Frieze Art Fair - London

Altbewährt verkauft sich gut

Als sich am Mittwoch für die VIPs – also Sammler, Investoren und Kuratoren – die Tore der Frieze öffneten, blieb das übliche Gerangel aus. Niemand rannte, um als erster bei den Ständen die Kreditkarte zücken zu können. Man schlenderte von Stand zu Stand, ließ sich Zeit, Entscheidungen zu treffen. "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" schien das Motto zu sein – der Markt war keineswegs, wie befürchtet, zusammengebrochen, wohl aber etwas angeschlagen. Da will man in Ruhe abwägen.

Und doch wurde fleißig gehandelt. Vor allem das obere Ende des Marktes schien gut zu gehen. Ein anonymes Museum reservierte bei Marian Goodman aus New York eine Arbeit von Gerhard Richter, Preis: 1,5 Millionen Pfund, eine Plastik des Japaners Takashi Murakami erzielte bei Emmanuel Perrotin aus Paris 900 000 Dollar, und Londons Annely Juda Galerie verkaufte ein Gemälde von David Hockney für 580 000 Pfund.

Schwieriger schien es am unteren Ende zu sein, wie Glen Scott Wright von Victoria Miro beobachtete: "Die Leute wollen nichts, was riskant ist." Auf einige Stände schien das allerdings nicht zuzutreffen, wie auf Max Wigram aus London, der zwei in goldenen Käfigen eingesperrte Hirtenstare des Dänen FOS für 20 000 Pfund verkaufte, oder auf die Londonerin Pilar Corrias, die großformatige Zeichnungen von Charles Avery für 8 000 Pfund sowie eine seiner Skulpturen für 75 000 Pfund feilbot und alles am Eröffnungstag los wurde, inklusive der Werke, die sie in ihrer Galerie in der Eastcastle Street ausstellte.

Für François Chantala von der Londoner Galerie Thomas Dane war eines klar: "Die Leute fahren auf das ab, was sie kennen." Die angesehene Galerie kann sich daher nicht beklagen, denn sie handelt mit bekannten Namen. Neben einer Neonarbeit von Glen Ligon, die für 200 000 Dollar an eine Stiftung ging, verkaufte sie die gesamte Ausstellung in ihrer rechtzeitig für die Frieze-Woche eröffneten neuen Dependance mit Gemälden von Albert Oehlen. Die Preise lagen zwischen 175 000 und 250 000 Euro. Dass der deutsche Maler sich entschlossen hat, zu Gagosian zu wechseln, wo er wohl noch mehr internationales Interesse erwarten kann, ficht Thomas Dane nicht an. "Wir werden weiter Freunde bleiben", sagt er.

Zähnjäriges Jubiläum mit "Frieze Masters"

Dass es sich lohnt, von einem der Marktführer vertreten zu werden, zeigte sich bei dem britischen Jungstar Thomas Houseago. Hauser & Wirth aus Zürich und London nahmen den Plastiker unter ihre Fittiche und verkauften die im Skulpturenpark der Messe ausgestellte Bronzeskulptur "Hermaphrodite" für 425 000 Dollar. Außerdem verkaufte die Großgalerie Arbeiten von Anri Sala, der gerade in der Serpentine Gallery ausstellt, Gemälde von Wilhelm Sasnal, dessen Schau in der Whitechapel Gallery hoch gelobt wurde, sowie Arbeiten von Pipolotti Rist, deren Videos gerade in der Hayward Gallery zu sehen sind. Erneut also allgemein anerkannte Kunst.

Auch die Organisatoren der Frieze können also zufrieden sein, der Verkauf von Kunst geht trotz Finanzkrise munter weiter. Sie brauchen diese Sicherheit auch dringend, denn sie haben Riskantes vor: Im Mai nächsten Jahres werden sie eine Messe in der Höhle des Löwen, in New York, eröffnen, und wenn das Kunstvolk im nächsten Oktober für die nächste Frieze Art Fair wieder in London anreist, wird es zum ersten Mal auch ältere Kunst kaufen können – Frieze Masters wird sowohl Altmeister als auch Künstler der Klassischen Moderne feilbieten.

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