Art Basel Miami Beach 2009 - Kunstmesse

Der Goldrausch ist vorüber

Vorbei sind die Zeiten, als sich zum Startschuss der großen Kunstmessen ganze Hundertschaften von Sammlern an den Eingangstüren drängelten, und sich – kaum war die Farbe getrocknet – um die Werke begehrter Jungstars rauften. So mancher VIP hatte da im Grabenkampf der Ellenbogen schon mal die Manieren über Bord geworfen. Der große Goldrausch scheint in Miami erst einmal passé.
Der Goldrausch ist vorüber:Das Fazit zur Art Basel Miami Beach 2009

Als Künstler nicht als Käufer in Miami: Filmstar Sylvester Stallone vor seinen Bildern bei der Eröffnung der diesjährigen Art Basel Miami Beach

Nicht nur der Immobilienmarkt an Floridas Sonnenküste hat seinen Glanz verloren, auch die Art Basel Miami Beach hat – zumindest vorerst – an Strahlkraft deutlich eingebüßt. Und was ist schon eine Messe, deren Image nicht zuletzt auf Hype und exzessivem Glamour beruht, ohne rechte Partystimmung?

So geht es dieser Tage also ruhiger zu im Convention Center und entlang der Nobelmeile Collins Avenue. Kritiker lästern längst über das Ende der großen Sause, andere sprechen von einer wohltuenden Normalisierung. Tatsache ist, dass vom einstigen Energie-Level der ersten Messestunden nur noch wenig zu spüren war. Das lag freilich nicht allein an der erlahmten Kauflust des amerikanischen Publikums – auch die Qualität des Angebots auf der aktuellen Art Basel Miami Beach liegt über weite Strecken unter dem Gewohnten.

Dazu kommt eine Neugestaltung des Parcours, die eher für Verwirrung sorgt. Da schien so mancher entnervte Sammler mehr mit dem Studieren des Messeplans als mit dem Kauf von Kunst beschäftigt gewesen zu sein. Insgesamt 265 Galerien finden sich nun unter einem Dach, wobei die Ausstellungsfläche um ein Drittel auf rund 4 500 Quadratmeter vergrößert wurde. Ein Markenzeichen der Art Basel Miami Beach, das Containerdorf am Strand, wurde aufgelöst – die "Art Positions", die sich dort befanden, durften in die Haupthalle umziehen und reihen sich nun um einen Kubus mit Cafe und Lounge in der Mitte des Convention Center. Doch zusammen mit den "Art Kabinetten", der "Art Nova" sowie dem regulären Galerien-Sektor wuchert der Messegrundriss zur unübersichtlichen Melange. Trotz ermutigender Ergebnisse auf den November-Auktionen in New York war nicht nur Insidern schon lange vor dem Eröffnungstag klar geworden, dass die Art Basel Miami Beach 2009 gemächlicher verlaufen würde als in den Vorjahren.

"Wir sollten zufrieden sein"

Insbesondere europäische Sammler scheuten diesmal die Reise über den Atlantik, und auch das US-Publikum, gebeutelt von der Wirtschaftskrise im eigenen Land, hielt sich in den ersten Stunden spürbar zurück. Und viele Händler waren ihrerseits allzu großen Risiken aus dem Weg gegangen; man setzt derzeit vielerorts auf weniger Spektakuläres. Andere, wie Maureen Paley aus London, sind gar nicht erst erschienen.

Freilich finden sich auch diesmal zahlreiche Hochkaräter im Angebot. Die Acquavella Gallery aus New York etwa zeigt Roy Lichtensteins "Black/White Sunrise" von 1964 zum Preis von 9,5 Millionen Dollar, Landau Fine Arts trumpft mit Alberto Giacomettis Bronze "Trois hommes qui marchent " (19,5 Millioinen) und Helly Nahmad hat gleich seine gesamte Koje klassischen Skulpturen von Alexander Calder eingerichtet. Unter den Zeitgenossen konnte sich einmal mehr Cecily Brown behaupten. Eine Leinwand von 2009 war zum Listenpreis von 450 000 Dollar bei Contemporary Fine Arts aus Berlin schnell reserviert, eine bemalte Bronze der britischen Bildhauerin Rebecca Warren (42 000 Dollar) bei Max Hetzler ebenso zügig verkauft.

Einmal mehr führt auch auf der Messe von Miami kein Weg vorbei an einem programmatisch eng verflochtenen Galerien-Quartett: Andrew Kreps und Miguel Abreu, beide aus New York, Sutton Lane (Paris, London, Brüssel) sowie die Galerie Daniel Buchholz mit Sitz in Köln und Berlin. Im Aufgebot sind einige der begehrtesten Nachwuchskünstler.
Kreps zeigt den New Yorker Maler Cheyney Thompson, dazu Fotografien von Roe Etheridge; Thompsons Zeichnungen kosten hier 3 500 Dollar, Gemälde sind ab 12 000 Dollar zu haben. Abreu, der sich binnen weniger Jahre mit seiner kleinen Galerie an der Lower East Side zu einem Fixstern der New Yorker Szene gemausert hat, präsentiert eine Einzelschau mit Bildern von Pieter Schoolwerth – ein Bild mittleren Formats zum Preis von 14 000 Dollar war umgehend vergriffen – während Sutton Lane Arbeiten von Reena Spaulings im Gepäck hat. Buchholz zeigt hingegen ein ungleich breiteres Spektrum: von etablierten Stars wie Wolfgang Tillmans über Danh Vo bis hin zum Berliner Bildhauer Julian Goethe, der in Miami mit einer Zeichnung zum Preis von 5 000 Dollar vertreten ist. Der deutsche Galerist zeigte sich trotz eines zähen Starts am Ende des ersten Messetages dennoch zuversichtlich: "Wir sollten zufrieden sein. Es kann ja nicht jedes Jahr boomen. Immerhin kommen die Leute, und das Interesse ist da. Während der letzten großen Krise zu Beginn der Neunziger standen wir schließlich allein auf den Messen herum."

"Art Basel Miami Beach"

Termin: bis 6. Dezember 2009, Miami Beach
http://www.artbaselmiamibeach.com/