Viennafair - Wien

School of Happiness

Die Viennafair begeistert in ihrem neunten Jahr mit junger Kunst aus Osteuropa und wird durch das Kuratorenprogramm "curated by" in 20 Wiener Galerien und die beiden Parallel-Messen im Wiener Zentrum zu einem Höhepunkt der Galeristenszene.

Irgendetwas war anderes bei der diesjährigen "Viennafair". Es war voll. Bummvoll. Bei der Vernissage und an den vier Messetagen danach.

Man dachte es sich also schon – die Strategie der zwei jungen Messeleiterinnen hatte jetzt, in ihrem zweiten Jahr, funktioniert: Mehr Popularität, trällerten Christina Steinbrecher-Pfandt und Vita Zaman unablässig in die Mikros, warfen sich dafür sogar teils in schräge Kostüme und tragen etwa schwarzen Hut mit langer Teufelspfauenfeder. Was tut man nicht alles für mehr Glamour und Aufmerksamkeit. Und dem litauisch-deutschen Duo macht das auch noch sichtlich Spaß, schön ist das.

Von Arco-Madrid-Volksfestdimensionen ist man bei der Wiener Messe zwar trotzdem noch weit entfernt, aber ein Plus von 5000 Besuchern macht sich bei einer seit nunmehr neun Jahren zwischen 15 000 und 17 000 dümpelnden Veranstaltung schon spürbar bemerkbar. Auch das künstlerische Motto der Messe, das jeglichen Kunstkonsum zur "School of Happiness" erklärte, schien abgefärbt zu haben. Die gute Laune hat auch einen Großteil der rund 120 Galeristen erfasst, von denen mittlerweile schon traditionell (zum Teil unterstützt von Hauptsponsor Erste Bank) viele aus dem Osten Europas anreisen. Der über die Jahre durchgehaltene CEE-Fokus (Central and Eastern Europe) der Messe scheint endlich Erfolg zu zeigen, was auch mit dem neuen Eigner der "Viennafair" zu tun hat, einem Russen, das Engagement ist also mittlerweile ziemlich authentisch. Drehte sich voriges Jahr noch alles um Kunst als "Investment", so hat sich der Ton diesmal gewandelt. Der in der Öffentlichkeit stehende Messe-Geschäftsführer Sergey Skaterschikov inklusive seinem "Art Investment Forums" ist verschwunden. Der bisher recht geheimnisumwitterte Geldgeber im Hintergrund rückte sichtbar ein wenig unwillig nach vorne, Dmitry Aksenov. So sieht er also aus, der Oligarch, dachten sich die meisten. "Um gleich die erste Frage vorweg zu nehmen, bin ich ein Oligarch?", reagierte Aksenov auf das ihm entgegengebrachten Klischee bei der Pressekonferenz offensiv. Und antwortete sich selbst mit "Nein." Natürlich. Er gehöre zu einer neuen Generation russischer Unternehmer, die ihr Land verbessern wollen. Wobei er das tut, indem er rund um Moskau neue Siedlungen aus dem Boden stampft, ein klassischer Immobilien-Developer also. Worin auch sein Interesse für Kunst begraben liegt, Kunst und Kultur als Aufwertung von Lebensumständen.

Immerhin spricht er nicht von Trophy-Art und von Investment-Kunst und will die "Viennafair" noch mehr "internationalisieren", wie sein Ex-Partner Skaterschikov, mit dem übrigens noch einige rechtliche Fragen zu klären sind, so Aksenov. Nämlich wem die Sammlung jetzt tatsächlich gehöre, die der von Skaterschikov gegründete "Art Vectors Investment Fund" um 600 000 Euro voriges Jahr auf der Viennafair zusammenkaufte. In diesem Jahr werde der Fund ruhen, sagte Aksenov. Die Umsätze mussten also allein von den anreisenden Sammlern kommen.

Und sie scheinen tatsächlich gekommen zu sein. Auch von russischen Sammlern, die Aksenov vermehrt auf die Messe zu bringen versprochen hatte. "Ich habe noch nie so viele Russen auf einer Messe gesehen wie hier", bestätigt der Berliner Galerist Michael Schultz, der grundsätzlich "sehr zufrieden" war mit der Messe. Er hatte zwischendurch einige Jahre pausiert hier und merkt jetzt "spürbar, dass neue Köpfe und Hände am Werk sind, vor allem welche, die nicht aus dem Messebusiness kommen." Das Format sei gründlich durchgerüttelt worden, tatsächlich wurde enorm viel in der Vermittlung getan, es gab Führungen nicht nur für Kinder und Familien, sondern auch für Pensionäre. Den kleinen Malewitsch, den Schultz am Stand zeigte, konnte er zwar dennoch nicht nach Russland verkaufen, wäre wohl auch zu kitschig gewesen. Dafür einen kleinen Gerhard Richter zurück nach Deutschland und einen großen Richter darf er erst einmal "zur Ansicht" nach Österreich schicken. Auch Galerien wir die des Wieners Georg Kargl waren zufrieden, "es gibt sie schließlich tatsächlich, die Sammler aus dem Osten", weiß man hier. Angebot und Nachfrage "scheinen sich einzuspielen".

Dieser Schwerpunkt ist es auch, der wirklich Spaß macht auf der "Viennafair", die Parties, das ambitionierte Kuratorenprogramm "curated by" in 20 Wiener Galerien und die beiden Parallel-Messen im Wiener Zentrum einmal abgesehen – es war heuer echt etwas los rund um die Messe. Die Konzentration auf "den Osten" aber bringt den Schwung und den Witz. Nur eine Galerie aus Frankreich findet man etwa hier, eine aus Belgien, eine aus Italien. Dafür bekommt man junge Kunst aus Albanien, Bulgarien, Estland, Finnland, Kasachstan, Ukraine, Türkei, viele Galerien aus Polen und Rumänien, Russland. Auch Non-Profit-Spaces aus diesen Ländern konnten durch den Sponsor OMV geholt werden. Vielen der Werke hier ist gemein, dass sie sich herrlich ironisch mit ihrer etwas abseitigen Marktsituation beziehungsweise der Krise auseinandersetzen. "Ich habe hier selbst einiges gekauft von sogenannten Ostkünstlern", erzählt Galerist Schultz. Ein besseres Zeichen für eine Messe kann es eigentlich fast nicht geben. Da sieht man über ein paar unausgereifte Ideen wie den etwas lieblos hingestellten neuen Skulpturenpark am Messeplatz eben einmal hinweg. Die "School of Happiness" hat schließlich gerade erst begonnen.