Johann König und Max Mayer im Interview

Berlin hat keine Ahnung vom Geldverdienen

Johann König und Max Mayer waren von Kindesbeinen an in der Kunstwelt zu Hause. Jetzt sind die Söhne von Kasper König und Hans Mayer junge Galeristen, der eine im Rheinland, der andere in Berlin. Im Gespräch mit art verraten sie, wie sie die Art Cologne erlebt haben und was Köln der immer noch voraus hat.
Berlin hat keine Ahnung vom Geldverdienen

Trotz oder wegen ihrer erfogreichen Väter? Johann König und Max Mayer sind mittlerweile beide erfolgreiche Galeristen – König in Berlin, Mayer in Düsseldorf.

art: Sie haben beide in ihrer Kindheit sicherlich viele Geschichten aus der Kunstwelt gehört. Hält die Wirklichkeit, was diese Erzählungen versprochen haben?

Max Mayer: Ich habe immer sehr viel Wirklichkeit mitbekommen. Der Vorteil unserer Herkunft ist ja, dass man die Geschichten nicht glauben muss, weil man immer Teil der "Realität" war.

Johann König: Es hat durchaus etwas Befremdliches, wenn die eigene Geschichte zu einer Geschichte wird, die Dritte interessiert und eine Bedeutung zugesprochen bekommt, die man selbst gar nicht so sieht. Mit Gerhard Richter Ostereier zu suchen, ist ja nur deshalb relevant, weil das heute der Gerhard Richter ist. Für ein Kind ist das vollkommen egal.

Was hat sich seit ihrer Kindheit stärker verändert: die Kunst oder der Markt?

König: Ich habe mich für den Kunstmarkt früher überhaupt nicht interessiert und bin eher zufällig Galerist geworden, weil das das einzige war, das ich machen konnte, ohne von jemand anderem abhängig zu sein. Erst als ich die Galerie schon hatte, wurde der Markt für mich relevant.

Mayer: Den Markt an sich gibt es ja auch nicht, sondern verschiedene Segmente, und man kann sich aktiv entscheiden, an welchem man teilnehmen möchte und an welchem nicht.

Herr Mayer, ihr Vater hat gesagt, er habe in seiner Berliner Filiale in acht Jahren zwei Bilder verkauft. Sind Sie deswegen in Düsseldorf geblieben?

König: Ach ja, ihr hattet mal eine Galerie in Berlin.

Mayer: Die lag Unter den Linden, neben der amerikanischen Botschaft. Nach dem 11. September musste man durchs Nachbargebäude und dann durch den Keller gehen, um in die Galerie zu kommen. Aber, nein, das hat gar nichts damit zu tun, dass ich in Düsseldorf bin. Ehrlich gesagt, langweilt mich das Gerede über den Gegensatz zwischen Berlin und dem Rheinland. Ich habe für mich entschieden, dass ich in Berlin nicht arbeiten möchte – und das ist ein ziemlicher Luxus. In Berlin Tourist zu sein, genieße ich sehr.

Herr König, Sie haben sich vermutlich bewusst für Berlin entschieden.

König: Ja, weil Berlin so weit wie möglich von Köln entfernt ist und ich nicht ins Ausland gehen wollte. Ich habe kurz überlegt, nach London zu gehen, konnte mir das aber beim besten Willen nicht leisten. Ich spreche kein Französisch, deshalb war Paris auch keine Option. Ich kannte Berlin eigentlich gar nicht, bin trotzdem hingegangen und jetzt total froh darüber.

Wie hat sich das Geschäft dort entwickelt?

König: Am Anfang war in Berlin gar nichts los. Da gab es niemanden, der was kaufte. Dann kamen unheimlich viele Amerikaner nach Berlin, was sich auch wieder geändert hat. Jetzt ist Berlin auf dem Weg, eine Stadt wie Paris zu werden: Jemand, der im Rheinland ein Unternehmen hat, der hat eben auch eine Wohnung in Berlin.

Stimmt das alte Klischee, dass Berlin die Künstler und das Rheinland die Sammler hat, eigentlich noch?

König: Im Rheinland gibt es immer noch sehr viele Sammler. Aber die sind auch alle in Berlin. Oder man macht das, wie sagt man: fernmündlich.

Mayer: Mit dieser Schwarzweißmalerei tut man auch wirklich den Sammlern Unrecht. Als ob man als Rheinländer nur in Köln und Düsseldorf kaufen würde. Die wissen genauso gut Bescheid, was in Berlin, London oder New York passiert.

König: Ob Berlin oder Köln ist ohnehin nicht das Problem. Wir müssen aufpassen, dass es nicht Zürich oder New York wird und wir uns hier selbst das Wasser abgraben mit der neuen Mehrwertsteuer. In Deutschland wird einfach nicht gesehen, dass der Galerist Kulturarbeit leistet. Viele junge Galerien fördern Künstler noch vor den Kunstvereinen. Aber hier herrscht immer noch das Bild: Der Galerist ist derjenige, der dem Künstler die Hälfte wegnimmt. Die großen Galerien können das wegstecken, die bringen ihre Waren nach Basel, New York oder wo auch immer hin. Eine kleine Galerie ist dazu nicht in der Lage. Der Wettbewerb ist dadurch total gestört.

Wie wichtig sind die Messen für ihre Arbeit? Es gibt Umfragen, nach denen dort der Löwenanteil der Umsätze gemacht wird.

Mayer: Bei mir ist das anders. Ich kann auch in der Galerie gut verkaufen. Gerade in den ersten Jahren waren die Messeteilnahmen wie Fahnen, die man in den Boden steckt und sagt: Hallo, hier gibt’s jemanden. Das war eher im PR-Budget angesiedelt. Mittlerweile balanciert sich das besser aus.

König: Man kann das nicht mehr trennen: "Ist auf der Messe passiert" und "Ist nach der Messe passiert". Das gehört alles zum selben Alltagsgeschäft. Hier in Köln wurden jetzt drei Verkäufe bestätigt, die schon vorher liefen. Oder man fängt hier ein Gespräch an und schließt es, was weiß ich, in Basel ab. Gestern haben wir etwas an die Bundeskunstsammlung verkauft – mit denen reden wir auf Messen seit weit über einem Jahr.

Wie zufrieden sind Sie denn mit der Art Cologne?

König: Das Schöne an Köln ist, dass es bei der Klassischen Moderne losgeht. Das ist wichtig, weil es eine bestimmte Klientel zur Messe bringt, aber auch, weil man so das Preisgefüge von moderner und zeitgenössischer Kunst vergleichen kann. Das hat Köln konstant relevant gehalten.

Mayer: Was auch für Köln spricht: Die Leute, mit denen man über das Jahr hinweg redet, sind beinahe alle hier.

König: In Berlin fehlt das Bekenntnis zum Kommerziellen, die haben keine Ahnung, was das heißt. Deswegen hat die Berliner Messe auch nicht funktioniert. Man muss Geld verdienen, um etwas bewegen zu können. Was haben wir anfangs Geld in Ausstellungen mit Alicja Kwade gesteckt. Das hätte ich nicht machen können, wenn ich nicht zeitgleich mit Tatiana Trouvé Erfolg gehabt hätte. Ohne Moos nix los. Aber in Berlin sagt niemand: Ja, ich will Geld verdienen.