Christie's - Kunstmarktkrise

Christie's in der Krise

Der Einbruch des Kunstmarktes fordert jetzt erste Opfer im Auktionsgeschäft: die beiden Häuser Christie's und Sotheby's haben massive Einsparungen verkündet.

Im Zuge "einer weltweiten Umstrukturierung des Unternehmens", schrieb Christie’s-Chef Ed Dolman in einer dem "Wall Street Journal" zugespielten E-Mail, "wird es einen erheblichen Stellenabbau geben." Außerdem sollen Verträge mit freien Mitarbeitern und Kunstexperten nicht verlängert werden. Wieviele seiner insgesamt 2100 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden, sagte Dolman jedoch nicht. Nach Auskunft von Alexandra Buxton, PR-Chefin für Europa, ist es "wegen des in Gang gesetzten Konsultationsprozesses nicht möglich, Zahlen zu nennen."

Dieser werde drei bis vier Monate dauern, also wohl erst Ende April abgeschlossen sein. Zusammen mit anderen Einsparungen soll versucht werden, so Dolman, "im Jahr 2009 wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben." Sämtliche Abteilungen sind von der Umstrukturierung betroffen, doch Yussi Pylkkanen, Präsident für Europa, schloss "eine Revision unseres Auktionskalenders für die wichtigsten Märkte" aus.

Und Sotheby’s kürzt die Gehaltsausgaben

Der Rivale Sotheby’s hatte schon Anfang Dezember verlauten lassen, die Gehaltsausgaben in diesem Jahr gegenüber 2008 um 7 Millionen Dollar kürzen zu wollen. Und nach Auskunft von ehemaligen Mitarbeitern, so berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg, mussten allein in den USA bisher schon 60 Angestellte dran glauben, darunter auch ein Experte für die Klassische Moderne, der 35 Jahre lang treue Dienste geleistet hatte.

Anders als Sotheby’s befindet sich Christie’s in privater Hand und braucht deshalb seine Finanzen nicht offenzulegen, muss also keine Zahlen nennen. Gerüchte, dass Christie’s-Eigner Francois Pinault, französischer Luxushersteller und Milliardär, mit dem Gedanken an einen Verkauf des Hauses spiele, wurden dementiert. Auch aus dem Haus Bonham’s hört man von Umstrukturierungsplänen, lediglich das auf zeitgenössische Kunst spezialisierte Haus Philips de Pury hüllt sich noch in Schweigen.

Bei den letzten Herbstauktionen in New York und London war klar geworden, dass auch der Auktionsmarkt unter der Finanzkrise erheblich gelitten hatte. Im ersten Halbjahr 2008 hatte Christie’s weltweit noch 3,1 Milliarden Dollar umgesetzt. Diese Zahl wird sich in der zweiten Hälfte aller Voraussicht nach halbieren. Bei den anderen Häusern sieht es nicht besser aus. Außerdem ließen sich die ins Uferlose gestiegenen Garantien für geschätzte Einlieferer einfach nicht mehr halten. Bei der New Yorker Novemberauktion blieb Christie’s auf zwölf Losen mit einem unteren Schätzwert von 48 Millionen Dollar sitzen. Diese und ähnliche finanziell schwer zu verkraftende Blamagen führten zu dem Beschluss des Auktionshauses, von nun an keine Lose mehr zu garantieren.

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