Kunstmesse - Rom

The Road to Contemporary Art

In Rom ging am Sonntag die Kunstmesse "The Road To Contemporary Art" erfolgreich zu Ende. In vier Tagen kamen mehr als 50 000 Besucher. Viele von ihnen waren wohl auch angelockt durch die Eröffnung des Nationalmuseums für zeitgenössische Kunst, dem MAXXI.
Erfolgreiche Kunstmesse in Rom:Kunstmesse in Rom

Blick in den ehemaligen Schlachthof, jetzt Ausstellungsort der Kunstmesse

Messeleiter Roberto Casiraghi konnte jedenfalls aufatmen. Vor drei Jahren hatte er sich in das römische Abenteuer gestürzt, nachdem er vorher schon die Turiner "Artissima" gegründet hatte. Als Schauplatz dienten in den vergangenen Jahren nicht die üblichen Messestände, sondern historische Bauten im Zentrum.

Diesmal stellte die Stadt 8000 Quadratmeter Aussstellungsfläche im restaurierten ehemaligen Schlachthof, dem "Mattatoio" am Testaccio, zur Verfügung. Unter den 67 Teilnehmern waren namhafte Galerien wie Massimo De Carlo, Continua, Franco Noero, Lorcan O’Neill, Oredaria, Lia Rumma und Sperone Westwater.

Die Turiner Galerie Franco Noero verkaufte schon am zweiten Tag ein mehrteiliges Werk von Rob Pruitt für 40 000 Euro. Bei Sperone Westwater konnte man einen Film sehen, den Gerry Schum 1969 für seine "Fernsehgalerie" gedreht hat. Der italienische Künstler Gino De Dominicis wirft Steine ins Wasser, und versucht, Quadrate statt Kreise zu erzeugen. (Das Museum MAXXI widmet Gino De Dominicis die Eröffnungsausstellung.) Was kostet der Film? Der Avantgarde-Galerist Gian Enzo Sperone nannte keinen Preis und sagte: "Eigentlich würde ich den Film lieber behalten." Lia Rumma bot einen 3 mal 4 Meter großen Wandteppich von William Kentridge für rund 140 000 Euro an. Die Berliner Galerie Opdahl brachte eine Komposition mit einem Berliner Pflasterstein von Jimmie Durham aus dem Jahr 1998 mit. Preis 30 000 Euro. Die Leiterin der Galerie, Valeria Schulte-Fischedick, war froh über die vielen guten Kontakte, die sie in Rom aufnehmen konnte.

Keiner leugnet die Krise

Es wurden Führungen durch die Messe angeboten, für die sich auch der kommunistische Politiker und ehemalige Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, Fausto Bertinotti, bereiterklärt hatte. Er verblüffte durch profunde Kenntnis und erfrischend eigenwillige Interpretation. Im Messestand der römischen Galerie Oredaria stellte er lange Betrachtungen über ein Diptychon von Michelangelo Pistoletto an. Eine Stunde später war das Werk für 400 000 Euro verkauft und kurz darauf auch ein Acrylbild des römischen Malers Marco Tirelli für 40 000 Euro.
Die Messehallen im "Mattatoio" waren bis Mitternacht geöffnet. Es gab warme Sommernächte mit Vollmond, Musik und Tischen im Freien, an denen unter dem Titel "Eat with art" Kochkünste angeboten wurden. Ob die schöne Atmosphäre auch das Geschäft stimuliert hat, wissen wir nicht. Natürlich lebt die römische Messe nicht von Börsenspekulanten, sondern von einer langen Reihe von Sammlern. Langsam kommt dieses in Italien so scheue Völkchen ans Licht.

Der Kunstkritiker Achille Bonito Oliva stellte fünf italienische Sammler und ihre Schätze in einer Ausstellung im mittelalterlichen Spital Santo Spirito vor. Es gab selten gezeigte Werke von John Bock, Monika Sosnowska und Jimmie Durham zu sehen. In den letzten Jahren wurden in Rom eine Reihe von Kunststiftungen wie Pastificio, Volume!, Depart und Nomas gegründet. In diesen Tagen hat auch der römische Kunstsammler Giovanni Giuliani seine Sammlung in eine Stiftung überführt und in der Nähe des Mattatoio 500 Quadratmeter Ausstellungsraum erworben.
Der Quadratmeter Ausstellungsfläche kostete auf der römischen Messe 250 Euro, 40 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. 500 000 Euro konnte der überaus aktive Kulturdezernent Umberto Croppi der römischen Gemeinde und der italienischen Handelskammer entlocken. "Italien muss endlich anfangen, die Kultur als einen Wirtschaftsfaktor zu begreifen", sagt der Professor für Kulturwirtschaft, Pier Luigi Sacco. In einer Krisensituation müsse verstärkt in Kultur investiert werden. Keiner leugnet die Krise. Kein Galerist redete sie schön. Man erträgt sie in Rom einfach besser.

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