Vintage-Mode - Neumeister

Retroschick für die Saftbar

Erstmals wagt sich das Auktionshaus Neumeister an die Versteigerung von Vintage-Mode. Die meisten Stücke stammen von einer Privatsammlerin aus Texas, die vor allem grafisch auffällige Designer-Modelle der Sixties und Seventies zusammengetragen hat. Nur per Internet lässt sich mitbieten.
Retroschick für die Saftbar:Neumeister versteigert Vintage-Mode

Yves Saint Laurent, Jacke, 1980er Jahre

Die New Yorkerin Lilly Pulitzer muss in jungen Jahren ein mitreißendes Geschäftstemperament besessen haben. In Palm Beach, wohin die frisch Angetraute des Enkels von Pulitzer-Preisstifter Joseph Pulitzer gezogen war, eröffnete sie 1960 quasi als Pionierin eine Saftbar. Die Früchte kamen praktischerweise von den familieneigenen Plantagen in Florida. Dumm nur, dass der Saft beim Auspressen so herumspritzte und unschöne Flecken auf den edlen Kleiderstoffen hinterließ. Erfinderisch veranlagt, wie sie offenbar war, entwarf Lilly Pilitzer zur Camouflage der Saftspritzer bedruckte Hemdblusenkleider aus Baumwolle in allen nur möglichen Zitrusfruchtfarben und Türkistönen.

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Strecken Teaser

Der weibliche amerikanische Jetset war begeistert. Nachdem auch noch Jackie Kennedy als Kundin anbiss, verkauften sich die "Lilly"-Kollektionen gerade in luxuriösen US-Urlaubsorten bis in die Siebziger Jahre wie Fruchtcocktails. Vier der floralen und marktschreierisch bunten Vintage-Kleider von Lilly Pulitzer bilden jetzt den Auftakt einer Ausstellung des Münchner Auktionshauses Neumeister. Keine Frage, mit einem Pulitzer-Modell sticht man auf jeder Sommerfrische als Retro-Leuchtfeuer hervor.

Neumeister begeht mit der zauberhaften Mode-Präsentation gleich eine doppelte Premiere. Es ist die erste Modeauktion überhaupt, zudem wurde noch nie eine "Silent Online-Auction" veranstaltet. Die Offerte umfasst Tageskleider, Abendroben, Cocktailkleider, Hosenanzüge aus den 1960er bis 80er Jahren. Bei Taxen von 100 bis 500 Euro kann man per Internet in 10-Euro-Schritten mitbieten. "Wir wollen um jüngere Kunden werben, sagt Courtenay Smith, zuständig für zeitgenössisches Design bei Neumeister. Der Coup könnte gelingen, traditionell spricht das Münchner Auktionshaus eher gediegene Sammlerkreise an. Die meisten Modelle stammen von einer modefanatischen Privatsammlerin aus Texas, die auch Vintagekleider von Mary McFadden und Mollie Parnis zusammengetragen hat.

Man merkt der locker im Raum gehängten und mit Frühlingsdekor ausstaffierten Präsentation an, dass es erst ein Versuchsballon ist. Noch fehlen wirklich glamouröse und hochpreisige Kollektionsstücke. Neben einem hübsch brav gegürteten Straßenkleid von Guy Laroche aus den Achtzigern gibt es auch labelloses Modedesign aus den USA. Ein der typischen A-Linie der Sechziger verpflichtetes Chiffon-Cocktailkleid von Toni Lynn könnte in seiner luftigen "Flyaway"-Stofflichkeit heute auch als Marc Jacobs durchgehen. Nach dem Möbeldesign kommt jetzt mehr und mehr auch die Vintage-Mode unter den Hammer. Ob die Nachfrage in diesem Sektor eher dem Sammlerobjekt an sich oder dem unverwechselbar elitären Kleidungsstück gilt, sei dahingestellt.

"Spring"

Termin: Präsentation im Showroom bis 20. April, Neumeister Auktionshaus, Gabelsbergerstraße 17, München
http://www.neumeister.com/