Herbstauktionen - London

Liebling des Auktionsmarkts

Gerhard Richters "Abstraktes Bild (809-4)" (1994) aus der Sammlung des Rockmusikers Eric Clapton bricht bei Sotheby's alle Rekorde. Bei Philips de Pury und Christie's laufen die Geschäfte nicht glatt.
Rekord für Richter:Sensationsergebnis von 26,4 Millionen Euro

Gerhard Richter: "Abstraktes Bild", 1994

Dass Gerhard Richter zu einem der Lieblinge des Auktionsmarkts geworden ist, weiß man seit längerem.

Auf seine Gemälde, vor allem die "Abstrakten Bilder", ist immer Verlass, sie bringen gutes Geld. Doch was sich am Freitagabend bei Sotheby's abspielte, war nicht vorauszusehen: Zwei Telefonbieter, der eine beraten von Mitarbeiterin Natasha Mendelsohn, der andere vom weltweiten Chef für Zeitgenössisches, Tobias Meyer, schaukelten sich in Schritten von 500 000 Pfund gegenseitig in ungeahnte Höhen hinauf. Der bisherige Rekord für ein Richter-Bild in Höhe von 13,5 Millionen Pfund wurde schnell überschritten und "Abstraktes Bild (809-4)" (1994) wurde schließlich für 19 Millionen Pfund (23,5 Millionen Euro) zugeschlagen. Einschließlich der Käuferprämie sind das sagenhafte 21,3 Millionen Pfund (26,4 Millionen Euro).

Der Einlieferer kann mehr als zufrieden sein. Rockmusiker Eric Clapton hatte im November 2001 bei Sotheby's in New York drei Richter-Werke für je etwa eine Million Dollar ersteigert. Unter ihnen auch das in Rot, Dunkelblau und Gelb gehaltene "Abstrakte Bild" von 1994. Dass dessen Wert in wenig mehr als 10 Jahren um mehr als das Dreißigfache nach oben schnellte, zeigt den rapiden Aufstieg des Kölner Malers. Laut Sotheby's ist dies der höchste Preis für ein Bild eines lebenden Künstlers, der je erzielt wurde. Auch ein zweites, etwas kleineres "Abstraktes Bild" von 1997 übertraf den oberen Schätzwert und wurde für 1,7 Millionen Pfund (2,1 Millionen Euro) zugeschlagen.

Auch der Rest der Abendauktion bei Sotheby's verlief zufriedenstellend. Neben Richter wurden noch andere Künstlerrekorde gebrochen, etwa für die Deutsche Isa Genzken, deren Arbeit "MLR" (1992) für 220 000 Pfund (240 000 Euro) zugeschlagen wurde. Der Gesamterlös in Höhe von 44 Millionen Pfund (54 Millionen Euro) ist der höchste, der bei einer Auktion zeitgenössischer Kunst im Londoner Haus erzielt wurde.

Beim Konkurrenten Christie's, der normalerweise die Nase vorn hat, lief nicht alles nach Plan. Lediglich Martin Kippenberger enttäuschte nicht. Ein anonymer Sammler und Freund des Künstlers hatte ein Konvolut von sechs Selbstporträts, auf Leinwand und Papier, eingeliefert, die sich alle gut verkauften. Lediglich die Skulptur "Immer an der Wand beißen bei Susan" (1990) ging zurück, doch "Untitled (from the series Hand-Painted Pictures)" (1992), das den 1997 verstorbenen Künstler in Boxerpose zeigt, erwies sich als Toplos des Abends und wurde für 2,8 Millionen Pfund (3,4 Millionen Euro) zugeschlagen, auch das ein Rekord. Der Gesamterlös von 23 Millionen Pfund (28 Millionen Euro) war eine Enttäuschung für das Haus.

Beim Winzling Philips de Pury brach dann alles zusammen. Von insgesamt 36 Losen gingen zwölf Lose zurück, darunter so sichere Ware wie eine Gemeinschaftsarbeit von Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat und eine Fotoarbeit von Andreas Gursky. Das obere Ende des Markts, mit einer Arbeit von Basquiat für 2,3 Millionen Pfund (2,8 Millionen Euro), hielt sich relativ gut, ebenfalls einige jüngere Künstler wie Rob Pruitt, doch ansonsten blieb alles unter Erwartung. Die Stimmung im Saal war, wie bei Christie's, eher verhalten, erstaunlich in der Woche, in der die Sammler wegen der Messe Frieze in Scharen nach London reisen.