, Jeppe Hein, Jockum Nordström oder Elina Brotherus. Dafür bot sich die Gelegenheit, jene nordischen Künstler zu entdecken, die bisher außerhalb Skandinaviens noch nicht so viel zu sehen sind. Natalia Goldin aus Stockholm zeigte Cecilia Ömalms schauerlich leeren schwarz-weißen Interieurs, die Arbeiten erinnern an die Ästhetik von Computerspielen. Goldin, die eine der Hauptpersonen hinter der kleinen Stockholmer Kunstmesse Market ist und seit einigen Jahren auch an der Liste in Basel teilnimmt, hob sich mit ihrem Galeriestand mit einfachen Mitteln von der Masse ab: Alles war in schwarz-weiß gehalten.

Goldin war wie etliche andere der bekannteren nordischen Galerien – darunter Brändström & Stene (Stockholm), Faurschou (Kopenhagen), Andersen_S (Kopenhagen) – auf dem Balkon der Messehalle platziert. Das Kontrastprogramm zu Goldins Zurückhaltung bot sich eine Etage tiefer bei der Galerie Trafo aus dem norwegischen Asker. Vielleicht war es ein ironischer Kommentar zu dem lang andauernden Hype, der um Damien Hirst gemacht wird: Trafo präsentierte in einer Ecke auf einem Sockel das Objekt „The Sacred Head“ des Briten – ein rund 40 Zentimeter hoher Silberklumpen, in den Rasierklingen, nadelartige Gegenstände und Stacheldraht gesteckt sind. Statt wie üblich den Namen des Künstlers klein auf ein Schild neben das Werk zu schreiben, stand Damien Hirst in überdimensionierten Lettern an die Wand geschrieben, und das Objekt war mit einer Sperre, wie sie benutzt wird, um das Volk von den Stars auf dem roten Teppich auf Distanz zu halten, abgeschirmt.

Gut, dass es dann noch Stände wie den von Stalke (Kirke Sonnerup, Dänemark) gab. Die Galerie gehörte zu jenen, die versuchten auf der Messe so viele ihrer Künstler wie möglich zu präsentieren. Meist wird der Zuschauer von einem solchen Sammelsurium erschlagen, doch Stalke gelang die Präsentation bestens. Da hingen Fotos von Kristian von Hornsleths Uganda Village Project neben einer Skulptur von Einar Thorstein und auf der anderen Seite Bilder von Willam Anthony.

Parallel zur Art Copenhagen fand zum zweiten Mal die alternative Kunstmesse “alt_cph” statt. In den Hallen der „Fabrik für Kunst und Design“ präsentierten sich vor allem nichtkommerzielle Ausstellungsräume wie die Straßengalerie Air Play (siehe art 7/2006). Koh-i-Noor, ein winziger Ausstellungsraum im Zentrum von Kopenhagen begnügte sich damit die Videoinstallation „Everything is better now“ des US-Amerikaners Jonn Herrschend zu zeigen und sonst nichts. Auf der "alt_cph" schien das Motto fast aller Teilnehmer zu sein, was Jedig von Stalke für sich für die Art Copenhagen entschieden hatte: Die Aussteller kamen vor allem um mit den anderen Ausstellern zusammen zu treffen und gemeinsame Projekte zu planen. Davon wollten auch die ausländischen Teilnehmer profitieren, mit dabei Cluster aus Berlin.