Klassische Moderne - New York

Lahmer Auftakt zum Marathon

Gauguin, Manet, Picasso - bei den Mai-Auktionen kamen die großen Künstler unter den Hammer. Trotz Hollywoodstars und jungen Sammlern aus Asien fehlte den Versteigerungen der große Schwung.
Langsamer Start:Frühjahrsauktionen schwächeln

Die Versteigerung von Los 8: Paul Gauguin "Jeune Tahitienne", Schätzpreis 10 bis 15 Millionen Dollar, Zuschlag für 11 Millionen Dollar, Rekordpreis für eine Skulptur von Gauguin

Geschenkt wurde ihnen nichts: Die Crew vom Auktionshaus Sotheby's erzielte bei der abendlichen Versteigerung von Impressionisten und Moderner Kunst ein solides Ergebnis von 170,5 Millionen Dollar – doch das Angebot zum Auftakt der New Yorker Frühlingsauktionen war eher dürftig, viele Werke verkauften sich zu niedrigeren Preisen als erwartet.

Sotheby's hatte es im Vergleich dazu bei den Mai-Auktionen im Vorjahr auf 195 Millionen Dollar gebracht. Gute Arbeiten sind nach wie vor rar, die Auktionshäuser umkämpfen einen schwierigen Markt. Viele Sammler behalten ihre Kunst lieber, weil sie im Vergleich zu anderen Investitionsmöglichkeiten als sichere Anlage erscheint. Die neuen Sammler hingegen wollen mit Trophäen einsteigen. Berühmte Werke von großen Künstlern, denen man ihren Preis auch ansieht.

Picasso war wie so häufig das Zugpferd des Abends. Acht Werke gingen für einen Gesamtwert von 58,5 Millionen Dollar unter den Hammer, darunter das späte Werk "Couple a La Guitare" für 9,6 Millionen Dollar, das der Meister 1970 in einem Tag gefertigt hat, und das Toplos des Abends, "Femmes Lisant (Deux Personages)" von 1934. Ebenfalls ein Tageswerk von Picasso, das die junge Geliebte des Künstlers Marie-Thérèse Walter mit ihrer Schwester Geneviève beim Lesen zeigt. Der Verkäufer muss die Blockbuster-Show "Picasso and Marie-Thérèse: L'amour fou" in einer der New Yorker Galerien von Larry Gagosian für den perfekten Verkaufs-Zeitpunkt gehalten haben. Die Arbeit ging jedoch nur für 21,3 Millionen Dollar an einen unbekannten, jungen Sammler aus Asien. Der Schätzwert hatte weitaus höher bei 25 bis 35 Millionen gelegen.

Die Überraschung des Abends lieferte jedoch nicht Picasso, sondern kein anderer als Guy Wildenstein, der sich von den in Frankreich gegen ihn laufenden Ermittlungen wegen Steuerbetrug, Hehlerei, Unterschlagung, Geldwäsche und Diebstahl anscheinend nicht weiter beeindrucken lässt. Für 5,4 Millionen Dollar erhielt Wildenstein den Zuschlag für Edouard Manets "Portrait de Monsieur Brun". Zu den Glanzpunkten eines sonst eher zähen Abends zählt Alberto Giacomettis Skulptur "Femme Debout", um die sich sechs Bieter stritten und die schließlich 7,3 Millionen Dollar erzielte, und eine seltene Holzschnitz-Skulptur von Paul Gaugin "Jeune Tahitienne" von 1893, die Büste einer jungen, mit Korallenketten herausgeputzten Tahitianerin, die für 11,2 Millionen Dollar versteigert wurde. Der Verkauf der Arbeit war durch eine dritte Partei zu einem nicht-öffentlichen Preis gesichert worden, sowie Alexej von Jawlenskys "Frau mit grünem Fächer", die für 11,3 Millionen Dollar unter den Hammer kam.

Bei Christie’s ging es am nächsten Abend allein schon augrund der Star-Power aus Hollywood etwas lebendiger zu. Leonardo DiCaprio und sein Schauspielerfreund Lukas Haas hatten sich unter die Gäste gemischt, boten allerdings nicht mit. 47 von 57 Werken wurden für insgesamt 155,9 Millionen Dollar versteigert. Die beiden teuersten Arbeiten des Abends: Claude Monets Baum-Komposition "Les Peupliers" von 1891 für 22,5 Millionen Dollar und die farbenprächtige Landschaft "Paysage de Banlieue" des französischen Malers Maurice de Vlaminck für 22,5 Millionen. Ein Rekordpreis für den Künstler. Hedgefondsmanager und Sammler Steve Cohen hatte das Werk auf den Markt gebracht und 1994 für 6,8 Millionen Dollar ersteigert. Der zweite Rekord des Abends ging an Maximilien Luce und sein Ölgemälde "Notre-Dame de Paris" von 1900 für 4,2 Millionen Dollar. Auch bei Christie’s wurde wieder einmal vorgeführt, dass Picasso als Rekordhalter des weltweit teuersten bei einer Auktion verkauften Werkes König ist. Bei drei der zehn Toplose handelte es sich um Werke des Meisters. Angeführt von "Les femmes d'Alger, version L" von 1955 für 22,4 Millionen Dollar.

Nächste Woche geht es mit den Versteigerungen von zeitgenössischer Kunst bei Christie’s, Sotheby's und Phillips de Pury in New York weiter. Dieses Jahr handelt es sich um einen wahren Marathon. Sotheby's hat den Nachlass des New Yorker Kunsthändlers Allan Stone an Land gezogen und hält am Montag einen zweiteiligen Extra-Versteigerungsabend mit Werken von Willem de Kooning, Franz Kline, John Chamberlain und vor allem Wayne Thiebaud ab, den Händler Stone lange Zeit vertreten hatte.