Affordable Art Fair - Hamburg

Art-Rookies statt Kunst-Jetset

Anstelle von millionenschweren Kunstinvestoren nimmt sie Kunstliebhaber oder solche, die es werden wollen, ins Visier: die Affordable Art Fair. Die 1999 in London gegründete und inzwischen in weltweiten Metropolen erprobte Kunstmesse hat ihren Weg nach Deutschland gefunden. In den Hamburger Messehallen soll die erschwingliche Kunst an einem verlängerten Wochenende an den Käufer gebracht werden.

Über die Idee, eine Kunstmesse als hippe Discount-Plattform zu präsentieren, würden manche erfahrene Kunstsammler nur den Kopf schütteln. Für den Londoner Galeristen Will Ramsay hat sich dieses Konzept seit mehr als zehn Jahren bewährt.

Angetrieben von seinem Verdacht, dass Kunstmessen generell unter einer "Verstaubung" und "Versteifung" leiden, hat er eine Marke geschaffen, die den Kunstkauf für jedermann attraktiv macht. Mit einem Höchstpreis von 5000 Euro für alle Werke, will die Affordable Art Fair besonders die unkundigen, weniger vermögenden Kunstinteressierten anlocken und dem Image von Kunstkauf als reine Wertanlage entgegenwirken.

Für den deutschen Ableger der Affordable Art Fair hatte Will Ramsey eigentlich Berlin oder Köln als Standort vorgeschlagen, doch Messedirektor Oliver Lähndorf konnte ihn von Hamburg überzeugen; der Stadt, die seit mehr als 20 Jahren keine größere Kunstmesse mehr beherbergt hat. Die 2000 Besucher am Eröffnungsabend zeigen jedenfalls, dass Lähndorf einen Nerv getroffen hat. H.P. Baxxter, Frontman der Techno-Gruppe Scooter und Dennis Aogo, Fußballer beim HSV tummeln sich unter den Gästen und zeigen medienwirksam ihr Interesse für die "erschwingliche Kunst". Auch Hamburgs Kunstbetrieb kam zum Gucken: Hubertus Gaßner, Florian Waldvogel, Petra Röttig. 56 internationale Galerien dürfen sich vom 15. bis 18. November in den Hamburger Messehallen präsentieren. Einzige Voraussetzung: Sie müssen mindestens drei lebende Künstler vertreten.

Tatsächlich kann man bei einem Gang über die Messe feststellen, dass meist einer dieser lebenden Künstler am Stand anwesend ist. Auch das ist Teil des für jungfräuliche Kunstsammler erdachten Konzepts. Wie bereits den "Tipps für den Kunstkauf" auf der Veranstaltungs-Website entnommen werden kann, soll der Besucher den Künstlern und Galeristen so viele Fragen wie möglich stellen, um die Messe mit einem Gefühl, der Kunst deutlich näher gekommen zu sein, zu verlassen. Die meisten Galerien in der atmosphärisch kalten Messehalle überfordern den Besucher jedoch. Ihre extrem überladene Präsentation lädt nicht gerade zum Entdecken und Genießen von Kunst ein.

Der einzige Stand, der wie eine kuratierte Ausstellung wirkt, ist der der "Emerging artists". Faktisch ist es auch eine separate Ausstellung, die die Affordable Art Fair begleitet und ausschließlich jungen Hamburger Künstlern Raum bietet. Swen Kählert ist einer von ihnen. Seine abstrakten, richtungslosen Verlaufsarbeiten erklärt er gekonnt: "Es geht im Leben immer um den Lauf der Dinge". Gut möglich, dass die Werke des charismatischen Künstlers in ein paar Jahren schon ein Vielfaches mehr wert sind als heute. Darauf setzt auch Angela Holzhauer, die Kählerts Arbeiten auf dem Stand ihrer Galerie Holzhauer anbietet. Über ihre Teilnahme an der Affordable Art Fair musste die Hamburgerin lange nachdenken; so günstig sei die Anmeldegebühr nämlich nicht gewesen. Für die Künstler Gordon Hopkins und Jean-François Debognie ist die Kunstmesse mit der Höchstpreis-Begrenzung der ideale Ort um ihre kleineren, weniger kostspieligen Gemälde zu verkaufen. Debognie verrät, dass er bei einigen seiner Bilder im Vorfeld etwas mit dem Preis herunter gegangen ist, damit er sie mitbringen konnte. Messemanagerin Judith Waldmann beteuert dagegen, dass die Affordable Art Fair kein Platz für Kunst zu Dumpingpreisen sei.

Die Galeristin Elena Caranca weiß zumindest was sie will: "I want to sell it all" sagt die Spanierin, die zum ersten Mal an einer Kunstmesse teilnimmt. Caranca vertritt Künstler wie Sergio Belinchón, der in Spanien bereits einen großen Namen hat, oder Aaron Vidal, der in Hamburg lebt und arbeitet. Es waren ihre Künstler, die ihr dazu geraten haben, bei der Affordable Art Fair mitzumachen. Ein anderer nicht geringer Anteil der internationalen Galeristen nehmen bereits zum fünften oder sechsten Mal an einer Affordable Art Fair teil. Ob in Paris, Amsterdam oder Singapur – es hat sich anscheinend gelohnt. Der Galerist von Chiefs and Spirits aus Den Haag erklärt lässig, dass die Affordable Art Fair wie eine große Familie sei. Er weiß auch, dass man Geduld mitbringen muss. Eines der Bilder, die er letztes Jahr in Amsterdam dabei hatte, wurde vor kurzem erst bei ihm in der Galerie gekauft. Der Käufer hatte es auf der Affordable Art Fair entdeckt und mehr als ein Jahr für seine Entscheidung gebraucht. Wer keine Lust auf Geschichten dieser Art hat, kann bei Werken von Jonathan Meese, David Hockney und Arnulf Rainer am Stand der Galerie St. Gertrude oder vor den Fotografien von Roswitha Hecke der Galerie Georg Molitoris seine Ruhe finden.

Ob die Affordable Art Fair in Hamburg einen weiteren Heimathafen finden wird, wie viele Besucher sie haben wird und wie viel Kunst gekauft wird, wird sich erst zum Messeende herausstellen. Die Unterstützung aus London ist jedenfalls da. Will Ramsay hat dafür gesorgt, dass der deutsche Ableger der Kunstmesse für insgesamt drei Jahre in den Hamburger Messehallen stattfinden wird. Man kann nur hoffen, dass für nächstes Jahr andere Werbeplakate entworfen werden. Die diesjährigen sind einfach nur camp: ein mit pink verpackten, frisch gekauften Kunstwerken beladenes junges Paar turtelt am Elbstrand. Hinter ihnen die Hafenkräne und der Slogan: "Kunst, der man nicht widerstehen kann".

Affordable Art Fair

15. - 18. November
Messehallen Hamburg
http://affordableartfair.com/hamburg/