Management - Versicherungen

Bilder von Pablo Picasso sind wie Blue-Chips: reine Spekulationsmasse

Der Boom am Kunstmarkt bringt die Museen in Deutschland zunehmend unter Druck: Weltweit spielen Werke prominenter Künstler Rekordpreise bei Auktionen ein, das lässt auch Transportkosten und Versicherungsprämien in die Höhe schnellen, wenn Gemälde und Skulpturen für Ausstellungen auf Reisen gehen.
Museen klagen:Transportkosten und Versicherungen immer teurer

Mark Rothko, "Porträt", 1939: Auf rund eine Milliarde Euro wird allein die Versicherungssumme der Retrospektive des amerikanischen Malers Mark Rothko geschätzt

Zusätzlich verschärft hat sich die Situation durch die Serie spektakulärer Kunstdiebstähle der vergangenen Monate, vor allem in der Schweiz. Nicht nur öffentliche Häuser klagen darüber, dass ihre Budgets für Sonderschauen kaum noch ausreichen. "Wir sind auf Sponsoren angewiesen. Ohne sie könnten wir gar keine Ausstellungen mehr organisieren", sagt die Sprecherin der Münchner Pinakotheken, Tine Nehler.

Auf rund eine Milliarde Euro wird allein die Versicherungssumme der Retrospektive mit 115 Exponaten des amerikanischen Malers Mark Rothko geschätzt, die noch bis 27. April in der Münchner Hypo-Kunsthalle zu sehen ist. Dass die Schau, die mittlerweile mehr als 100 000 Besucher angezogen hat, zustande kommen würde, sei bei der
Vorbereitung keinesfalls immer klar gewesen, sagt die Leiterin des Hauses, Christiane Lange. "Das war ein Projekt, wo wir zwischendurch gesagt haben: Das bricht uns das Genick." Vor rund einem Jahr war ein Werk Rothkos bei Sotheby's in New York für 72,8 Millionen Dollar versteigert worden und so in die Liste der zehn teuersten Gemälde der
Welt aufgerückt. Als Reaktion hätten Leihgeber prompt einige ihrer Exponate für die Münchner Ausstellung zurückgezogen, sagt Lange. "Die tauchten dann in den Herbst-Auktionen wieder auf."

Die Überhitzung des Marktes erklären sich die Experten auch mit den derzeit unsicheren Börsen-Zeiten: Während die Finanzkrise so manche Aktie auf steile Talfahrt schicke, gelte Kunst vielen vermögenden Kunden als sichere Wertanlage. "Bilder von Künstlern wie Pablo Picasso, Mark Rothko oder Andy Warhol sind heute wie Blue-Chips", sagt Lange. Die Motive spielten dabei für die Käufer oft nur eine untergeordnete Rolle: "Das ist eine reine Spekulationsmasse."

Die Kunstversicherer wissen, dass das Probleme für die Museen mit sich bringt. Doch angesichts der explodierenden Preise müsse die Branche auf höhere Prämien dringen, sagt Georg von Gumppenberg, der bei Europas größtem Versicherer Allianz für die Kunstsparte zuständig ist. Auf 40 bis 50 Millionen Euro schätzt er das jährliche Prämienvolumen der Branche in Deutschland für Kunstschätze, die in Privatbesitz sind. Neben der Allianz gehören die Axa und der britische Spezialversicherer Hiscox zu den größten Anbietern.

Je wertvoller die Werke, desto höher die Auflagen beim Transport

Auch die Kunstdiebstähle der vergangenen Monate in der Schweiz zeigten, dass die Risiken rapide zunähmen, sagt von Gumppenberg. "Offensichtlich gibt es eine Täterschaft, die vor nichts zurückschreckt. Das hat eine neue Dimension bekommen." Mit Museen und privaten Sammlungen sei man daher ständig im Gespräch über ihre Sicherheitsstandards.

Für den Kunstbetrieb bringt der Boom derweil auch handfeste logistische Probleme mit sich. Denn je wertvoller die Werke, desto höher die Auflagen beim Transport. Besonders kostspielige Exponate beispielsweise dürfen nicht mit anderen im gleichen Lastwagen befördert werden, um den Schaden bei Unfällen oder Diebstählen in Grenzen zu halten, sagt Lange. Wenn gleich eine ganze Lkw-Armada gechartert werden müsse, um nur eine Ausstellung zu bestücken, gerieten aber auch privat geförderte Häuser wie die Hypo-Kunsthalle an ihre Grenzen. "Nur weil wir zur Hypo-Kulturstiftung gehören, haben wir ja keine Lizenz zum Gelddrucken."

Noch enger sieht es aber für öffentliche Häuser aus. Die Max-Beckmann-Schau, die bis Ende Januar in der Münchner Pinakothek der Moderne lief, bedeutete einen Kraftakt, den sich das Museum nicht jedes Jahr leisten könne, sagt Sprecherin Nehler. Einen Museumsbetrieb ganz ohne temporäre Ausstellungen kann sie sich aber auch angesichts des großen Publikumsinteresses nicht vorstellen. Schließlich stünden die Häuser in einem zunehmenden Wettbewerb miteinander und müssten die wichtigsten Strömungen in der Kunstwelt aufgreifen. "Ein Museum muss lebendig sein, wir brauchen die Besucherzahlen."