Bou Meng - Kambodscha

Wenn die Bilder nicht lebensecht sind, stirbst Du

Mit seinen Bildern versucht der kambodschanische Künstler Bou Meng, die Erinnerung an die Verbrechen der Roten Khmer wach zu halten.
Gerettet von der Kunst:der kambodschanische Künstler Bou Meng

Bou Meng mit seinen Bildern

35 Jahre nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha fällte ein internationales Völkermordtribunal Anfang August ein historisches Urteil. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden der damalige Propagandachef Nuon Chea (88) und der ehemalige Staatschef Khieu Samphan (83) zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie waren die letzten noch lebenden Vertreter des Regimes.

Regungslos nahmen die beiden Greise das Urteil hin. Bou Meng (73) jedoch freute sich. Zusammen mit anderen Überlebenden und Opferangehörigen feierte er vor dem Gerichtsgebäude in Phnom Penh den Richterspruch. Zu oft hatte er mit ansehen müssen, wie alle anderen Khmer-Führer in den vergangenen Jahren bereits friedlich und ohne Sühne starben oder wegen Demenz freigesprochen wurden.

Die Roten Khmer wollten Kambodscha unter Pol Pot in den achtziger Jahren gewaltsam in einen maoistischen Bauernstaat verwandeln. Ihre Schreckensherrschaft kostete fast zwei Millionen Menschen das Leben.

Die Prozesse des UN-Kriegsverbrechertribunals, bei denen Bou Meng als einer der Hauptzeugen aussagte, kamen aber nur schleppend voran. Getreue des Terror-Regimes sitzen bis heute in der Regierung und sabotierten die Prozesse. Sogar Ministerpräsident Hun Sen, selbst ein ehemaliger Roter Khmer, forderte immer wieder ein Ende des Tribunals: "Es ist Zeit, die Vergangenheit zu begraben".

Doch viele Regime-Opfer wie Bou Meng wollten nicht vergessen. Die Roten Khmer haben sein Leben zerstört: "Sie haben meine Frau ermordet. Meine Kinder habe ich nie wiedergesehen. Mich haben sie monatelang jeden Tag mit Eisenstangen geschlagen und mit Elektroschocks gefoltert". Er wisse bis heute nicht, warum er überhaupt ins berühmt berüchtigte Foltergefängnis "S-21" in Phnom Penh kam, in dem bis zu 17 000 Menschen zu Tode gequält wurden.

Nur sieben Gefangene überlebten. Einer von ihnen ist Bou Meng. "Die Kunst rettete mich. Die Roten Khmer ließen mich nur leben, weil ich Porträts von Pol Pot, Mao und Lenin malen konnte", erklärt der Künstler beim Besuch des ehemaligen Foltergefängnisses, dem heutigen Tuol-Sleng-Genozid-Museum. "Wenn die Bilder nicht lebensecht sind, stirbst Du", warnten sie ihn immer wieder.
Meng erzählte nicht nur dem Völkermordtribunal von den Gräueltaten der Khmer. Seit Beginn der Prozesse malt er auch die Schreckensszenen von damals: Folterszenen, die Killing Fields vor der Stadt, auf denen angebliche Regimefeinde zu Zigtausenden mit Schaufeln und Äxten erschlagen wurden, um Munition zu sparen. Kleinkinder, die einfach so lange gegen einen Baum geschlagen wurden, bis sie nicht mehr schrien. "Ich wollte meine Erlebnisse von damals malen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Meine Bilder sind eine Art Vergangenheitsbewältigung, die in meinem Land bisher noch nicht stattgefunden hat", sagt Meng mit sanfter Stimme.