Auktionen - London

Hot Dogs mit Blattgold

Ohne den großen Big Bang verliefen die Auktionen in den Londoner Filialen von Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury, aber auch ohne dramatische Kursverluste. Eine Arbeit von Andreas Gursky stieg im Preis, die von Jonathan Meese sanken, und den Anselm Reyle wollte keiner mehr haben.
Kunstmarkt hält Kurs:Auktionen von Sotheby's, Christie's und de Pury

Andreas Gurskys "Pyongyang IV" von 2007 brachte 1,3 Millionen Pfund

Der herbeigesehnte Big Bang blieb zwar aus, doch die drei Auktionshäuser fuhren zumindest respektable Ergebnisse ein, und sorgten sogar für ein paar Überraschungen. Bei Christie´s entbrannte ein an die guten alten Zeiten erinnerndes Bietergefecht um den frühen Guss eines Reiters von Marino Marini, der mit 4,5 Millionen Pfund seinen Schätzpreis mehr als verdreifachte, und einen Rekord für den Künstler erzielte. Das war zwar bei der Auktion italienische Nachkriegskunst, doch auch bei der zeitgenössischen Kunst gab es hier und da Beifall. Etwa als eine zweiteilige Skulptur des Japaners Takashi Murakami für 1,9 Millionen Pfund der New Yorker Händlerin Daniella Luxembourg zugeschlagen wurde, das Fünffache des Schätzwerts. Bei Sotheby´s kletterte ein Nordkorea-Foto von Andreas Gursky, "Pyongyang IV", aus der Sammlung des pleitegegangenen Inverstmenthauses Lehmann Brothers mit 1,3 Millionen Pfund auf das Doppelte seines Schätzwerts, und beim Winzling Phillips de Pury sorgte ein "Paper Pool" von David Hockney mit 1,3 Millionen Pfund für Auftrieb, nach Auskunft des Auktionshauses der bisher höchste Preis für einen Hockney auf Papier.

Bei Sotheby’s machte auch das frühere Supermodel Jerry Hall, die Ex-Frau Mick Jaggers, von sich reden. Sie ließ insgesamt 14 Arbeiten ihrer Sammlung aufrufen, sechs davon kamen auf der Abendauktion unter den Hammer und erzielten 2,3 Millionen Pfund. Toplos mit einer Million Pfund war hier ein Porträt von Frank Auerbach, und eines von zwei Werken von Lucian Freud, "Eight Months Gone", brachte es auf 600 000 Pfund. Das postkarten-winzige Gemälde zeigt die nackte und hochschwangere Hall.

Alle drei Häuser zeigten sich, wie üblich und nicht anders zu erwarten, äußerst zufrieden mit den Ergebnissen. Das Vertrauen sei zurückgekehrt und mit ihm die Käufer, die wegen der Kunstmesse "Frieze Art Fair" in der Stadt weilten. Anders als im Herbst vergangenen Jahres geben die Zahlen diesmal ihrem Optimismus recht. Christie’s setzte in seiner Abendauktion 38,2 Millionen Pfund um, das entspricht dem oberen Schätzwert, Sotheby’s nahm mit 30,4 Millionen ein Drittel mehr als im Vorjahr ein, und Phillips de Pury erzielte mit 8,9 Millionen Pfund das beste Ergebnis der letzten zweieinhalb Jahre.

Als kleine Blamage erwies sich allerdings eine Gruppe junger Berliner Kunst, mit deren Einlieferung bei Phillips de Pury der New Yorker Sammler Adam Lindemann wohl den Markt testen wollte. Auch der reißerische Titel, "Berlin Zeitgeist!", konnte das Konvolut nicht vor dem Sinken bewahren. Von 13 Losen gingen fünf zurück, darunter eine Arbeit von Anselm Reyle, die der Sammler erst Anfang des Jahres erstanden hatte. Der Rest, von Jonathan Meese, André Butzer und Thomas Zipp, blieb mit einem Erlös von 351 000 Pfund weit hinter den Erwartungen zurück. Ein danebengegangener Test? Nicht für den Phillips-Experten Michael McGinnis, der philosophisch hinzufügte: "Manche Sammler wechseln eben häufiger ihre Kleider."

Sind die guten Zeiten also wirklich wieder angebrochen? Es sieht beinahe so aus, wenn man den Rauchzeichen glauben darf: Bei der Party bei Christie’s mussten sogar Bentley-Besitzer Schlange stehen, so voll waren die Räume, und bei Sotheby’s wurden Hot Dogs serviert, die nicht etwa mit Senf, sondern mit Blattgold bestrichen waren.