Damien Hirst - Sotheby's

Hirst übertrifft alle Erwartungen

Die Stimmung im Auktionshaus Sotheby's in London war zum Zerreißen gespannt. Doch Damien Hirst, der umstrittene britische Künstler, ging als Sieger eines noch nie dagewesenen Experiments hervor.
Hirst übertrifft alle Erwartungen:Damien Hirst ist Sieger des Kunst-Experiments

Rekorde, Rekorde, Rekorde: Die Auktion von Damien Hirst erbrachte das zweithöchste Resultat, das jemals in einer Londoner Auktion mit zeitgenössischer Kunst umgesetzt wurde

Mit seinen Werken erreichte Damien Hirst am Montagabend allein am ersten von zwei Versteigerungstagen 70,5 Millionen Pfund (fast 90 Millionen Euro) und übertraf die Erwartungen. Damit stellte der 43-Jährige nicht nur einen Rekord für eine Auktion auf, die nur einem Künstler gewidmet war. Er wagte auch ein absolutes Novum in der Branche, indem er seine 223 neuen Werke direkt über ein Auktionshaus auf den Markt brachte.

Sotheby's hatte für die zwei Tage lange Versteigerung insgesamt "nur" 65 Millionen Pfund erwartet. Hirst erteilte mit dem Erfolg Spekulationen über seinen angeblich sinkenden Marktwert eine Absage. Als Highlight wurde ein teilweise vergoldeter, eingelegter Bulle am Montagabend für 10,3 Millionen Pfund versteigert. Damit übertraf "The Golden Calf" zwar nicht den obersten Schätzpreis von 12 Millionen Pfund. Doch ein in Formaldehyd eingelegter Hai ("The Kingdom") erreichte mit 9,5 Millionen Pfund fast das Doppelte des erwarteten Preises.

"Fragments Of Paradise", ein Werk aus Edelstahl, Glas und Diamanten, wechselte für 5,2 Millionen den Besitzer und übertraf den Schätzpreis um mehr als das Dreifache. Ein weiteres eingelegtes Tier, ein schwarzes Schaf mit einem goldenen Horn, erreichte am Montag 2,6 Millionen Pfund und lag damit innerhalb des Schätzwertes. Nur wenige Werke gingen unter dem Schätzpreis weg.

"Ich liebe Kunst – und bin nicht alleine"

"Der Kunstmarkt ist größer, als irgendjemand weiß. Ich liebe Kunst und das beweist, dass ich nicht alleine bin. Die Zukunft sieht für alle gut aus", sagte Hirst, der sowieso schon als der reichste lebende Künstler Großbritanniens gilt. Die Auktion namens "Beautiful Inside My Head Forever" wurde mit großer Spannung beobachtet, da ein Künstler das erste Mal eine so große Sammlungen nicht über eine Galerie oder einen Händler verkauft, sondern ein Auktionshaus dafür nutzt und somit die "Gebühren" für die Zwischenhändler spart.

"Es war ein außergewöhnlicher Verkauf und eine einzigartige Veranstaltung", ließ Sotheby's mitteilen. Die Ausstellung, an der Heerscharen an Mitarbeitern beteiligt waren, sowie die Auktion hätten ein noch nie dagewesenes Interesse hervorgerufen. Mehr als 21 000 Menschen hätten sich die Ausstellung angesehen. Der Auktionator Oliver Barker sagte: "Der 100-Prozent-Verkauf an einem Tag, an dem eine große US-Investmentbank Insolvenz anmeldete, bezeugt die Stärke Hirsts auf dem Kunstmarkt."

Kunstwerke wie am Fließband

Der 43 Jahre alte Hirst machte unter anderem schon mit einem mit Diamanten besetzten Totenschädel für 50 Millionen Pfund Schlagzeilen. Der Künstler, der in armen Verhältnissen in der Arbeiterstadt Leeds auswuchs, wurde in den neunziger Jahren mit Schock-Schauen der so genannten Young British Artists bekannt. Er steht auch in der Kritik, weil er fast 200 Mitarbeiter beschäftigt, die seine Kunstwerke wie am Fließband mitproduzieren.

Den Rekord bei einer Sotheby's-Auktion mit Werken von nur einem Künstler hielt nach Angaben des Auktionshauses bisher Pablo Picasso. Der Verkauf von 88 Werken erzielte demnach ihm Jahr 1993 einen Erlös von 32 Millionen Dollar (rund 22,5 Millionen Euro). Da Auktionen von Werken eines einzigen Künstlers aber ausgesprochen selten sind, ist
der Vergleichswert nach Expertenansicht nicht so aussagekräftig.

Annette Reuther, dpa

Mehr zum Thema im Internet