Christie's - New York

Jung, sexy und schmutzig

Zusätzlich zu den Auktionen von zeitgenössischer Kunst, organisierte Christie's eine Sonderversteigerung, die nicht nur mit namenhaften Künstlern lockte. Ein Werbevideo, das einen Skateboarder zwischen den Kunststücken im Christie's Lager zeigt, sorgte bereits vor Auktionsstart für ein wildes Image des Hauses.

Wer sich die Damen mit den perfekten Frisuren und den sündhaft teuren Handtaschen oder die betagten Herren in ihren eleganten Anzügen anguckt, die sich diese Woche wieder bei den Versteigerungen von Christie’s und Sotheby’s versammeln, wird sie schwer mit coolen Skateboarder-Jungs in Verbindung bringen.

Aber Marketing ist alles. Auch wenn der Kunstmarkt mit seinen Investoren, Hedgefondsmanagern und dem konservativen Geldadel von der Welt der Underdogs und Skater nicht weiter entfernt sein könnte.

Christie’s ließ sich davon nicht berirren. Zusätzlich zu den Auktionen von zeitgenössischer Kunst ließ das Auktionshaus eine Sonderversteigerung von dem 33-jährigen Mitarbeiter Loic Gouzer organisieren, der bis auf die Benefiz-Auktion für Leonardo DiCaprios Umwelt-Stiftung nicht viel Erfahrung mitbringt. Um den Event zu promoten, stellte das Auktionshaus ein Video auf die Website, in dem ein Skateboarder seine Kunststücke im Christie’s-Lager zwischen dem teuren Kunstgut vorführt – die Christie’s-Mitarbeiter dienen als Statisten. Vorab konnte man sich über einige der angebotenen Arbeiten auf Gouzers Instagram-Site auf dem Laufenden halten, wo ein Foto von Richard Prince neben dem jungen Auktionshausmitarbeiter ebenso zu bewundern ist wie Gouzer beim Tauchen und Fischen. Die Message für all diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben, war klar: Kunst gehört zu einem sexy Lifestyle dazu.

So verwundert es nicht, dass 15 der 35 Lose durch Garantien im Vorfeld verkauft worden waren. Im Angebot waren Werke, mit denen die schmutzige Schattenseite der zeitgenössischen Kunst beleuchtet werden sollte, so das Auktionshaus. Das ließen sich Eli Broad, Peter Brant, Donald und Mera Rubbell, der Schauspieler Tobey Maguire und Daniel Loeb, der Mann, der Sotheby´s so viel Ärger bereitet, nicht entgehen. Zum Verkauf standen Werke junge Künstler wie der 1988 geborene Louis Eisner, der 1982 geborene LA-Künstler Alex Israel, Wade Guyton, Dan Colen, Joe Bradley oder Michael Riedel. Aber auch alte Meister wie On Kawara, Martin Kippenberger, Rudolf Stingel oder Richard Prince, der für den Titel der Verkaufsshow herhalten musste. Der Abend lief unter dem Motto "If I Live I’ll See You Tuesday" nach einem von Prince' Joke-Paintings und war eine Stunde vor der Versteigerung bei Phillips angesetzt – um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen.

Es zählt zu der Ironie des Kunstmarktes, dass ausgerechnet ein Künstler, der dem Mark schon immer kritisch gegenüberstand, neue Tore geöffnet hat. Im November wurde Christopher Wools Bild "Sell the House Sell the Car Sell the Kids " für 26,4 Millionen Dollar bei Christie’s versteigert. Damit überstieg zum ersten Mal ein Werk aus den achtziger Jahren die 20-Millionen-Dollar-Grenze. "Das Eis war gebrochen. Auf einmal war dieses Bild so bedeutend wie ein de Kooning und in derselben Preisklasse", erzählte Gouzer der New York Times vor seinem großen Sale.

Der brachte dem Auktionshaus 134,6 Millionen Dollar ein. 14 Rekorde wurden für folgende Künstler erzielt: Louis Eisner, Joe Bradley, Alex Israel, On Kawara, Wade Guyton, Thomas Schütte, Michael Riedel, Peter Doig, Glenn Ligon, R.H. Quaytman, Adam McEwen, Dan Colen, Richard Prince und Martin Kippenberger, der den Abend mit einem Selbstporträt von 1988, das er nach der Vorlage eines Fotos des alten Picassos gefertigt hatte, anführte. Das Bild ging für 18,6 Millionen Dollar unter den Hammer.

Dass viele Künstler den Tanz um das Geld und die Preise, die in Rekordzeit hochgetrieben werden, verachten, interessiert in aller Regel niemanden. Der New Yorker Künstler Wade Guyton war dermaßen entrüstet über den Preis, der für eines seiner am Farbprinter hergestellten Flammen-Bilder ("Untitled (Fire, Red/Black U)" angesetzt worden war, dass er Fotos aus seinem Atelier, das er mit Kopien des Bildes überflutete, auf seiner Instagram-Site postete (@burningbridges38). Außerdem protestierte ein junger Mann, bei dem nicht klar war, ob er Verbindungen zu Guyton hatte, vor dem Auktionshaus. Christie´s würde zeitgenössische Kunst zu überhöhten Preisen auf den Markt werfen und junge Künstler verheizen, so der einsame Demonstrant.

Es half alles nichts. Guytons Bild verkaufte sich über dem Schätzpreis für 3,5 Millionen Dollar an einen Telefon-Bieter. Die Auktion sollte Richard Prince, dessen Preise in den vergangenen Jahren abgesackt sind, neuen Aufwind geben. Eines von Prince' Nurse-Paintings verkaufte sich für 8,5 Millionen Dollar. Peter Doigs Landschaft "Road House " wurde für 11,9 Millionen Dollar von einem Paar geheimnisvoller Zwillinge eingekauft, die im Auftrag einer asiatischen Familie handelten. Ein Kerzen-Bild des inzwischen solide lebenden früheren Poster-Bad-Boys Dan Colen erzielte drei Millionen Dollar. Ein wildes Images zahlt sich aus.

Mehr zum Thema im Internet