Elsa Schiaparelli - Auktion

Frontfrau der Avantgarde

Blusen mit Sternenbildern, Handschuhe mit Goldkrallen, eine Leuchte von Giacometti: Christie’s Paris versteigert am 23. Januar Couture-Kreationen, Möbel und dekorative Kunst der legendären Fashion-Ikone Elsa Schiaparelli.

Sie war eine Art Vivienne Westwood der 1930er-Jahre. Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, Malerin zu werden oder Mode zu entwerfen, entschied sich Elsa Schiaparelli nach ersten Veröffentlichungen in der Vogue (1927) für das Schneiderhandwerk – und ließ die Kunst in ihre Entwürfe einfließen.

Dabei sorgte sie nicht nur für Skandale, sondern mit dem Schiaparelli-typischen "shocking pink" auch für frische Farben auf dem Laufsteg. "Diese Italienierin", wie Coco Chanel ihre Rivalin despektierlich nannte, ließ Jacken mit Trompe-l’oeile Schleifen von Weißrussinnen in Paris stricken – obwohl Strickwaren bis dato nicht von vornehmen Damen getragen wurden. Inspiriert von ihren Surrealisten-Freunden Salvador Dalí, Man Ray und Jean Cocteau verzierte sie Oberteile mit ausgefallenen Motiven wie Körperteilen und Insekten. Mit Dalí entwickelte sie den "Shoe Hat" mit rotem Absatz, eine Käfer-Halskette und ein Jacket mit Kommodenschubladen als Taschen. Sie kreierte Lederhandschuhe mit goldenen Krallen und setzte als Erste farbige Reißverschlüsse ein. 1931 sorgte sie für einen Skandal, als die Tennisspielerin Lili de Alvarez bei den Wimbledon Championships in einem ihrer "Culottes", einem Shorts-ähnlichen Rock, den Platz betrat. Nicht zuletzt erfand "Schiap" den Catwalk, wie man ihn heute kennt, mit Musik, Kunstinterventionen und schmalen Modells.

Zierliche Dame mit Alabasterteint

Nun versteigert Christie’s am 23. Januar in Paris rund 180 Lose aus dem Nachlass der Modevisionärin. Zu den Highlights zählt eine blaue Bluse (25 000 bis 30 000 Euro) aus ihrer berühmten "Astrologie"-Kollektion, die François Lesage, Doyen der Broderiekunst, mit goldenen Sternen verzierte. Auch die perlenbestickten, rosa Boleros (12 000 bis 15 000 Euro), die sie passend zu ihrem Parfüm "Shocking Pink" schuf, sowie die historischen Braut-Kaftane aus Marokko und opulent dekorierten Tuniken aus Tunesien, wo sie sich in den dreißiger Jahren ein Haus gebaut hatte, gehören zu den Top-Losen.

Zum Aufruf kommen ebenfalls dekorative Objekte, Möbel und Skurilitäten, mit denen sich die zierliche Dame mit dem Alabasterteint in ihrem Apartment in der Rue de Berri, nahe den Champs-Élysées umgab, das sie mit dem Designer Jean-Michel Frank gestaltet hatte. Dort logierte die Anti-Minimalistin zwischen Leopardenfellen, barocken Möbeln und Louis XVI-Aubusson-Tapisserien. Mode-Illustrierte blätterte sie gern unter einer bronzenen Leuchte mit Frauenkopf, die Alberto Giacometti 1936 schuf (60 000 bis 80 000 Euro) oder auf einem rosa "Love seat"-Sofa (nur 600 bis 800 Euro). Preislich dazwischen liegen Porträts von Man Ray, die auch ihre Memoiren "Shocking Life" illustrieren (10 000 bis 15 000 Euro). Kurios ist das Gipsmodell des Körpers von Mae West. Die US-Schauspielerin schickte es Schiap, damit sie ihr, genau wie Marlene Dietrich, Kleider auf den – ziemlich drallen – Leib schneiderte (700 bis 1000 Euro).

Vorreiterin für die emanzipierte Frau

Die Einzigartigkeit der Modeschöpferin, die über 100 Hollywood-Filme ausgestattet hatte, würdigte das New Yorker Metropolitain Museum bereits 2012 mit der Schau "Schiaparelli & Prada: Impossible Conversations". "Sie arbeitete gleichberechtigt mit Künstlern zusammen, inspirierte und wurde inspiriert. Deshalb ist ihre Mode direkt vom Zeitgeist geprägt", erklärt Patricia Frost, Modeexpertin bei Christie’s. "Außerdem war sie mit ihren sportlichen Entwürfen, die ihr sehr wichtig waren, Vorreiterin für die emanzipierte Frau, da die Kleidung viel Bewegungsfreiheit erlaubte."

Ihre Enkelin Marisa Schiaparelli Berenson (Top-Model der siebziger Jahre und Schauspielerin unter anderem in Viscontis "Tod in Venedig" und Bob Fosses "Cabaret") trennt sich nun von den Schätzen ihrer extravaganten Großmutter, die ihr Unternehmen 1954 schloss und 1973 mit 83 Jahren starb. "Ihre Kreationen sollen jetzt jüngere Generationen inspirieren und ihnen die Welt, in der sie damals lebte, näher bringen", so Berenson.

Der Auktionstermin mitten in der Pariser Haut-Couture-Woche ist bewusst gewählt. Ein glücklicher Zufall jedoch ist, dass der italienische Modepatron Diego Della Valle die Marke Schiaparelli kurz zuvor mit einer von Marco Zanini (Rochas) entworfenen Couture und Ready-to-wear-Kollektion wiederbelebte. Die entstand am Place Vendôme – in dem Gebäude in dem Elsa Schiaparelli ihr erstes Atelier eröffnet hatte.

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