Rekordergebnisse - Sotheby's & Christie's

New York im Kaufrausch

Alle Erwartungen wurden übertroffen: Ein Rekord jagte den nächsten bei den diesjährigen New Yorker Herbstauktionen, Jeff Koons schubste Damien Hirst vom Thron und Christie's fuhr mit insgesamt 917 Millionen Dollar das beste Ergebnis seit Bestehen des Hauses ein

Jeff Koons Arbeiten waren die Maskottchen der Herbstkautionen von Post-War and Contemporary Art in New York. Christie's fuhr mit seinem gigantischem Klunker „Diamond (Blue)“ aus farbigem Edelstahl auf, der aus der Sammlung von Benedikt Taschen stammen soll. Sotheby's konterte mit „Hanging Heart (Magenta/Gold)“ aus der Sammlung des New Yorker Hedge-Fonds-Managers Adam Lindemann. In beiden Fällen schlug Koons Galerist Larry Gagosian zu und bescherte seinem Künstler einen Rekord nach dem anderen. Der blaue Diamant ging für 11,8 Millionen Dollar unter den Hammer. Sotheby's konnte einen Abend später mit seinem kitschigen Herzanhänger mit 23,5 Millionen Dollar den nächsten Rekord verbuchen. Damit hat Jeff Koons den Briten Damian Hirst, der bei Auktionen als teuerster lebender Künstler galt, vom Thron geschubst.

Insgesamt hatte der geschätzte Höchstwert für die zeitgenössischen Arbeiten, die diese Woche bei Christie's, Sotheby's und Phillips de Pury unter den Hammer kamen, bei 914 Millionen Dollar (625 Millionen Euro) gelegen. Eine Zahl, bei der selbst hartgesottene Kunstmarkt-Kenner kurz tief durchatmen mussten. Denn das Ganze überstieg den Wert der Arbeiten der diesjährigen Art Basel, immerhin die größte Kunstmesse der Welt, um das Doppelte, wie der Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg ermittelte. Doch pessimistischen Voraussagungen zum Trotz übertrafen die Auktionen alle Erwartungen. „Dies ist ein gesunder Markt“, verkündete Christie's Chefauktionator Christopher Burge. Einen weltweiten Hunger nach hoher Qualität, bestätigte sein Konkurrent Tobias Meyer von Sotheby's. Das Auktionshaus fuhr bei der abendlichen Versteigerung mit 315,9 Millionen Dollar das beste Ergebnis in der Firmengeschichte ein. Es gab 17 neue Rekorde, unter anderem für Sol LeWitt, Richard Serra, Ellsworth Kelly, Richard Chamberlain, Matthew Barney und die chinesischen Künstler Fang Lijun und Zhang Xiaogang. Grund zum Feiern hatte die Familie der deutschen Sammler Viktor und Marianne Langen. Ihr Stierkampf-Bild „Second Version of Study for Bullfight No. 1“ von Francis Bacon brachte 41 Millionen Dollar. Den Zuschlag erhielt der New Yorker Kunsthändler Phillipe Ségalot. Und auch der zweite Bacon aus der Sammlung, ein Selbstporträt von 1969, erzielte mit 29,5 Millionen Dollar ein beachtliches Ergebnis.

Christie's hatte am Abend zuvor 325 Millionen Dollar eingespielt. Insgesamt legte das Auktionshaus mit 937 Millionen Dollar an allen Verkaufstagen für Impressionisten, moderne, Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst einen Branchen-Rekord hin. Zu den insgesamt 16 Rekorden für Contemporary Art zählen sechs Millionen Dollar für eine von Richard Prince Krankenschwestern („Piney Woods Nurse“, 2002) und 19,3 Millionen Dollar für Lucian Freuds „Ib and her Husband“, das seine im Bett liegende schwangere Tochter und ihren Mann zeigt. Gerhard Richters frühes Werk „Düsenjäger“ (1963) schaffte mit 11,2 Millionen Dollar einen neuen Auktionsrekord. Mark Rothkos „Untitled (Red, Blue, Orange)“ von 1955, ebenfalls aus der Sammlung Langen, ging als teuerste Arbeit des Abends mit 34,2 Millionen Dollar unter den Hammer. Der Schauspieler Hugh Grant, der Warhols „Liz“ von 1963 vor sechs Jahren bei Sotheby's für 3,5 Millionen Dollar ersteigert hatte, dürfte mit einem Ergebnis von 23,5 Millionen Dollar zufrieden gewesen sein.

Während Händler und Sammler wie der Modedesigner Marc Jacobs bei beiden Auktionen bis zum Ende ausharrten, verließen die meisten Gäste die Mammut-Versteigerung bei Phillips de Pury vorzeitig. Ein später de Kooning („Untitled XVI” von 1982) brachte 5,2 Millionen Dollar. Der Händler Philippe Ségalot, der auf großer Shoppingtour war, verschaffte Rudolph Stingel seinen wohl verdienten Rekord. Seine Styropor-Arbeit mit Fußabdrücken brachte 1,9 Millionen Dollar. Die deutschen Vertreter wie Daniel Richter („Grünspan, fertig ist die Möhre“, 481.000 Dollar), Martin Eder („Masturbating Woman Surrounded by Bad Towels“, 157.000 Dollar) und Matthias Weischer („Untitled, 2003, 421.000 Dollar) schlugen sich zum Teil tapfer. Doch insgesamt wirkte es, als ob bei de Pury vieles unter den Hammer kam, das von den beiden Powerhäusern ausgemustert worden war.