Herbstauktionen - London

Alles besser als erwartet

2,48 Millionen Euro für Kippenbergers "Paris Bar" und ein Rekord für den Leipziger Maler Neo Rauch – die Ergebnisse der Herbstauktionen in London.
Alles besser als erwartet:Die Ergebnisse der Herbstauktionen in London

Das Toplos des Abends bei Christie’s: Martin Kippenberger (1953-1997), "Paris Bar", 1991

Es war fast wie in alten Zeiten: Sechs Bieter, drei von ihnen im Auktionssaal und mit großen Namen auf dem Kunstmarkt, lieferten sich ein erbittertes Gefecht – die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz, die beiden New Yorker Händler Tony Shafrazi und Jeffrey Deitch sowie drei Bieter am Telefon.

Ihre Beute: das Toplos des Abends bei Christie’s, "Paris Bar" (1991) von Martin Kippenberger. Der Schätzwert von 800 000 bis 1,2 Millionen Pfund hatte sich fast verdoppelt, als das Schlüsselwerk des deutschen Künstlers schließlich für 2,48 Millionen Euro einem der Telefonbieter zugeschlagen wurde.

Anhaltender Beifall, der noch einmal ausbrach, als Deitch dann mit "Kellner des…" (1991) einen zweiten Kippenberger an Land ziehen konnte, für 1,1 Millionen Pfund, mehr als das Doppelte des Schätzpreises. Und der Einlieferer beider Werke? Erstaunlicherweise Londons Supersammler Charles Saatchi, der ja eigentlich mit dem Konkurrenten Phillips de Pury ein Abkommen hat: Das Auktionshaus zahlt dafür, dass sein Privatmuseum keinen Eintritt kostet. Aber doch wohl keinen Exklusivvertrag.

Ein Rekord für Neo Rauch

Dass sich der Markt noch immer nicht ganz erholt hat, zeigte Kippenbergers Abschneiden bei Phillips de Pury: Auf drei von vier Arbeiten des 1997 verstorbenen Künstlers aus der Sammlung seiner früheren österreichischen Galeristin Gabriella Bleich-Rossi blieb das Auktionshaus sitzen. Lediglich "Big Until Great Hunger" (1984) ging für 433 000 Pfund an einen New Yorker Händler.

Im allgemeinen jedoch verlief alles bessser als erwartet, obwohl die Auktionatoren darüber klagten, wie schwer es sei, Sammler davon zu überzeugen, gute Ware einzuliefern. Christie’s hatte auf seiner Abendauktion in der Woche der Frieze Art Fair, wo die Käufer ohnehin in der britischen Hauptstadt weilen, nur 25 Lose aufgerufen, die insgesamt 11,2 Millionen Pfund einbrachten, weit mehr als der obere Schätzwert. Was sich unter anderem mit den als Reaktion auf die Finanzkrise niedrigen Taxen erklären lässt. Garantien geben die Hauser seit Dezember letzten Jahres ohnehin nicht mehr. Bemerkenswert auch das Abschneiden von Neo Rauchs Gemälde "Stellwerk" (1999), das für 892 000 Pfund den Besitzer wechselte, ein Rekord für den Leipziger Maler. Nur ein Los ging zurück, und Francis Outred von Christe’s zeigte sich mehr als zufrieden. Sowohl "die Schnäppchenjäger als auch die Großwildäger" seien glücklicherweise wieder zurückgekehrt, meinte er.

Auch bei Sotheby’s, das seine Auktion zum ersten Mal auf den Nachmittag verlegt hatte, gab es eigentlich wenig Grund zur Klage. Sehr viel mehr Lose, zugegeben größtenteils von geringerer Qualität als bei Christie’s, erbrachten 12,7 Millionen Pfund. Höhepunkt hier "Afro Apparition" (2002/03) von Chris Ofili, das für 577 000 Pfund einer iranischen Sammlerin zugeschlagen wurde. Aufmerksamkeit erregte auch "Two Skulls" (2006) von Damien Hirst. Ein New Yorker ersteigerte das Werk für 433 000 Pfund, das, so munkelte man, von keinem anderen als Tobias Meyer eingeliefert wurde, dem weltweiten Chef der Abteilung zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s.

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