Auktionen - London

Zurückhaltende Zufriedenheit

Sotheby's setzte auf klassische Nachkriegskunst. Christie's zeigte viele Zeitgenossen. Phillips de Pury verkaufte nur die Hälfte der Lose.
Zurückhaltende Zufriedenheit:Zurückhaltende Zufriedenheit

Yves Kleins Bild "RE 49" aus dem Jaher 1961 wurde für 5,5 Millionen Pfund bei Sotheby's versteigert

Das Auffallende in den mäßig besetzten Auktionssälen waren dieses Mal nicht hohe Preise, sondern die ersten I-Pads auf dem Schoß einiger Kunsthaie mit dickem Geldbeutel. Einer gab bei Sotheby's mehr als zwei Millionen Pfund aus für ein Gemälde von Richard Prince und einen mit Bourbon gefüllten Güterwagen aus Edelstahl von Jeff Koons, die Augen fast ständig auf seine schicke digitale Wundermaschine gerichtet, mit der er seinem Auftraggeber umgehend den Erfolg meldete.

Ansonsten: anders als nach den kürzlichen Rekordpreisen für Werke des Impressionismus und der Klassischen Modernen herrschte lediglich zurückhaltende Zufriedenheit. Cheyenne Westphal von Sotheby's sprach von einem "soliden Ergebnis" und Frances Outred von Christie's lobte "den Enthusiasmus des Marktes".
Sotheby's setzte bei seinem Angebot hauptsächlich auf die großen Namen der klassischen europäischen Nachkriegskunst. Die zwei Toplose, die beide ihre Schätzwerte erreichten, gehörten in diese Kategorie: "RE 49" (1961) aus der Sammlung der Hypo Vereinsbank erzielte 5,5 Millionen Pfund und Lucio Fontanas "Concetto Spaziale, La Fine di Dio" (1963) wurde für 4,2 Millionen Pfund zugeschlagen. Auch die 3,3 Millionen Pfund, die ein anonymer Telefonbieter für Gerhard Richters Gemälde "Neger (Nuba)" (1964) zahlte, konnten sich sehen lassen. Erstaunlich dagegen, das zwei Werke des Engländers Peter Doig, der in den letzten Jahren hohe Preise erzielte, zurückgingen.
Christie's hatte sehr viel mehr Zeitgenössisches im Angebot und reüssierte mit dem Schachzug. Vor allem englische Künstler verkauften sich gut: ein Gemälde von Glenn Brown nach Salvador Dali erzielte 1,25 Millionen Pfund, "Orgena" von Chris Ofili, eine junge Frau mit Afro-Look, gar 1,65 Millionen Pfund, beides Rekorde für die Künstler. Toplos war hier Andy Warhols "Silver Liz", ein Porträt von Elizabeth Taylor, mit 6 Millionen Pfund, genau der untere Schätzpreis. Gerhard Richter konnte sich auch hier behaupten. Zwei seiner "Abstrakten Bilder" erzielten 1 Million bzw. 2,1 Millionen Pfund.
Bei Phillips de Pury brach dagegen alles völlig zusammen. Selbst der sprichwörtliche Charme von Chairman Simon de Pury vermochte die Käufer nicht aus ihrer Reserve zu locken. Beinahe die Hälfte der 45 Lose blieb unverkauft, unter ihnen eigentlich solide Ware wie Roy Lichtenstein, Georg Baselitz und gleich zweimal Andy Warhol. Die wenigsten verkauften Werke erreichten den unteren Schätzwert und noch weniger wurden für über dem oberen Schätzwert liegende Preise zugeschlagen, eines davon ein "Schüttelbild" (1983) von Hermann Nitsch. Auktionator de Pury machte, wenn auch mit leichtem Schmunzeln, die Fußballweltmeisterschaft für den Einbruch verantwortlich – zeitgleich mit der Auktion spielte Spanien im Viertelfinale gegen Portugal. Sein Mitarbeiter Michael McGinnis konstatierte dagegen "eine allgemeine Ermüdung unter den Käufern", die es bis zu den Herbstauktionen zu überwinden gilt. Keine leichte Aufgabe.

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