Michael Jackson - Auktion

Kunst, Kitsch, Kritzeleien

In Beverley Hills werden ab dem 22. April Ausstattungsgegenstände der "Neverland"-Ranch versteigert. Ist dies das Ende von Michael Jacksons Karriere oder Zeichen für einen Neubeginn?
Das Ende eines Popkönigs?:Jackson-Auktion in Beverly Hills

Das Cover des Auktionskatalogs

Wer sich fragt, wie tief der Stern des "King of Pop" gesunken ist, bekam diese Woche im Keller des muffigen Hard Rock Cafe am New Yorker Times Square eine Ahnung. Julien's, das in Hollywood ansässige Auktionshaus der Stars, hätte sich kaum einen weniger glamourösen Ort aussuchen können, um die Kronjuwelen der im April anstehenden Auktion von Michael Jacksons Hausstand zu bewerben. Ausgestellt wurden Michaels Glitzerhosen, seine berühmten Handschuhe und Uniformjäckchen sowie die rote Königsrobe des "King of Bling", wie ihn Martin Nolan, einer der beiden Partner des Auktionshauses, so passend nannte.

Es war eine traurige Veranstaltung. Nolan half nicht gerade, die Stimmung zu verbessern, indem er versicherte, dass Jackson in einer Riege mit Legenden wie Marilyn Monroe und Elvis zu sehen sei. Also alles unglückliche Figuren, die ein tragisches Ende fanden. Es wirkte, als ob das Julien’s-Team in Jacksons "Neverland"-Ranch in Kalifornien alles zusammengerafft hatte, was sich vielleicht irgendwie zu Geld machen lässt: Von Tellern zu Nippes-Figuren, Flippermaschinen, Reiterpferdchen, Videospielen, Actionfiguren und anderem Plunder wie einem übergroßen Schweizer Taschenmesser. Jackos goldener Thron aus offenbar besseren Zeiten wird unter den Hammer kommen, die gewaltigen Tore zu "Neverland" sind mit einem Einstiegspreis von 20 000 Dollar ebenso zu haben wie Gartenmöbel, triefend kitschige Gemälde und Figuren von überwiegend amerikanischen Künstlern wie Ramon Parmenter, Gary Price oder Mark Hopkins. Auch zahlreiche Musikpreise (darunter eine Auszeichnung der deutschen Teenagerzeitschrift "Bravo") scheinen dem Popstar nicht am Herzen zu liegen. Sogar vor Kritzeleien, die Jackson mit dem Kinderstar Macaulay Culkin malte (ab 600 Dollar), machten die Auktionatoren nicht halt. Das teuerste Stück ist eine Bronzestatue der aus Texas stammenden Künstlerin Glenna Goodacre (Schätzpreis ab 150 000 Dollar).

Insgesamt werden mehr als 2000 Stücke verscherbelt. Jackson soll dem als verwahrlos geltenden "Neverland" bereits 2005 den Rücken gekehrt haben, nachdem er von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs an Kindern freigesprochen worden war. Inzwischen hat der "King of Pop" versucht, die Versteigerung einiger Devotionalien mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen. Dinge wie drei Rolls Royce (für seine Kinder) oder den signierten Basketball von Michael Jordan (ab 8000 Dollar) will er nun doch lieber behalten. Darren Julien, Chef des Auktionshauses, behauptet sogar, von Jacksons Leuten bedroht worden zu sein, wenn er die Versteigerung nicht verschieben würde.

Erstaunlicherweise läuft dennoch alles nach Plan: Die PR-Maschine ist in vollem Gange. Jackson kündigte Konzertauftritte in London an, als ob er beweisen wollte, dass er noch bei Sinnen ist. Der fünfbändige Katalog (Preis 100 Dollar) gilt angeblich jetzt schon als Sammlerstück. Was bei der Anhäufung von Geschmacklosigkeiten schwer vorstellbar ist. Natürlich denkt man beim Durchblättern unweigerlich an Jacksons umstrittene Kinderliebe. Wie im Gruselkabinett stellen Bilder und Figuren unschuldige Jungs oder Kinder beim Ringelreihen dar. Mittendrin King Jackson als heilbringender Märchenonkel. Vier Tage (22. bis 25. April) soll der Auktionsmarathon dauern. Der Gesamtwert aller zum Verkauf stehenden Sachen wird auf zehn bis 20 Millionen Dollar geschätzt. Man wird sehen, ob die Aktion Jacksons Kassen füllen wird. Seit 2001 hat der bankrotte King ohne Königreich kein komplettes Konzert mehr gegeben.

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