Frühjahrsauktionen - New York

13 Minuten für Picasso

Das New Yorker Auktionshaus Christie's erzielte auf der Frühlingauktionen mit den ganz großen Namen der Kunst das beste Ergebnis der vier letzten Jahre. Doch der erfolgsverwöhnte Kunstmarkt giert nach neuen Rekorden.

Die Erwartungen waren hoch. Doch statt mit einem rauschenden Fest ging es zum Auftakt der New Yorker Frühlingsauktionen mit einer eher lahmen Party bei Christie's los.

Zwar wurde bei der Versteigerung von Impressionisten und Moderner Kunst mit 285,9 Millionen Dollar das beste Ergebnis in vier Jahren erzielt. Von den 53 angebotenen Werken gingen neun für einen Preis von über zehn Millionen Dollar unter den Hammer und 18 überstiegen die Fünf-Millionen-Grenze. Aber der erfolgsverwöhnte Kunstmarkt giert nach neuen Rekorden. Viele Arbeiten wurden weit unter den Erwartungen versteigert. Sechs fanden keinen Abnehmer.

Angeführt wurde der Abend von Claude Monets berühmten Seerosen ("Nymphéas" von 1907). Das Werk wurde seit 1926 nicht mehr ausgestellt und verkaufte sich für 27 Millionen Dollar an einen asiatischen Privatmann. Pierre-Auguste Renoirs "Jeunes filles jouant au volant" ging für 11,3 Millionen Dollar unter den Hammer. Beide Werke stammen aus dem Nachlass der Kupferbergbau-Erbin Huguette Clark, deren Vater Las Vegas gegründet hatte und die 2011 im Alter von 104 Jahren gestorben ist.

Platz zwei wurde von Pablo Picassos Porträt seiner Geliebten Dora Maar von 1942 "Portrait de femme (Dora Maar)" eingenommen, das unter dem oberen Schätzwerk von 25 Millionen Dollar einen Hammerpreis von 22,5 Millionen Dollar erzielte. Nummer drei ging an das Porträt eines jungen Mannes mit roten Haaren von Modigliani ("Jeune homme roux assis") für 17,6 Millionen Dollar. Auf Platz vier landete Wassily Kandinskys Abstraktion "Strandszene" von 1909 mit 17,1 Millionen Dollar.

Picassos Dora Maar und Kandinskys Strandszene stammten neben weiteren acht Werken (darunter "Le Modèle" von George Braque für 9,1 Milllionen Dollar und "Moment de Transition" von Salvador Dalí für 9,1 Millionen Dollar) aus der Sammlung von Viktor and Marianne Langen und ihrer im Rheinland sitzenden Stiftung. Die Langen-Familie trennte sich von den Werken, die in den Ausstellungen des Kunsthauses der Stiftung auf der Raketenstation Hombroich zu sehen waren, um neues Kapital in ihre Sammlung stecken zu können. Insgesamt machte die Familie 79,8 Millionen Dollar mit dem Verkauf.

Während sich Sotheby's mit dem Investor Daniel Loeb abplagt, der sich aggressiv den Weg in den Vorstand des Auktionshauses erkämpfte und eine neue Unternehmsführung und –strategie fordert (der fehlgeschlagene Versuch, Loebs Attacke abzuwehren, kostete Sotheby's mehr als 15 Millionen Dollar), liefen auch die Auktionen mit Pannen ab. 21 der insgesamt 72 Lose blieben ohne Käufer. Insgesamt brachte der Abend 219 Millionen Dollar ein – und lag weit unter dem oberen Schätzwert von 317 Millionen. Das Highlight bei Sotheby's und der Auktionen insgesamt: Pablo Picassos Gemälde "Le Sauvetage" von 1932, das nach einem 13 Minuten andauernden Bietgefecht für 31,5 Millionen Dollar unter den Hammer kam – und den Schätzwert von 14 bis 18 Millionen Dollar weit überstieg.

Käufer aus Asien machten 30 Prozent aus und hielten den sonst schleppenden Abend, der erstmalig ohne Tobias Meyer und mit dem Auktionator Henry Wyndham ablief, am Laufen. So gingen Henri Matisses "La Séance Du Matin" (von 1924), das die Assistentin des Künstlers beim Malen zeigt, für 19,2 Millionen Dollar, Claude Monets "Le Pont japonais” für 15,8 Millionen Dollar und Alberto Giacomettis "La Place" für 13 Millionen Dollar an Privatsammler aus Asien.