Herbstauktionen - New York

Wählerische Bieter

Die New Yorker Herbstauktionen starteten durchwachsen. In der Kategorie Impressionisten und klassische Moderne blieb bei Christie's fast ein Viertel der Lose unverkauft. Sotheby's dagegen erziehlte eines der besten Ergebnisse seiner Geschichte.
Zaghaft und wählerisch:Die New Yorker Herbstauktionen starteten durchwachsen

"Der Markt ist lebendig", Sotheby's Auktionator Tobias Meyer versteigert "Grande tête mince" von Alberto Giacometti (links) für 50 Millionen Dollar. Picsassos Bild "Tête de Femme" von 1935 (im Hintergrund) brachte knapp 40 Millionen Dollar

Es sollte ein Festmahl werden. Aber die geladenen Gäste erwiesen sich als anspruchsvolle Esser. Bei Christie's Versteigerung von Impressionisten und Moderner Kunst blieben elf von 46 Losen unverkauft.

Darunter große Namen wie Picasso, Modigliani und Léger, für die nicht ein einziges Gebot abgegeben wurde. Die Kombination von hohen Preisen und mittelprächtiger Qualität ließ die Auktionsgäste aus aller Welt vor allem beobachten und abwarten.

Schon am Vortag war die Versteigerung der Sammlung des 2008 verstorbenen Genfer Kunsthändlers und Picasso-Experten Jan Krugier, der den Besitz der Picasso-Enkelin Marina verwaltete, enttäuschend verlaufen. Auch hier waren die Preise wohl zu hoch angesetzt. Von 62 Werken wurden 17 nicht verkauft und der Abend brachte mit 92,5 Millionen Dollar deutlich weniger als erwartet ein. Als unterer Wert waren 157,8 Millionen Dollar angepeilt worden. Ein Grund für den Misserfolg war, dass Krugiers Schätze für viele im Auktionssaal alte Bekannte waren. Die Nachfolger des Galeristen hatten bereits seit Jahren versucht die Bilder zu verkaufen.

Zu den unverkäuflichen Werken am nächsten Abend zählte auch Egon Schieles Bild eines nackten Paares in inniger Umarmung, "Mann und Frau (Umarmung)" von 1917, das bei 4,8 Millionen Dollar zurückgezogen wurde – dabei war die Arbeit erst vor drei Jahren für mehr als sieben Millionen Dollar versteigert worden. Der Schiele soll zu den Werken zählen, die der New Yorker Hedgefondsmanager Steve Cohen in diesen zwei Wochen in New York versteigert. Cohens Firma wurde für schuldig erklärt, Insider-Trading begangen zu haben und muss insgesamt 1,8 Milliarden Dollar Strafe zahlen, damit der Fall zu den Akten gelegt wird. Zwar wird versichert, dass Milliardär Cohen nicht unter Gelddruck steht, aber die schlechten Nachrichten dürften sich für den Finanzmann häufen.

Auffällig viele Käufer stammten bei der abendlichen Auktion aus Asien. Darunter der reichste Mann Chinas Wang Jianlin, der Picassos "Tete de Femme au Chapeau" für 2,7 Millionen Dollar kaufte und schon bei der Krugier-Versteigerung mit Picassos Gemälde von seinen jungen Kindern Claude und Paloma ("Claude and Paloma" von 1950) für 28,2 Millionen Dollar das Toplos ergattert hatte. "Die chinesischen Sammler wollen ausschließlich Künstler von der Topliste. Namen, die sie nicht ihren Freunden erklären müssen", so Rebecca Wei, Christie's Direktorin für Asien.

Christie's beendete den Abend mit einem Ergebnis von 144,3 Millionen Dollar, weit unter dem niedrigen Schätzwerk von 188,8 Millionen. Die drei Toplose: Ein Gemälde von Alberto Giacometti von 1954 ("Diego en chemise écossaise"), das den Bruder des Künstlers zeigt, kam für einen Rekord von 32,6 Millionen Dollar unter den Hammer. Das Geschäft war allerdings durch eine Garantie, die bei 30 Millionen Dollar liegen soll, bereits vor der Auktion ausgehandelt worden. Wassily Kandinskys "Schwarz und Violett" von 1923 wurde für 12,6 Millionen Dollar von dem New Yorker Kunsthändler David Nahmad ersteigert, dessen Sohn Hillel "Helly" wegen Geldwäsche und einer führenden Rolle in einem Spieler-Ring angeklagt wurde und vorerst ausgebremst ist. Platz Nummmer Drei ging an Picassos Gemälde von seiner Geliebten Marie-Thérèse ("Femme au béret orange et au col de fourrure") für 12,1 Millionen Dollar.

Insgesamt nahm Christie's in drei Tagen mit allen Tages- und Abendauktionen und der Krugier-Versteigerung 293,7 Millionen Dollar ein. Ein Ergebnis, dem sich Sotheby's locker an nur einem Abend mit 290 Millionen Dollar näherte. Es handelt sich um das zweitbeste Ergebnis des Hauses in dieser Kategorie, das nur von der Versteigerung im Mai 2012 übertroffen wird, bei der Edvard Munchs "Der Schrei" für einen Rekord von 120 Millionen Dollar unter den Hammer kam. "Also ist der Markt lebendig", sagte Chefauktionator Tobias Meyer, als er beim letzten Lot der Erfolgsauktion den Hammer fallen ließ.

Auch bei Sotheby's waren Bieter aus Asien tonangebend. Lateinamerikanische Sammler boten ebenfalls fleißig mit. Der Markt sei globaler als je zuvor, stellte Sotheby's-Co-Chairman David Norman fest. Und wie schon bei Christie's übernahm Alberto Giacometti mit einem Bildnis seines Bruders Diego die Führung. Die Bronzebüste "Grande tête mince (Grande tête de Diego)" von 1955 kam für 50 Millionen Dollar unter den Hammer. Werke von Picasso brachten Höchstpreise, ebenfalls angeführt von einem Porträt von Marie-Thérèse ("Tête de Femme" von 1935), das für 39,9 Millionen Dollar versteigert wurde und gefolgt von Picassos "Mousquetaire à la pipe" für 30,9 Millionen Dollar.

14 Werke aus einer Schweizer, von dem Genfer Kunsthändler Alain Tarica zusammengestellten Sammlung (Tarica half Kunstliebhabern wie Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, ihre Sammlung aufzubauen), aus der Zeit von Anfang des 20. Jahrhunderts und Künstlern wie Giacomo Balla, Joan Miró, Francis Picabia, Picasso und Juan Gris, die mit ihren Arbeiten die Zukunft feierten, brachten 64,3 Millionen Dollar. Angeführt von dem Schwarz-Weiß-Gemälde "Automobile in corsa" von 1913 mit sich windenden Formen des italienischen Futuristen Giacomo Balla für 11,4 Millonen Dollar. Nächste Woche geht es mit den Versteigerungen von zeitgenössischer Kunst in die nächste Runde.

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