Damien Hirst - Schädel verkauft

Superpreis für Hirst-Werk

Eine anonyme Investorengruppe brachte 50 Millionen Pfund auf, um den mit 8601 Diamanten besetzten Totenschädel von Damien Hirst zu kaufen. Anonym bis auf einen Investor: den Künstler selbst. Und der hat sich nun ein zweites Standbein zugelegt – Hirst ist in die Modebranche eingestiegen

“Wer wagt, gewinnt.” Das Sprichwort gilt auch auf dem Kunstmarkt. 50 Millionen Pfund (74 Millionen Euro) verlangte Damien Hirst für seine Arbeit “For the Love of God” (2007). Und genau diesen Preis erzielte er. Eine Investmentgruppe, so teilte seine Londoner Galerie White Cube mit, legte die Millionen für das Kunstwerk auf den Tisch. Der in Platin gegossene Totenschädel eines 35-jährigen Mannes aus dem 18. Jahrhundert ist mit 8601 Diamanten besetzt. Seine Herstellung bei einem Londoner Juwelier kostete angeblich 14 Millionen Pfund.

“Die Investorengruppe will das Werk in den nächsten Jahren verkaufen”, kündigte White-Cube-Sprecherin Sara Macdonald an. Wie der Branchendienst Bloomberg vermeldet, habe Macdonald per E-Mail erläutert, ein zeitlicher Rahmen für den Weiterverkauf existiere noch nicht, auch die zu erwartende Summe sei nicht bekannt. Die Identität der Investorengruppe verriet sie nicht, weil diese um Anonymität gebeten haben soll.

Aus gutem Grund: Ein Investor wurde rasch aktenkundig – es ist Damien Hirst selbst. Macdonald musste zugeben, dass Hirst einen Anteil zu der Kaufsumme beigesteuert hatte. Jetzt werden die Käufer ihren teuren Besitz erst einmal auf Museumstour durch die Welt schicken und damit den Wert wahrscheinlich nicht unwesentlich steigern. Auf die Frage, ob auch White Cube an der Investorengruppe beteiligt sei, sagte Sara Macdonald die alles und nichts sagende Antwort: “Nicht, dass ich wüsste.”

Als Hirsts Schädel im Juni bei White Cube ausgestellt worden war, löste er eine Kontroverse aus, nicht zuletzt wegen des Preises. Einige Kritiker fanden das Werk geschmacklos, andere sahen in ihm ein Zeugnis für unsere materialistische Kultur.

Damien Hirst kann von seiner Kunst leben. Er wird von Bloomberg als "wealthiest artist", als "vermögendster Künstler" gehandelt. Dennoch wird er sich gedacht haben, dass ein zweites Standbein nicht schaden kann – und ist in die Modebranche eingestiegen. Für den Jeans-Hersteller Levi Strauss & Co entwarf er eine Kollektion fürs Frühjahr 2008, die er "Warhol Factory X Levi's X Damien Hirst"-Collection nennt. Einige dieser Hosen sind mit Schädelmotiven dekoriert, dieses Mal allerdings nicht aus echten Diamanten, sondern aus Swarowsky-Kristallen. Diese Modelle kosten immerhin auch stolze 4000 Dollar (knapp 3000 Euro) und sind die teuersten Stücke.

Andere Modelle sind mit Motiven des ebenfalls für seine Geschäftstüchigkeit bekannten Andy Warhol verziert. Am 8. September werden die kostbaren Beinkleider in der Gagosian Gallery im Rahmen der New Yorker Fashion Week der staunenden Öffentlichkeit präsentiert.