Julian Schnabel - Auktion

Notnagel Picasso

Die finanzielle Lage von Julian Schnabel, dem Kunststar der achtziger Jahre, ist scheinbar weiterhin stark angespannt. Bei Christie's versteigert er jetzt das Frauenbildnis "Femme au Chapeau" von Picasso.

So manche sind der Meinung, dass so gut wie alles in Julian Schnabels Leben ein wenig großspurig daherkommt: seine kolossalen Bilder, seine Auftritte, der gewaltige pinkfarbene Palazzo, den er im New Yorker West Village bewohnt. Selbst die Schulden des Künstlers, der zu den dominierenden Kunststars der achtziger Jahre zählte, scheinen eine Nummer größer auszufallen. Deshalb lässt Julian Schnabel im Mai bei Christie’s einen Picasso aus seiner Sammlung versteigern.

Das Frauenbildnis "Femme au Chapeau", das Picasso 1971 im Alter von fast 89 Jahren gemalt hat, wird eine der Hauptattraktionen der Auktion. Es soll zwischen acht und zwölf Millionen Dollar bringen und ist, ganz in Schnabels Stil, ein ungewöhnlich großes Werk, das bis vor kurzem noch im Wohnzimmer der Familie im Palazzo Chupi hing und, so erklärt Christie’s, dem Künstler und gefeierten Regisseur über all die Jahre als Inspiration diente. Schnabel kaufte das Gemälde 1989 in Paris von Bernard Ruiz-Picasso, einem der Enkelsöhne des Meisters. Auf dem Bild scheint Picasso seine zweite Ehefrau und Muse Jacqueline Roque und sich selbst verewigt zu haben. Seit einer Ausstellung in Avignon 1973, die einen Monat nach dem Tod des Künstlers eröffnet hatte, ist es nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Picasso hatte damals die Arbeiten für die Ausstellung persönlich auserwählt.

"Mit dem Verkauf hat sich der Kredit erledigt"

Als die Gagosian Gallery das Werk für die Ausstellung "Picasso: Mosqueteros" mit späten Arbeiten des Künstlers anfragte, entschied sich Schnabel lieber dafür, es zu versteigern. Grund ist seine angespannte finanzielle Lage. Der Verkauf der Luxusapartments im Palazzo Chupi läuft wegen der Finanzkrise und Flaute am New Yorker Immobilienmarkt nicht wie geplant. Er habe viel Geld in den Bau des Hauses gesteckt und will nicht unter Druck stehen, verriet Schnabel der "New York Times". Beim Kunstleihhaus Art Capital Group hatte Schnabel 2006 einen Kredit von acht Millionen Dollar aufgenommen, um den Bau seines Palastes zu finanzieren. Um die Schulden abzuzahlen, nahm er einen weiteren Kredit bei einer Bank auf, bei dem er Werke aus seiner privaten Sammlung, darunter den Picasso, als Sicherheit einsetzte. "Mit dem Verkauf des Gemäldes hat sich der Kredit erledigt", so Schnabel. Art Capital Group hat der Künstler inzwischen verklagt, weil sie nach seiner Ansicht unangemessen hohe zusätzliche Gebühren erhoben haben.

Palazzo Chupi auf der 11th Street hatte Schnabel nicht nur als Atelier, Familienwohnsitz und gelegentliche Galerie für seinen Sohn Vito geplant, der sich als Kunsthändler versucht, sondern vor allem auch als Immobilieninvestment. Einige Details im Haus designte Schnabel selbst. Neben Blick auf den Hudson River bietet das Haus ein Schwimmbad, Sauna und Garagen. Vier von fünf Luxusapartments sollten verkauft werden. Eine ging an den Schauspieler Richard Gere, eine weitere wird von einem Investment-Banker bewohnt. Doch die beiden restlichen sind trotz drastischer Preisnachlässe nach wie vor auf dem Markt. Ein zweistöckiges Apartment wurde 2007 für 27 Millionen Dollar angeboten, inzwischen rutschte der Preis auf 19 Millionen. Beim Penthouse ging Schnabel bereits um zehn Millionen auf 22 Millionen Dollar runter. Die Geldsorgen scheinen ihn jedoch nicht weiter von der Arbeit abzuhalten. Schnabel dreht gerade seinen nächsten Film "Miral" über ein Waisenheim in Jerusalem.

"Impressionist and Modern Art Evening Sale"

Termine: Ausstellung 1. bis 6. Mai, Christie’s, 20 Rockefeller Plaza, New York. Auktion: 6. Mai
http://www.christies.com